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Kunstprojekt im Kottenforst zeigt negative Auswirkungen des Klimawandels

Regionalforstamt : Kunstprojekt im Kottenforst zeigt negative Auswirkungen des Klimawandels

Das Regionalforstamt macht mit einem Kunstprojekt auf die katastrophale Entwicklung des Kottenforsts aufmerksam. Die Werke stehen auf einer Kahlschlagfläche.

Die Motivation zu seiner Idee umreißt Manfred Hören mit den Worten: „Es waren die Erregung und der Zorn in mir“. Manfred Hören ist gelernter Forstwirt und leitet seit einigen Jahren den Bereich Umweltbildung im Regionalforstamt Rhein-Sieg-Erft. Nun will er aufrütteln, anregen mit seinem Waldprojekt „wald.anders.denken“, das an der Venner Allee im Kottenforst seinen Anfang genommen hat.

Viele Bonner Schulkinder und Naturfreunde kennen Hören durch seine Vorträge und Exkursionen für das Haus der Natur an der Waldau. Im Zusammenhang mit der Ernennung Bonns zur „Europäischen Waldhauptstadt 2020“ durch das Europäische Forstinstitut (EFI) überlegte er mit dem Regionalforstamt, was man in diesem Jahr veranstalten könnte: Es sollte ein „buntes und vielfältiges Programm werden.

Doch Hören wurde radikal. „Ich mache Schluss mit den Wohlfühlprogrammen“, entschied er. „Ich möchte keine Waldführungen mehr machen, in denen ich Bäumchen und Rehlein zeige und die Leute gehen zufrieden nach Hause“, sagte er. Und Hören machte ernst. Als er sagt, dass er nicht begreifen könne, „wie wir sehenden Auges die Natur vor die Wand fahren“, werden seine Augen feucht. Er sei jetzt 63 Jahre alt und habe jetzt manchmal das Gefühl, das mit dem weithin sichtbaren Schriftzug „Zeitenwende“ überschriebene Projekt sei so etwas wie sein Abschiedsgeschenk an den Wald geworden.

Der Wald, der sich an der Venner Allee über zwei Menschengenerationen entwickelt hatte, sei tot. Abgestorben durch Borkenkäferfraß und eine zweijährige Dürre. Um das neuerliche Ausschwärmen der Käfer in weitere Bereiche zu stoppen, fällte das Forstamt dort die Bäume. Doch vergeblich: Hinter einem überdimensional mahnenden Schriftzug „Zeitenwende“ sind jetzt die abgestorbenen Gerippe der Bäume zu sehen, die vor dem Zugriff des Käfers geschützt werden sollten. „Die massiven Folgen des Klimawandels sind kein abstraktes Phänomen, das sich immer nur woanders ereignet. Sie werden hier sichtbar“, sagte Hörens Chef, Regionalforstamtsleiter Uwe Schölmerich.

Manfred Hören sieht in seinem Projekt eine Art Vermächtnis. Foto: Stefan Hermes

Zusammen mit seinem Forstamtskollegen Thomas-Hans Deckert findet er Worte, von denen später Gregor Merten, einer der an dem Kunstprojekt beteiligten Künstler sagen wird, dass es schon außergewöhnlich sei, dass „Verwaltungsmenschen so umfangreich und gedankenvoll über Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur sprechen“. In ihm wecke dieses Engagement die Hoffnung, „dass sich solches Denken auch in andere Bereiche deutscher Verwaltungsapparate hinein entwickelt.“

Schölmerich machte zuvor deutlich, dass sich der Wald in einer extremen Krise befindet: „Ich kann mich nicht erinnern, eine Situation erlebt zu haben, wo Fichten hektarweise absterben, wo Hunderte Hektar Kahlflächen entstehen und heimische Laubbäume völlig unvermittelt absterben.“ Im Kottenforst gebe es rund 140 Jahre alte Buchen, die einfach nicht mehr grün würden. „Wo es früher im Sommer schön dunkel und kühl war, ist es jetzt richtig hell, weil die Klimakrise mit den Extremwetterlagen bereits im dritten Jahr dafür sorgt, dass der Wald richtig leidet.“

Niemand wisse, wie es weitergehen werde. Das bedeute, dass man anfangen müsse, über den Wald hinaus zu denken. „Es stellt sich die Frage, wie gehen wir mit der Erde langfristig um.“ Dazu solle das Projekt „wald.anders.denken“ anregen (siehe Kasten). Es sollte jedem klar sein, dass man auf Dauer nicht ohne Rücksicht auf die Ressourcen, ohne Rücksicht auf eine echte Nachhaltigkeit leben könne. „So ist auch das Projekt von Herrn Hören gedacht, dass man damit zu einem generellen Umsteuern anregt“, betont der Forstamtsleiter. Man weise damit auch auf die Bedeutung des Waldes für die Menschen in der Umgebung hin, die den Wald als Erholungsort, „als Psychotop“, wie es Schölmerich nannte, brauchten und nutzten. Auch wenn die unmittelbare Vergangenheit gezeigt habe, dass es dabei nicht zu viele Menschen werden sollten, die den Wald aufsuchten.

Deckert betonte, dass es an der Zeit sei, andere Blicke in den Wald zu wagen. Bis in das nächste Jahr hinein werde man mit Kunst, Musik und wissenschaftlichen Projekten das Thema Wald „anders denken“. Damit sollte auch deutlich werden, was den Bonnern vielleicht gar nicht bewusst sei: Der Kottenforst sei mit seinen weit über 4000 Hektar ein Juwel für Bonn, wie es mit seinen unterschiedlichen Lebensräumen kaum noch woanders in Europa zu finden sei. „Die Kunst soll für uns als Katalysator dienen“, so Deckert.