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Streetart-Projekt: Junge Graffiti-Künstler gestalten die triste Betonwand einer Gasstation

Streetart-Projekt : Junge Graffiti-Künstler gestalten die triste Betonwand einer Gasstation

"Ich wünsche mir, dass es diese Wand für immer gibt. Meine Enkel sollen mal sehen, was ihr Opa hier gemacht hat", sagt Kirill Pivtorak, grinst breit und streckt den Daumen nach oben. "Von mir ist das V. Ist gut geworden, oder?" Der Zwölfjährige ist einer von zehn Nachwuchs-Künstlern, die im Rahmen des Streetart-Projekts "Medinghoven II" die karge Betonwand einer Gasstation mit Graffiti besprühen durften.

Nach feierlicher Enthüllung der individuell gestalteten Buchstaben des Wortes "Medinghoven" äußerte Bezirksbürgermeisterin Petra Thorand Lob für das Werk der jungen Teilnehmer. "Hier wurde Energie in Kreativität umgewandelt. Die Farbigkeit spiegelt wider, wie vielfältig unsere Stadt ist."

Gregor Winand, Leiter des Jugendzentrums Martin-Bucer-Haus, zeigte sich beeindruckt vom Engagement der zehn- bis 16-Jährigen. "Als ein Treffen der Gruppe wegen schlechten Wetters abgesagt wurde, trafen sich ein paar der jungen Künstler in strömendem Regen trotzdem vor der Wand - nur um ganz sicher zu gehen, dass es nicht vielleicht doch stattfindet." Unter der Leitung der Kunstpädagogik-Studenten Giuseppe Marino und Tim Vogels fuhren die zehn Jugendlichen im September, zu Beginn des Projekts, nach Hennef, um sich an einem legalen Sprayplatz in Hennef inspirieren und eigene Ideen entstehen zu lassen. "Jeder Künstler geht erstmal auf Reisen", so Marion. "Unsere kleine Exkursion war dem nachempfunden." Außerdem habe man vermitteln wollen, dass Graffitis nicht zwangsläufig gegen Gesetze verstoßen und "man als Künstler sogar Geld damit verdienen kann."

Mit Bleistift, Anspitzer und Zeichenblock ging es dann in die Schaffensphase. "Ich habe mich entschieden, das I wie eine Hantel aussehen zu lassen", erklärt die 15-jährige Irina. "Ich habe erst mit Tim zusammen ein paar andere Sachen ausprobiert und wieder verworfen. Die Hantel hat uns dann am besten gefallen."

Es sei spürbar gewesen, dass sich die Jugendlichen stets ihrer Verantwortung bewusst waren, so Winand. "Allen war klar, die Buchstaben müssen rechtzeitig fertig werden." Die Graffiti-Künstler hätten zwar nebeneinander aber auch miteinander gearbeitet: "Da fielen täglich Sätze wie 'Enrico, ist das okay für dich, wenn ich ein bisschen mit meinem M über dein E sprühe?' Auf andere Rücksicht nehmen und die Individualität des Einzelnen anerkennen - darum ging's."

Die Stiftung Jugendhilfe der Sparkasse Köln-Bonn finanzierte das Material, die Stadtwerke stellten die Wand zur Verfügung.

"Ich bin jetzt noch besser in Kunst und will das gerne weitermachen", sagt Kirill selbstbewusst. "Aber natürlich nur da, wo ich das darf. Noch mehr legale Wände wären cool!", fügt er hinzu.