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Eine runde Sache: Kiosk und Friseur im Schieffelingsweg sind Anlaufstelle im Quartier

Eine runde Sache : Kiosk und Friseur im Schieffelingsweg sind Anlaufstelle im Quartier

Seit über 60 Jahren sind die beiden Läden im runden Pavillon ein wichtiger Treffpunkt im Viertel. Seit Februar betreibt Nele Glier den Kiosk. Dort gibt es alles, was die Nachbarschaft braucht.

Deutschlandweit soll es etwa 38 000 Kioske geben. Einer davon ist im Pavillon an der Ecke Schieffelingsweg und Am Feldpütz. Seit Ende der 1950er Jahre befinden sich in dem markanten Rundbau mit seinem weit überragenden Dach ein Kiosk und ein Friseursalon.

Die beiden jetzigen Betreiber sind glücklich darüber, dass das große Rund in der Mitte durch eine Mauer in zwei Geschäfte geteilt ist. „Dadurch haben wir wenigstens eine gerade Wand“, sagt Friseurin Tina. Seit vier Jahren hat sie eine Idee davon, nichts in die Ecke stellen zu können – weil der Großteil des Ladens eben rund ist. Dafür hat sie genauso wie Nele Glier vom Emma-Kiosk nebenan einen Panoramablick über das Geschehen vor der Tür.

„Da entgeht einem nichts“, sagt Theodor Schorn (73) und lacht. Mehr als 30 Jahre stand er hinter dem Tresen des Kiosks, den er von seiner Tante Anneliese Weber 1987 übernehmen konnte. Sie übergab Schorn die „kleine Goldgrube“, in der sie seit Ende der 1950er Jahre alles bereithielt, was die Nachbarschaft so brauchte. Schon damals waren das vor allem Getränke, Tabakwaren und Zeitschriften. Und Gespräche. Denn Kiosk und Salon waren auch die Kommunikationszentralen der Siedlung. „Ich wusste damals immer, was hier so abging“, sagt Schorn. Und was man ihm nicht erzählte, hätte dann eben die Friseurin nebenan gewusst.

Auf die Nachbarn freut sich Kiosk-Betreiberin Nele Glier. Foto: Stefan Hermes
Nach 30 Jahren im Kiosk hat Theodor Schorn Zeit für den Garten.  Foto: Stefan Hermes

Während die Inhaber der Salons immer wieder wechselten – auch Friseurin Tina wird ihr Geschäft zum 1. August einer Nachfolgerin übergeben – sei die Zahl der wechselnden Betreiber des Kiosks sehr übersichtlich. Mehr als 60 Jahre lang waren es lediglich Weber und Schorn. Bevor 2016 – nach langem und inständigem Drängen – Iris Hegel, die Wirtin des nahen Eichenstübchens, ihren Herzenswunsch, selber einen Kiosk zu betreiben, umsetzen konnte. „Damals war ich froh, ihren ständigen Nachfragen nachgegeben zu haben“, sagt der heute 73-jährige Schorn. Seine Zeit für den Ruhestand war gekommen. Zunächst hatte er mehr als 20 Jahre als Postbeamter gearbeitet und dann von heute auf morgen seine sichere Beamtenlaufbahn beendet; er war nicht mehr zufrieden mit seiner Arbeit. Mehrere Jahre war er arbeitslos, bis ihn seine Tante 1987 als Nachfolger in ihren Kiosk holte.

Seine Nachfolgerin hingegen hielt nicht lange durch. Es folgten weitere Betreiber, die aber nicht erfolgreich waren und nach knapp einem Jahr das Handtuch warfen. Und nun ist Nele Glier (41) Betreiberin: „Wir haben den Kiosk bei Ebay-Kleinanzeigen gefunden.“ Der Name Emma-Kiosk stamme von einem Kiosk in Köln-Marienburg, an dem ihr ehemaliger Chef und heutiger Geschäftspartner allmorgendlich seinen Cappuccino trank. Als der Kiosk drohte, geschlossen zu werden, übernahm der Unternehmensberater zusammen mit Glier als treibende Kraft das Geschäft. Aus dem Kölner Vorbild soll nun ein Geschäftsmodell entstehen. Der Pavillon in Duisdorf ist der Anfang. „Frau Glier wird da was draus machen“, ist sich Schorn sicher.

Gerne hätte er seinen damals so gut laufenden Kiosk direkt an die Kölnerin übergeben. „Da war ich noch ein Presseladen“, erzählt er. 700 Zeitungen und Magazine hätten sich in seinem Laden gestapelt. Sein Geschäft machte er vornehmlich mit Presseartikeln, Schreib- und Spielwaren. „Als dann die Aldis und Lidls mit ihren Billigangeboten kamen, war mit dem Geschäft Schluss“, so Schorn.

„Wir werden hier wieder alles anbieten, was man in der Nachbarschaft so braucht“, kündigt Glier an. Die gelernte Kauffrau, die schon als Filialleiterin großer Elektronik- und Einkaufsmärkte gearbeitet hat, ist froh, nun wieder ihre eigene Chefin zu sein. „Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht, nur noch für Zahlen und Umsätze zu arbeiten.“ Sie wollte wieder Kontakt zu Menschen haben und etwas gestalten können. Schon im Kölner Kiosk habe sie sich wohl gefühlt.

Seit Februar wechselt Glier sich nun mit zwei Mitarbeiterinnen ab, um den Laden von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends zu öffnen. Doch erst einmal wurde sie bereits zum Start von der Covid-19-Pandemie ausgebremst. Sie nimmt es im Nachhinein aber gelassen. „Die Leute sind hier alle sehr nett.“

Ihr Konzept sieht vor, dass sie das Ladeninnere ab Ende August modernisiert. Dann wird es neben täglich frischen Backwaren auch kleine Gerichte geben. „Mal sehen, wie das ankommt“, sagt sie. Ein guter Kaffee soll dann ebenso angeboten werden, wie Tabakwaren, Getränke, Süßigkeiten und Schreibwaren.

Auch wem die Holzkohle beim  Grillen ausgegangen sein sollte, kann bei „Nachbarin Emma“ fündig werden. Es könnte daraus wieder eine lange Freundschaft entstehen. „Ich wünsche es ihr“, sagt Schorn dazu, der die Entwicklung „seines“ Kiosks so aufmerksam beobachtet, wie wohl kaum ein anderer.