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Hardtberg Kultur: Kulturverein kritisiert Finanzierungspraxis der Stadt

Hardtberg Kultur : Kulturverein kritisiert Finanzierungspraxis der Stadt

Das Veranstaltungskarussell von Hardtberg Kultur kommt wieder in Gang. Karnevalseröffnung und Weihnachtskonzert der Ingelheimer Konfettis finden im Kulturzentrum statt. Kopfzerbrechen bereitet dem Vorstand die Rechtslage für die Budgetverwaltung.

Gebeutelt ist der Verein Hardtberg Kultur nicht nur wegen der Corona-Einschränkungen – aber auch. Die Veranstaltungsorganisation ist nach wie vor schwierig. Immer wieder muss das Programm geändert werden. Es läuft nicht rund. Der Kassensturz bringt nicht das gewünschte Ergebnis. Außerdem muss der Vorstand dringend einen Generationenwechsel einleiten.

Die Hausherren im Kulturzentrum haben zu kämpfen. Vereinsvorsitzender Enno Schaumburg schildert, dass jeder Veranstaltung im Kulturzentrum ein intensives Studium der Corona-Schutzverordnung vorausgeht. 2G, 3G, Maske oder nicht. In der Vergangenheit hatte es eine Reihe kurzfristiger Absagen von Veranstaltungen gegeben. Also viel Engagement für nichts.

„Ehrenamtliche Kulturschaffende haben in diesen Zeiten nichts zu lachen“, kommentiert Schaumburg. Obschon das Programm mit der Reihe Hardtberger Jazz-Sommer wieder angelaufen ist. Die 3G-Kontrolle am Einlass hatte die Organisatoren vor ungeahnte Probleme gestellt. Mussten sie doch auch Beschimpfungen und Proteste von Besuchern über sich ergehen lassen. „Unglaublich, ein Gast wollte sich mit Vorzeigen seines Rentenbescheids durchschmuggeln. Wir haben ihn zum Testen geschickt. Er versuchte das Gleiche später noch einmal.“

Weniger Zuschauer nach Corona

Vereinsvize Horst Bachmann will nicht verhehlen, dass insgesamt viel weniger Zuschauer kommen als vor Corona. „Die Besucherzahl ist um zwei Drittel zurückgegangen. Wenn keiner kommt, sinkt in Folge auch die Motivation der Ehrenamtlichen.“ Selbstverständlich ist der Eintritt im Kulturzentrum immer kostenlos. Der unermüdliche, eigentlich immer gelassene Mann, der unter anderem 20 Jahre im Ehrenamt Präsident im Festausschuss Bonner Karneval war, rätselt. „Haben die Leute Angst vor Ansteckung? Braucht es nur eine gewisse Anlaufzeit? Machen wir etwas falsch?“ Eine Sache ist, dass es im Kulturzentrum an der Rochusstraße kein gastronomisches Angebot mehr gibt. Der Caterer hat aufgehört, ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht. „Für viele unserer Konzertbesucher gehören Häppchen und Erfrischungen wohl unbedingt dazu.“ Auf den Punkt 199 Besucher dürfen im Kulturzentrum eingelassen werden. Das hat rechtliche Gründe. Ab 200 gilt nämlich die Versammlungsstättenverordnung mit Auflagen für eine Behindertentoilette, Fluchtwegen und Feuerschutz. Außerdem steht das Kulturzentrum unter Denkmalschutz, Umbauten sind nicht ohne weiteres möglich.

Unter den Corona-Bestimmungen waren bislang höchstens 40 Besucher im Kulturzentrum zugelassen. Wie könnte dann die anstehende Karnevalseröffnung, zu der traditionell Bezirksbürgermeister und Hardtberger Senatoren einladen, organisiert werden oder das beliebte Weihnachtskonzert der Ingelheimer Konfettis. Beides wurde im Lockdown vergangenes Jahr abgesagt. Die Hardtberger Kultur-Macher entschieden, diese Veranstaltungen in der Schmitthalle abzuhalten. Viel mehr Platz, viel mehr Gäste. Die Ankündigung war gedruckt, taugte aber nur für die Tonne. Denn mit den aktuellen Lockerungen der Corona-Vorschriften sind beide Veranstaltungen im Kulturzentrum möglich. Der Vereinsvorstand hat quasi in letzter Minute die Kehrwende beschlossen, zumal allein schon die Akustik in der Schmitthalle einen größeren, kostenträchtigen technischen und personellen Aufwand erfordere. „Das Kulturzentrum ist einfach stimmungsvoller“, sagt Schaumburg. Auf dem druckfrischen Programm für den „Hardtberger Herbst“ prangt dick der Stempel „Neufassung“.

Vorstand ist in die Jahre gekommen

Nicht nur die Schmitthalle ist eine Nummer zu groß für den Kulturverein, sondern die Veranstaltungsorganisation. „Wir sind in die Jahre gekommen“, räumt Bachmann ein. Von den zehn Vorstandsmitgliedern ständen für den Auf- und Abbau – Bühne, Tische, Stühle – nur noch vier voll zur Verfügung, die anderen hätten andere Aufgaben oder seien gesundheitlich angeschlagen. „Das ist Knochenarbeit.“ Denn 50 Konzertveranstaltungen im Jahr, das bedeute, an 50 Wochenenden eingebunden zu sein. Für den Vorstand gäbe es einen Geschäftsverteilungsplan. „Jeder muss ran.“ Zumal der Nutzungsvertrag von 2008 zwischen der Stadt Bonn und dem Kulturverein klare Erwartungen formuliert. Ziele sind beispielsweise eine optimale Auslastung des Kulturzentrums sowie eine Belebung des Stadtzentrums. Unentgeltliches Nutzungsrecht haben Volkshochschule, Kulturamt und Bezirksverwaltungsstelle.

„Um finanziell über die Runden zu kommen, brauchen wir ein volles Haus“, sagt Bachmann. In der Vergangenheit sei die Rechnung immer aufgegangen. Dem Verein steht ein Budget von 17.700 Euro pro Jahr für den Gebäudeunterhalt zu, das vom Städtischen Gebäudemanagement verwaltet wird. Die inhaltliche Arbeit unterstützt die Stadt mit 5000 Euro. Wenn der Verein an Strom, Wasser und Heizung spart, wird ihm auch diese Einsparung ausgezahlt. Problem ist nur: Er darf aufgrund des rechtlichen Konstruktes keine Rückstellungen und nur geringe Rücklagen bilden. „Wie soll man so rechtzeitig im Voraus Veranstaltungen planen? Wir haben doch Verbindlichkeiten. Sollen wir die auf die eigene Kappe nehmen?“, kritisiert Bachmann. „Wenn die Location in der Regie von Hardtberg Kultur erhalten bleiben soll, muss die Stadt die Form der Finanzierungshilfe ändern und auch über andere Punkte mit dem Verein reden.“