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Leerstand auf der einstigen Einkaufsraße: Immer weniger Geschäfte auf dem Brüser Berg

Leerstand auf der einstigen Einkaufsraße : Immer weniger Geschäfte auf dem Brüser Berg

Großflächiger Einzelhandel gräbt den Subzentren im westlichen Bonn das Wasser ab. Während die CDU Gegenmaßnahmen fordert, glaubt die Wirtschaftsförderung nicht, dass eine Werbekampagne der richtige Weg ist.

Leerstehende Läden auf der Borsigallee bereiten dem Vorsitzenden des Unternehmerverbunds Brüser Berg, Bernhard Schmuck, große Sorgen. Die schilderte er unlängst dem General-Anzeiger. Obschon eigentlich ein Bekleidungs-, ein Schuhgeschäft und eine Drogeriemarkt fehlen würden, sieht er derzeit wenig Chancen für den Straßenzug. Als Immobilienberater weiß er um die Problematik, wie Leerstand sich in ein Quartier förmlich hineinfressen kann.

Welche Gegenmaßnahmen gibt es? Nach Einschätzung von Bert Moll (CDU) könnte die Einkaufsstraße durch gezielte Dienstleistungs- und Gewerbeansiedlungen aufgewertet werden. So schlägt er beispielsweise für den seit gut zehn Jahren leerstehenden ehemaligen Schlecker-Markt vor, einen Betreiber zu suchen, der spezifische Bedürfnisse der örtlichen Bevölkerung abdeckt. Mit Blick auf demographische Veränderungen wäre etwa ein Sanitätsfachgeschäft sinnvoll. Oder für die vielen Hundehalter ein entsprechendes Angebot.

In einer Großen Anfrage hat die CDU-Bezirksfraktion die weitere Entwicklung der Fußgängerzone unter dem Stichwort „Gewerbekonzept Brüser Berg“ jetzt aufgegriffen. In seiner Stellungnahme weist das Amt für Wirtschaftsförderung jedoch darauf hin, dass es sich um ein Wohngebiet handele. Gewerbe sei dort – mit Ausnahme der Nahversorgung – nicht vorgesehen. Die Einkaufsstraße wird im gesamtstädtischen Einzelhandels- und Zentrenkonzept von 2008 als zentraler Versorgungsbereich dargestellt mit der Konsequenz, dass sie Schutz genießt, sollte ein Investor Einzelhandel außerhalb dieses Bereichs planen.

Bereits vor der Pandemie hatte das Institut für Handelsforschung für 2030 ein Szenario für Nordrhein-Westfalen errechnet, demzufolge rund 25 000 Einzelhandelsunternehmen wegfallen könnten. Diese Entwicklung würde insbesondere kleinere Gemeinden und Subzentren betreffen. Angeschlagen ist die Einkaufsstraße seit Langem durch die starke Konkurrenz der Supermarkt-Standorte am Basketsring und in Alfter-Oedekoven. Im Einzelhandels- und Zentrenkonzept war das 2008 bereits prognostiziert. Die Ladenzeile an der Julius-Leber-Straße ist längst Geschichte. Dort sind zwar – neben sichtbarem Leerstand - Unternehmen ansässig, jedoch keine im Sinne einer Versorgung für den täglichen Bereich. Dazu liegt der Basketsring mit seinem Angebot viel zu nah. Wachsender Leerstand wird allerdings durch den Krisenmodus in Corona-Zeiten noch beschleunigt. Und am Ende, so die Wirtschaftsförderung werde das auch Folgen für die Immobilienbesitzer haben.

In ihrer Anfrage will die CDU genauer wissen, welche Gründe es für die Leerstände gibt: Sie sind „Folge marktwirtschaftlicher Prozesse“, antwortet die Verwaltung. „Ein Einzelhandelsunternehmen wird sich nicht an einem Ort ansiedeln, an dem es nicht genügend Umsätze erwirtschaften kann.“ Denn: Anbieter von Sortimenten des täglichen Bedarfs waren zwar ursprünglich Magneten in den kleineren Zentren wie dem Brüser Berg, doch gegen 4500 Quadratmeter Verkaufsfläche für Vollsortimenter, Discounter und Drogeriemarkt beispielsweise am Basketsring konnten sie nicht konkurrieren.

Vom CDU-Vorschlag für bessere Werbung für den Standort Brüser Berg hält das Amt für Wirtschaftsförderung wenig. „Die ansässigen Unternehmen kennen ihre Kundschaft in der Nachbarschaft am Besten, daher richten sie ihre Werbemaßnahmen an den Bedürfnissen aus“, heißt es in der Stellungnahme. Räumlich darüber hinaus reichende Werbung wäre nicht zielführend, „da dies lediglich zu Umsatzverlagerungen aus anderen Nahversorgungszentren wie Duisdorf oder Lengsdorf und zu vermeidbaren Verkehren führen würde.“