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Wohnungsbau in Bonn: Investor rodet Bäume an der Ziegelei in Lengsdorf

Wohnungsbau in Bonn : Investor rodet Bäume an der Ziegelei in Lengsdorf

Auf dem ein Hektar großen Areal an der Ziegelei in Lengsdorf sollen über 100 Wohnungen gebaut werden. Der neue Investor hat jetzt überraschend die Mehrzahl der dort stehenden Bäume gerodet. Offenbar steht auch noch nicht fest, wie es nun weitergeht.

Aus heiterem Himmel und binnen drei Tagen ist der Wald auf dem Gelände „An der Ziegelei“ bis auf einige große Bäume verschwunden. Über viele Jahre war er den Anliegern an der Hardtbergstraße ein gewohnter Anblick. Dass ein Rodungskommando in letzter Minute, bevor Fällarbeiten wegen des Brutschutzes untersagt sind, das Gelände abräumte, hat bei den Anwohnern für Aufregung gesorgt. „Jetzt schreiben Sie bloß nicht, wir wären gegen eine Bebauung. Wir sind dafür. Aber es bleibt schon die Frage, ob man das so machen kann“, sagt Wilfried Schneider. Das Gelände ist völlig rasiert, und auch die Wurzeln wurden herausgerissen. Schneider bedauert, „dass die vielen Tiere, die dort beheimatet waren, nun vertrieben wurden“. Unfassbar findet er, dass es zuvor keine Information über die Fällaktion gab. „Wir würden jetzt gern wissen, wie es weitergeht. Wir werden dermaßen im Unklaren gelassen.“

Die rund ein Hektar große Fläche gehört zum Standort einer ehemaligen Ziegelei. 2016 wurde sie an einen privaten Investor verkauft. Auf GA-Nachfrage teilt die Verwaltung mit, dass sich für die Fläche aktuell „ein Bebauungsplan im Aufstellungsverfahren befindet“. Der bestehende Bebauungsplan von 1976 weist das Areal als Gewerbegebiet aus – das soll geändert werden. Dieses Verfahren zieht sich allerdings hin. Bereits 2017 haben Hauptausschuss und Bezirksvertretung einer Wohnnutzung grundsätzlich zugestimmt. In der Zeit hat der damalige Investor Verwaltung und Politik mehrfach Konzepte vorgelegt. Im Prinzip war die Rede bislang von rund 120 Wohneinheiten sowie einer Kita. Rund 40 Prozent der Wohnungen würden aktuell unter das Bonner Baulandmodell fallen, das heißt, sie sind öffentlich gefördert.

Wegen der Größe des Bauprojekts hatte die Verwaltung angekündigt, die Sache mit Priorität voranzutreiben. Wie sich jedoch jetzt herausstellt, hat der Investor das Grundstück im vergangenen Oktober weiterverkauft. „Wir waren das Verhandeln leid“, sagt Rudi Nettekoven. „Immer wieder kamen Änderungswünsche, in die wir hineingezwungen wurden.“ Am Ende hat Nettekoven wegen des geforderten Baus einer vierzügigen Kita und wegen des Bonner Baulandmodells abgewunken. Nun fragt sich, ob der neue Eigentümer die Pläne des Vorgängers weiterverfolgt, wovon Nettekoven ausgeht. Allerdings hat der aktuelle Investor, die Düssel Projektierung GmbH mit Sitz in Düsseldorf, auf mehrfache GA-Anfrage bislang nicht reagiert.

Wohnungsbau in Bonn: Investor rodet Bäume an der Ziegelei in Lengsdorf
Foto: GA-Grafik

Überrascht von dem Kahlschlag auf dem Gelände war offenbar auch die Bonner Verwaltung. Mitarbeiter haben sich erst später vor Ort ein Bild gemacht. Auf Nachfrage kündigt das Presseamt als nächsten Schritt einen politischen Beschluss zur frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung für die zweite Jahreshälfte an. Fragt sich jedoch, ob der Eigentümerwechsel dabei bereits einkalkuliert ist.

Politik befürwortet Wohngebiet

Für das Waldstück liegen aus der Vergangenheit, so die Auskunft des Presseamtes, eine Artenschutzprüfung und ein Baumgutachten zur Erfassung und Bewertung des Baumbestands vor. Es sei zulässig, den nicht satzungsgeschützten Baumbestand außerhalb der Brutzeit zu fällen. Das war offensichtlich der überwiegende Teil, denn lediglich an den Grundstücksgrenzen stehen noch Bäume – hauptsächlich Buchen. Die Stadt hat 65 satzungsgeschützte Laubbäume erfasst. Falls die einer Bebauung im Weg stehen, muss eine Fällgenehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde beantragt werden. Ein entsprechender Antrag läge bislang nicht vor. Ohnedies würde eine Fällgenehmigung erst im Anschluss an das Bauleitplanverfahren bearbeitet. Die Stadt „wird prüfen, ob satzungsgeschützte Bäume entfernt wurden“. Dass der Investor jetzt aktiv wurde, kann damit zusammenhängen, dass die Mehrzahl der Bäume wegen ihres Umfangs noch nicht unter die Baumsatzung fällt. Bis der Bebauungsplan steht und Bagger anrücken, wären die Bäume möglicherweise zu groß – und die Rodung müsste behördlich genehmigt werden. 

„Alles auf Null“, ärgern sich Hardtberger Politiker. Auch sie sind vor vollendete Tatsachen gestellt. Eine Bebauung wird seit Jahren befürwortet, weil es sich um eins der wenigen freien, großen Grundstücke in Hardtberg handelt. Ursprünglich war vorgesehen, den ehemaligen Ziegelei-Standort am Kirchbüchel zur Ansiedlung von Handwerksbetrieben auf den Markt zu bringen. Er war Teil der großen Entwicklungsmaßnahme Hardtberg in den 70er Jahren. Rundherum haben sich Einzelhandel sowie die Rettungswache IV niedergelassen. Aber für dieses Gelände fanden sich trotz mehrfacher Ausschreibung keine Interessenten, bis dieser letzte Hektar schließlich vor fünf Jahren vom Träger der Entwicklungsmaßnahme verkauft wurde. Zuletzt hatten CDU, Grüne und FDP die Verwaltung 2019 aufgefordert, die Änderung des Baubauungsplans „unverzüglich“ umzusetzen.

Aus Sicht der Verwaltung ist jedoch das Herauslösen eines Areals für Wohnbebauung innerhalb eines Gewerbegebiets nicht mit einem Federstrich möglich. Schließlich müssen beide Teile so voneinander getrennt sein, damit Bewohner einerseits und Gewerbetreibende andererseits friedlich miteinander leben können. „Politik und Bauverwaltung haben doch noch gar keine Entscheidung getroffen, was auf dem Grundstück realisiert werden soll und darf“, sagt CDU-Planungssprecher Bert Moll. Auch er hätte sich wie die Grünen eine Vorab-Information durch Stadt oder Eigentümer an die Bürger gewünscht. Die Vorgehensweise des Investors sei „ein schlechter Einstieg in ein gutes Miteinander zu der angrenzenden Wohnbevölkerung.“