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Konzert in Trinitatis-Kirche: Irrlichter aus Bonn haben festen Platz in der Mittelalter-Musikszene

Konzert in Trinitatis-Kirche : Irrlichter aus Bonn haben festen Platz in der Mittelalter-Musikszene

In der Szene haben sich die Musiker der Formation „Die Irrlichter“ einen Namen gemacht. Bei einem Auftritt in der Trinitatis-Kirche sorgten die Bonner für Begeisterung.

Andächtig und beseelt haben die Liebhaber der Mittelalter-Musik in der Trinitatiskirche den vier Frauen gelauscht, die als „Die Irrlichter“ nach ihrer Gründung vor 18 Jahren inzwischen zu einem festen Bestandteil der Mittelalter-Musik-Szene geworden sind. „Es gibt kaum etwas, das mich musikalisch so berührt, wie die Klänge von den historischen Instrumenten“, sagte Freya Konzen (38), die aus Neuss nach Endenich kam, um das Weihnachtskonzert der Irrlichter zu besuchen.

Mit der Advents- und Weihnachtszeit liegt mittlerweile ein erfolgreicher Konzert-Marathon hinter Stephanie Keup-Büser, Annika Thoma, Anna Karin und Brigitta Jaroschek, auf den sie zufrieden zurückblicken können. In Endenich dürften es mehr als 200 Besucher gewesen sein, die den Kirchenraum bis auf den letzten Platz füllten. „Ich war Anfang des Jahres in einem Kasalla-Konzert in der Kölner Philharmonie“, war von Theo ten Haas (45) aus Köln zu erfahren. Dort habe er überraschenderweise die Irrlichter gehört und sei sofort von der Mittelaltermusik fasziniert gewesen. „Da habe ich in mir ganz neue Seiten entdeckt und wollte unbedingt einmal ein Konzert besuchen“, sagt er. Und fügt an, dass er es nicht bereut habe.

„Ja tatsächlich“, sagt Stephanie Keup-Büser, die auf der Bühne die eindrucksvolle Nyckelharpa, ein traditionelles skandinavisches 16-Saiten-Instrument spielt, „wir waren vor Jahren einmal eingeladen, auf einer Feier für Kasalla zu spielen.“ Doch schon nach kurzer Zeit hätten sie nicht für, sondern mit der Kölschrock-Band Musik gemacht. „Wir hatten alle unheimlich Spaß an dem Crossover unserer Musikstile und -instrumente“, erinnert sich Musikpädagogin Keup-Büser an das Kennenlernen aus dem in den letzten beiden Jahren einige gemeinsame Konzerte entstanden sind.

So kam es auch zu dem Auftritt in der Kölner Philharmonie, was den Irrlichtern anscheinend auch neues Publikum bescherte. Natürlich hätten auch die Irrlichter einmal mit dem Spielen auf den Mittelaltermärkten angefangen, so Keup-Büser. Sie gehört zwar nicht zu den Gründerinnen der Frauenband, aber steht bereits seit der ersten von inzwischen sieben CDs mit auf der Bühne.

„Es ist ein Abend, als wennste fliegst“, sagt Sofie Schütz (29) aus Kessenich, die unschwer als Punk zu erkennen ist. So wie einige Besucher des Trinitatiskonzerts in mittelalterlich anmutenden Gewändern gekleidet sind, scheint auch die Textildesignerin mit ihrer besprühten Lederjacke, Ketten, Tätowierungen und Piercings ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein.

Aus der Perspektive der meisten Kirchenbesucher entsprach sie zumindest nicht dem Klischee, das man sich von den Liebhabern der Mittelaltermusik gemeinhin macht. „Die Musik der Irrlichter ist wie Ohrenurlaub für mich“, beschreibt sie die sinnliche Ruhe des Konzerts.

Die vier Irrlichter leben mit und in ihrer Musik auch im Privat- und Berufsleben. So erforscht und lehrt die Sängerin und Zimbelspielerin Anna Karin an der Bonner Uni die Sprache und Literatur des deutschen Mittelalters. Brigitta Jaroschek (Gesang, Mandoline, Harfe) promoviert in Altnordistik und hat bereits das Buch, “Musik und Musiker im mittelalterlichen Skandinavien“ veröffentlicht. Die Pflege- und Gesundheitslehrerin Annika Thoma singt und spielt Flöten, Drehleier und Perkussionsinstrumente und musiziert mit ihrer Familie Folk aus aller Welt und ist davon überzeugt, dass „die Musik Menschen über Grenzen hinweg verbindet.“

In ihrem Weihnachts- und Winterprogramm scheint das den Irrlichtern gelungen zu sein. Dabei erklangen ihre Schalmeien und Harfen wie Instrumente der Engel und der Dudelsack und die Flöte erinnerten an die Hirten. Fröhlich und lustig ging es zu, wenn sie die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht von Marias Esel erzählten. Und nachdenklich konnte die Winterklage von Walther von der Vogelweide stimmen. „Wen diese Musik nicht berührt, hat kein Gefühl!“, ließ ein begeisterter CD-Käufer wissen. Nach verdienter Pause werden die nächsten Auftrittstermine der Irrlichter erst im Frühjahr wieder stattfinden.