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Nachbarschaftshilfe Brüser Berg: Kleiderstube muss raus aus dem Keller

Nachbarschaftshilfe Brüser Berg : Kleiderstube muss raus aus dem Keller

Gute 30 Jahre gibt es die Nachbarschaftshilfe auf dem Brüser Berg bereits. Die Gründungsmitglieder sind mittlerweile im hohen Rentenalter - und suchen einen Nachfolger für ihr Projekt. Einen potentiellen Kandidaten haben sie schon gefunden.

Die Nachbarschaftshilfe ist in die Jahre gekommen. Die verbliebenen Gründungsmitglieder des ökumenischen Projekts sind allesamt um die 80 Jahre. Bislang haben sie soziale Projekte beispielsweise mit Erlösen aus Flohmarkt-Verkäufen gefördert. „Aber Sie können sich vorstellen, dass solche Aktionen langsam zu beschwerlich werden“, sagt die „Zentrale des Ganzen“, Sabine Spielberg (77).

Schwerer wiegt, dass die Kleiderstube im Keller der Kirche St. Edith Stein wegen der Corona-Beschränkungen seit März geschlossen ist. Immer mittwochs hat das Team viele nützliche Sachen entgegengenommen und sie gegen eine Spende an Interessierte weitergegeben.

„Eigentlich wollten wir selbstbestimmt aufhören“, bedauert Spielberg. Doch Corona machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. „Nun liegt alles brach.“ Seit den Anfängen 1986 ist Sabine Spielberg dabei. Das Telefon allerdings stehe auch jetzt nicht still, sagt sie.  Menschen, die Hilfe brauchen, melden sich bei ihr. Und andere, die Gebrauchsgegenstände abzugeben haben. Manchmal stehen Sachen sogar säckeweise vor ihrer Haustür. „Ich regele alles, so gut es geht“, sagt sie.

Der Gedanke, die Nachbarschaftshilfe in gute Hände weiterzugeben, besteht schon seit geraumer Weile. Schwierig sei nur, Nachfolger zu finden. Hinzu kommt, dass die Räume der Kleiderstube überhaupt nicht den Hygienevorschriften in Corona-Zeiten entsprechen. Der Keller lässt sich nicht belüften. Also wurde der Entschluss gefasst, neue Räume zu suchen – ebenfalls ein schwieriges Unterfangen. „Sie müssen groß genug sein, damit Kleidung, Spielzeug, Bücher und  Schnickschnack Platz haben.“ Die Initiative zahlt in der Kirche keine Miete. Die Minibeträge, die eingenommen wurden, hätten sich geläppert. „Unsere Unterstützung sollte auf dem Brüser Berg bleiben. Alles Geld, das hereinkam, haben wir gespendet – für Kitas, Schulen, Martinszug oder den offenen Bücherschrank.“ Im Stadtteil gebe es viele Menschen, die auf Hilfe angewiesen seien und andererseits viele finanzkräftige Spender.

Wie geht es weiter? Die Nachbarschaftshilfe hat jetzt Unterstützung durch den Ortsausschuss Brüser Berg bekommen. Denn das erfolgreiche Sozialprojekt soll nicht einfach zu Ende gehen. „Die Nachbarschaftshilfe muss umziehen“, sagt die Vorsitzende Heidi Möller. Der gesamte Brüser Berg sei barrierefrei,  nur die Kleiderstube nicht.

Auch Claudia Schwarzwald sorgt sich, wie Nachfolge und Raumsuche geregelt werden können. Die 59-Jährige ist in der Kirchengemeinde aktiv. Das Problem könnte nach ihrer Einschätzung sein, dass Ehrenamtliche angesichts der zunehmenden Vorschriften und gesetzlichen Regelungen zurückschreckten. „Mir geht das auch so. Mithelfen würde ich in der Kleiderstube, aber nicht den Vereinsvorsitz übernehmen.“ Strukturen hätten sich geändert; man müsse daher professionelle Formen finden. Als Beispiel führt Schwarzwald das Brüser Dorf an, das aus einer Elterninitiative entstand, dann aber wegen der wachsenden Aufgaben in die Regie der Beueler Jugendfarm übergeben wurde.

Zufällig ist Schwarzwald auf die Arbeit des gemeinnützigen Vereins „Bedarfshilfe“ aufmerksam geworden, der unter anderem im Bonner Raum sechs Gebrauchtkleiderläden betreibt. „Das wäre genau unser Partner“, sagt Schwarzwald. Der Laden habe jeden Tag geöffnet, und die Ehrenamtlichen vom Brüser Berg könnten dort weiter für die gute Sache mithelfen.

Der Ortsausschuss hat den Geschäftsführer Ludwig Klöckner zu Gesprächen und einer Ortsbesichtigung auf den Brüser Berg eingeladen. Auf GA-Nachfrage bestätigt der 70-Jährige, dass die Bedarfshilfe die Kleiderstube unter ihr gemeinnütziges Dach nehmen will. Bleibt das Problem der Räumlichkeiten. Klöckner favorisiert als Standort ein Ladenlokal an der Borsigallee. Ein passendes Objekt hat er bereits identifiziert: Das Lokal der ehemaligen Schlecker-Drogerie, das seit rund zehn Jahren leer steht. Verhandlungen seien bislang nicht erfolgreich gewesen. „Die Mietvorstellungen liegen zu weit auseinander“, beklagt Klöckner.

Insgesamt sieben leerstehende Geschäfte hat er an der Borsigallee gezählt. „Da gebe ich nicht auf. Wir finden etwas. Denn unter das Lebenswerk der engagierten Nachbarschaftshelferinnen soll nicht einfach ein Schlussstrich gezogen werden.“ Darin wollen Möller und Schwarzwald ihn unterstützen.