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Quartiersmanagement in Bonn: Initiative nimmt sich Bonner Problem-Stadtteile vor

Quartiersmanagement in Bonn : Initiative nimmt sich Bonner Problem-Stadtteile vor

Die Bonner Verbraucherberatung geht mit Sprechstunden vor Ort neue Wege. Nach dem Pilotprojekt in Tannenbusch bekommen nun auch die Bewohner in Dransdorf, Medinghoven und Pennenfeld eine Anlaufstelle direkt vor der Haustür. Kooperationspartner bieten auch Abfall- und Umweltberatung an.

Die Bonner Verbraucherzentrale hat seit sechs Jahren eine Anlaufstelle in Tannenbusch. Die Resonanz auf das Angebot ist gut, sodass die Beratung auch in anderen Quartieren stattfinden soll. „Wir haben mit der aufsuchenden Verbraucherarbeit viel Erfahrung gewonnen und verstehen uns als fehlendes Puzzleteil für ein gutes Quartiersmanagement“, sagt Leiterin Susanne Bauer-Jautz. Leicht erreichbare Anlaufstellen gibt es jetzt auch in Dransdorf, Medinghoven und Pennenfeld – ergänzt um Abfall- und Umweltberatung. „Stadtteilbewohner, die aufgrund ihrer Lebensumstände und ihres geringen Einkommens auf Hilfe zur besseren Bewältigung ihres Konsumalltags angewiesen sind, können wir gezielter unterstützen“, so Bauer-Jautz.

Das Geld für eine Planstelle bekommt die Verbraucherberatung hälftig vom Amt für Soziales und Wohnen sowie vom Land. „Verbraucherberatung vor Ort, in benachteiligten Quartieren, erreicht eine Zielgruppe mit dem höchsten, objektiven Bedarf“, betont die Leiterin Anja Ramos. „Denn gerade dort werden mangelnde Kenntnisse durch Abzocke und windige Haustürgeschäfte ausgenutzt.“ Neben den wöchentlichen offenen Sprechstunden, etwa im Stadtteilverein Dransdorf an der Lenaustraße werden zielgruppenspezifische Veranstaltungen angeboten. So warnt die Verbraucherzentrale beispielsweise im Seniorentreff vor Haustürgeschäften, im Jugendhaus vor Gefahren bei Apps und informiert im Stadtteilcafé über Energieeinsparung. Beim Pilotprojekt in Tannenbusch haben die Beraterinnen die Erfahrung gemacht, dass sich die gezielten Unterstützungsangebote durch Mund-zu-Mund-Propaganda rasch verbreiten.

Ungewöhnliche Kooperation mit der Stadt

Das Konzept der Verbraucherberatung vor Ort – „wir gehen raus, die Leute müssen nicht zu uns in die Stadthausloggia kommen“ – gibt es derzeit nur in Bonn und Köln. Ungewöhnlich ist die Kooperation mit städtischen Ämtern. Angepackt werden soll auch das Problem der Vermüllung in Quartieren. Da kommt als Partner das Kommunalunternehmen Bonnorange AöR in Spiel: Die neu eingerichtete Abfall- und Umweltberatung soll über nachhaltiges Handeln und umweltbewussten Konsum aufklären. Geld für die Beratung geben Bonnorange und das Land NRW in den Topf. Richard Münz, stellvertretender Vorstand, ist überzeugt, „dass wir gemeinsam mit der Verbraucherzentrale in den Stadtteilen viel für ein abfallarmes Bonn erreichen können“. Das Aufstellen der Roten Tonne für Elektrokleingeräte in den Stadteil- und Quartiersmanagementbüros ist der erste Schritt. Zielgruppe sind vor allem junge Leute, die für Bonnorange mit der klassischen Aufklärung bisher schwer anzusprechen waren. Eine kleine Ausstellung im Stadtverein Dransdorf, unter dem Titel „Elektroschrott ist Gold wert“, soll den Anstoß für Gespräche mit Anwohnern geben.

Langfristige Perspektive gewünscht

Dritter im Bund des Kooperationsprojekts ist das Amt für Umwelt und Stadtgrün. Leiter David Baier erhofft sich von dem neuen Angebot, dass wichtige Klimaschutzmaßnahmen „auch in den Lebensalltag der Quartierbewohner Eingang finden“. Aus Sicht von Katharina Helmerking, der Geschäftsführerin des Dransdorfer Stadtteilvereins, sind die aufgestellten Bausteine der Zusammenarbeit schon jetzt ein Gewinn. Sie wünscht sich dafür eine langfristige Perspektive.