Kriminialstatistik für den Hardtberg 2023 Messerattacke auf der A565 war eine von zwei Straftaten gegen das Leben

Lengsdorf · Ein Mann bremst seine ehemalige Schwägerin auf der Autobahnausfahrt der A565 aus und greift sie mit einem Messer an. Es ist eine von zwei Straftaten gegen das Leben, die für Hardtberg in der aktuellen Kriminalstatistik erfasst sind. Im zweiten Fall ging es um fahrlässige Tötung.

 Die Polizei sperrte im Oktober 2022 vorübergehend die Ausfahrt der A565 in Lengsdorf.

Die Polizei sperrte im Oktober 2022 vorübergehend die Ausfahrt der A565 in Lengsdorf.

Foto: Marcel Wolber

„Ich werde euch umbringen“, schreit der aufgebrachte Mann. Dann zückt er ein Messer und sticht auf seine ehemalige Schwägerin ein, die in ihrem Auto sitzt. Er verletzt sie lebensgefährlich. Der 54-Jährige flüchtet vom Tatort an der Autobahnabfahrt in Lengsdorf. Ein Zeuge folgt ihm im Auto und gibt der Polizei das Kennzeichen durch. Er verständigt auch den Notarzt. Ein Rettungswagen bringt die Verletzte ins Krankenhaus, wo Ärzte sie operieren. So geht es aus den Unterlagen zum Prozess am Landgericht hervor.

Der Fall ereignete sich im Oktober 2022, statistisch erfasst wurde er aber erst für das Jahr 2023 und taucht somit erst in der aktuellen Kriminalstatistik der Bonner Polizei auf. So eine Verzögerung ist laut Polizei Sprecher Simon Rott nicht unüblich. Damit ist die Messer-Attacke eine von zwei Straftaten gegen das Leben, die in Hardtberg für 2023 verzeichnet sind.

Solche Straftaten sind selten. In ganz Bonn gab es im vergangenen Jahr insgesamt neun Fälle. Damit waren es zwei weniger als im Schnitt der vergangenen zehn Jahre. Die meisten Fälle - neun von zehn - kann die Polizei aufklären. Der Hardtberg ist da keine Ausnahme. Im zweiten Delikt, das es 2023 im Stadtbezirk gab, stellte das Gericht das Verfahren wegen fahrlässiger Tötung ein (siehe Infobox: Zweiter Fall). Bei einer Straftat gegen das Leben muss der Täter in Kauf genommen haben, dass sein Opfer stirbt.

Morddrohung per Sprachnachricht

Der Lengsdorfer Fall war das Ende eines längeren Streits zwischen dem 54 Jahre alten Täter und seiner Ex-Frau: Die beiden lassen sich 2011 scheiden. Mit der Zeit wollen die beiden Töchter keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater. Dem fällt es schwer, das zu akzeptieren. Immer wieder kommt es zum Disput zwischen ihm und seiner Ex-Frau. „Du willst, dass meine Kinder mich nicht lieben“, wirft er ihr vor. Es folgen etliche Anrufe und Sprachnachrichten, in denen er droht, sich die Kinder zu holen und seine Ex-Frau umzubringen.

Die geht am 11. Oktober zur Polizei und erstattet Anzeige. Als der 54-Jährige am Tag darauf nach einer Reise am Flughafen Köln/Bonn landet, fordern die Beamten ihn auf, sich in der Polizeiwache in Duisdorf zu melden. Im Anschluss trifft er sich mit seiner Ex-Frau, die ihre Brüder mitbringt, am Duisdorfer Bahnhof. Er will, dass sie die Anzeige zurückzieht. „Ich werde dich töten. Und deine Brüder werden Zeugen sein“, sagt er während des Treffens.

Täter versteckt Messer unter der Jacke

Für die Scheidung, und dafür, dass seine Kinder nichts mehr mit ihm zu tun haben wollen, macht der 54-Jährige die Familie seiner Ex-Frau verantwortlich. Am 16. Oktober wartet er vor dem Haus in Tannenbusch, in dem die Mutter seiner Ex-Frau wohnt. An diesem Tag halten sich dort auch sein ehemaliger Schwager, seine ehemalige Schwägerin und ihr Sohn auf. Als sie alle das Haus verlassen und in ein Auto stiegen, folgte er ihnen.

An der Ausfahrt der A565 in Lengsdorf setzt er sich dann vor den Wagen seiner ehemaligen Schwägerin. Als er an ihr Auto tritt, rollte sie das Fenster runter. Es kommt zum Streit. Der 54-Jährige zieht ein Messer unter der Jacke hervor und rammt die neun Zentimeter lange Klinge in die Seite der Frau. Die Mediziner retten der Frau später das Leben. Ein paar Stunden nach der Tat nimmt die Polizei den Angreifer in Sankt Augustin fest.

Vor Gericht sagt er aus, dass er sich nicht mehr an die Tat erinnern kann. Die Richter lassen sich nicht blenden. Sie verurteilen ihn zu acht Jahren Gefängnis.

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