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Kommunionfeiern: Kein Platz für die ganze Familie

Kommunionfeiern : Kein Platz für die ganze Familie

Katholische Pfarrgemeinden in Hardtberg haben unterschiedliche Lösung für das Kommunionfest in Corona-Zeiten gefunden: Viele kleine Feiern bis September und im engen Familienkreis. Das Gemeinschaftliche - ein Kerngedanke der Kommunion - kommt durch die Beschränkungen zu kurz. Einige Eltern wollen auf bessere Zeiten warten.

Ein junges Mädchen im weißen Kleid und vier Jungen in feinen Anzügen sitzen in den vorderen Reihen der Kirche Christi-Auferstehung in Röttgen. Sie sitzen weit voneinander entfernt und tragen einen Mundschutz – genauso wie die Erwachsenen, die über die gesamte Kirche verteilt sind. Es sind die Verwandten und Angehörigen der fünf Kinder, die mit ihnen am Sonntag die Erstkommunion gefeiert haben. Die sieht in Corona-Zeiten ein wenig anders aus als üblich. Die Kirchengemeinden Duisdorf und Endenich haben in diesem Jahr ganz unterschiedliche Lösungen für die Feier während der Pandemie gefunden.

 Viele katholische Kirchengemeinden teilen die große gemeinsame Kommunionfeier in viele kleine auf, damit wenigsten die nahen Verwandten dabeisein können.
Viele katholische Kirchengemeinden teilen die große gemeinsame Kommunionfeier in viele kleine auf, damit wenigsten die nahen Verwandten dabeisein können. Foto: Sofia Grillo

Die Kommunionkinder in Röttgen, Lengsdorf und Endenich feiern ihre Kommunion nicht wie üblich in ihrer vollen Gruppenstärke zu 32, 14 oder 13 Kindern auf einmal. Das würden die Corona-Hygieneregeln in der Kirche nicht hergeben, wenn man ihren größeren Familienkreis als Teilnehmer der Messe mit einberechnen würde. Die Kirchengemeinde Endenich, die all die Kommunionkinder betreut, hat sich entschieden, die Feiern bis Ende September zu aufzuteilen. Damit die Kinder auch ihre Großeltern, Tanten oder Onkel mitbringen können, wurden Kleingruppen von drei bis fünf Kindern gebildet, erklärt Pastoralreferentin Ruth Effertz. Und dadurch finden in Röttgen insgesamt fünf, in Lengsdorf vier und in Endenich zwei Kommunionsfeiern in diesem Jahr statt.

Die Pfarrgemeinde Duisdorf, die die Kommunionkinder in den Stadtteilen Duisdorf und Brüser Berg betreut, hat die Kommunion in diesem Frühjahr komplett abgesagt und sie auf September verschoben – in der Hoffnung, sie dann wieder etwas „normaler“ feiern zu können und den Kindern vorher angemessenen Kommunionunterricht geben zu können, berichtet Pastoralreferent Guido Zernack.

Das Freudvolle des Festes fehlt

Seit fünf Jahren findet der Kommunionunterricht für die Kinder in Duisdorf und auf dem Brüser Berg eigentlich in Großgruppen mit Eltern und Geschwisterkindern statt. Da wären in diesem Jahr fast 150 Personen zusammengekommen – 48 Kommunionkinder und ihre Angehörigen. Doch diese Form der Kommunionkurse war in diesem Jahr wegen der Beschränkungen ausgeschlossen. „Bis Dezember konnten wir uns noch in Kleingruppen treffen, dann kam der Lockdown und es gab keinen Unterricht mehr“, bedauert Zernack.

„Alles was das Gemeinschaftliche anbelangt, ist viel zu kurz gekommen. Und für die Kinder ist der Gemeinschaftsgedanke bei den Katechesen wichtig, doch genau das können wir gerade nicht vermitteln. Sie erleben auch die Atmosphäre in der Kirche ganz anders – sie müssen voneinander entfernt sitzen, Maske tragen und dürfen nicht singen. Die Freude und Ausgelassenheit fehlt.“

Auch der Kommunionunterricht für die Kinder in Röttgen, Lengsdorf und Endenich konnte nicht wie sonst in der Gemeinschaft stattfinden. Bis vor Weihnachten gab es noch Gruppenstunden, dann kamen die Arbeitsblätter und Bastelsets zu den Kindern nach Hause, und seit kurz vor Karneval gibt es Gruppenstunden per Video-Konferenz. „Dabei kommt wenigstens ansatzhaft das Gemeinschaftliche heraus. Wir reden und singen gemeinsam, spielen mal Montagsmaler, schauen Videos zu religiösen Themen oder haben eine virtuelle Kirchenführung gemacht“, sagt Effertz.

Kreativität gefragt

Doch die Kinderwochenenden, das familiäre Café-Trinken und Basteln, das miteinander Spielen und vieles mehr fallen aus. „Vieles, was normalerweise zum Kommunionunterricht gehört, fällt natürlich weg“, so Effertz. Auch wenn all das sehr schade sei, so glaubt sie, dass die Kommunionkinder gespürt haben, wie viel Mühe sich die Ehrenamtler dabei gegeben haben, es ihnen dennoch schön zu machen, hofft sie. „Es hat, glaube ich, noch nie so viel Engagement und Kreativität für die Kommunion-Kurse gegeben, wie in diesem Jahr, um das möglich zu machen, was geht“, sagt Effertz.

Und auch bei den privaten Kommunionfeiern geht nicht mehr so viel wie sonst. Effertz hat von einer Familie beispielsweise gehört, dass sie die Feier verschieben will. Zwei Kinder haben ihr erzählt, dass sie sich extra auf das Virus getestet haben, damit die Oma zur Feier kommen könne. Im vergangenen Jahr, in dem die Kommunionen Corona-bedingt im September stattfanden, hätten einige Familien draußen gefeiert. Aber die Organisation mit Vorlauf sei natürlich gerade schwierig, schließlich wisse man nie, wie sich die Regelungen ändern.

Die Familien in Duisdorf und auf dem Brüser Berg haben im vergangenen Jahr auch lieber im kleinen Kreis privat gefeiert, erinnert sich Zernack. „Viele Kinder hier haben Verwandte im Ausland, die gar nicht anreisen konnten. Deswegen waren die Feiern oft sehr viel kleiner, als die Kinder es sich gewünscht hätten“, so der Pastoralreferent.