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Apfelernte in Lengsdorf: Köstliche alte Apfelsorten

Apfelernte in Lengsdorf : Köstliche alte Apfelsorten

Lengsdorfer Bachfreunde ernten auf den Streuobstwiesen. Früchte kommen in die Saftpresse. Alte Sorten müssen intensiv gepflegt werden.

„Ich brauche neue Kisten“, ruft Thomas Pitzschke, der Anfang September neu gewählte Vorsitzende der Lengsdorfer Bachfreunde, seinem Vereinskollegen Matthias Schindler zu. Doch der schüttelt mit dem Kopf: „Sind keine mehr da“, erwidert er und kündigt stattdessen noch Körbe und Säcke für die gepflückten Äpfel an. Entgegen der Erwartung scheint die Apfelernte der Bachfreunde in diesem Jahr weitaus ertragreicher ausgefallen zu sein, als vermutet.

Die rund 80 Streuobstbäume längs des Schiffgeswegs und auf einer etwas entfernteren Wiese hinter der Provinzialstraße haben an ihren Früchten schwer zu tragen. „Wir ernten hier etwa vierzig alte Apfelsorten“, erläutert Schindler, der sowohl den Kinder- und Jugendbereich sowie die jährliche Apfelernte des Vereins organisiert. „Gerne hätten vierzig Vereinsmitglieder geholfen“, sagt er, doch wegen der coronabedingten Abstandsregeln habe man nur vier Gruppen mit jeweils fünf Erwachsenen mit ihren Kindern zulassen können.

Der Agrarwissenschaftler, dessen Fachgebiet Schutzgebietsbetreuung und Vertragsnaturschutz bei der Biostation Bonn/Rhein-Erft ist, kennt sich aus. Er berichtet von Rotem Boskop und Berlepsch sowie vom Horneberger Pfannkuchenapfel oder dem Danziger Kantapfel. Und die ebenfalls in dem Randstreifen zwischen Pferdekoppel und Weg wachsende Goldparmäne galt über Jahrhunderte als eine der besten Tafelobstsorten. Da die Sorte sehr krankheits- und schädlingsanfällig ist, gedeiht sie jedoch nur mit großem Sachverstand bei Schnitt und Pflege. Die vorwiegend alten Apfelsorten sind vor etwa 30 Jahren von den Bachfreunden angepflanzt worden. So begehrt und schmackhaft die einzelnen Sorten auch sein mögen, in wenigen Tagen kommen  sie in die Saftpresse an der Biostation.

Schindler rechnet mit 1000 Litern Saft

„Der Ertrag dürfte auch in diesem Jahr wieder rund zwei Tonnen einbringen“, so Schindler. Daraus werden erfahrungsgemäß etwas mehr als 1000 Liter Saft gewonnen, der dann in rund 200 Fünf-Liter-Kartons abgefüllt wird. Der Reinerlös des Verkaufs kommt dann der Landschaftspflege des 120 Mitglieder zählenden Vereins zugute oder dient als Zuschuss zu Kinderaktionen wie dem Besuch des Wassererlebnisparks in Gymnich oder einer Fahrt zum Baumwipfelpfad im Bergischen Land.

„Wir haben zur Zeit der Apfelblüte sehr viel positives Feedback bekommen“, sagt Schindler. Schon seit des coronabedingten Lockdowns im März habe es viele Spaziergänger gegeben, die den Verein bei der Baumpflege beobachten und sich später dann an der prächtigen Apfelblüte erfreuen konnten. Es sei etwas Besonderes, solche Streuobstwiesen direkt vor der Haustüre zu haben. „Über die Krise ist wohl vielen Spaziergängern bewusst geworden, was so eine Landschaft für sie bedeuten kann“, freut sich Schindler. Auch wenn die Wahrnehmung bei den Menschen recht unterschiedlich sei, habe es den Beteiligten gezeigt, dass ihre Arbeit für die Natur anerkannt und lohnenswert sei.

„Wir hoffen, dass wir durch die Erfahrungen in der Corona-Krise auch für die Zukunft mehr Menschen sensibilisieren und dafür gewinnen können, sich ehrenamtlich an der Landschaftspflege zu beteiligen“, so der Naturaktivist. „Die Kommunalwahl hat ja deutlich gezeigt“, sagt Pitzschke, dass sich in der Gesellschaft etwas verschiebe. Der Physiker ist davon überzeugt, dass es jetzt viele Menschen gebe, die „nicht nur ihr Kreuzchen anders als in den vielen Jahren zuvor gesetzt haben, sondern dass die jetzt auch selber mit anpacken wollen“.

Die Lengsdorfer Bachfreunde würden dazu eine „ganz hervorragende Grundlage“ bieten, ist sich ihr Vorsitzender sicher. Schließlich seien die Bachfreunde eine Plattform für Bürger aus Lengsdorf und Ippendorf, die sich für Klimaschutz und Artenvielfalt engagieren wollen. Und dann wagt er es noch, seinen Traum öffentlich zu machen: Es sei ja historisch gewachsen, dass man die Streuobstbäume zwischen zwei Zäunen pflanzen durfte, aber „viel schöner, einfacher und mit noch mehr Freude wären doch großflächige Streuobstwiesen, wie ich sie aus meiner schwäbischen Heimat kenne“, so Pitzschke, „Wiesen, die nicht maschinell, sondern mit Schafen beweidet werden.“

Es gebe sicher einige Ippendorfer und Lengsdorfer Bürger, die sich für so ein erweitertes Landschaftsprojekt einsetzen würden, ist Pitzschke überzeugt. Schließlich kämen jetzt einige Bäume mit rund 30 Jahren schon ins Greisenalter und es sei Zeit, nun an Neupflanzungen zu denken.

„Wir ernten gerade die Ergebnisse der Arbeit anderer“, gibt Pitzschke zu bedenken, „das, was Generationen vor uns gepflanzt, erzogen und geschnitten haben.“ Und es dauere rund sieben bis acht Jahre, bis neu gesetzte, hochstämmige Obstbäume einen ersten nennenswerten Ertrag brächten. „Jetzt sollten auch wir schon an die nächsten Generationen denken.“