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Nachbarschaftszentrum: Manar Bilal zeigt Flüchtlings-Fotos auf dem Brüser Berg

Nachbarschaftszentrum : Manar Bilal zeigt Flüchtlings-Fotos auf dem Brüser Berg

Die Ausstellung des Fotografen Manar Bilal im Nachbarschaftszentrum Brüser Berg beleuchtet die Situation von Kindern in Flüchtlingscamps.

Im Hintergrund sieht man das Flüchtlingslager „Zaatari Camp“ in Jordanien, ein Meer aus Zelten bis zum Horizont. Davor posieren Kinder für den Fotografen, springen in die Luft, lachen. Zwei Motive, die nicht zusammenzupassen scheinen: In einer solchen Kulisse erwartet man hoffnungslos dreinblickende Eltern mit weinendem Nachwuchs. Der syrische Fotograf Manar Bilal zeigt, dass sich Kinder vom Elend nicht entmutigen lassen – und das hat auf den Betrachter eine erstaunliche Wirkung. Einige seiner Bilder sind jetzt im Nachbarschaftszentrum Brüser Berg ausgestellt.

Dabei geht es nicht darum, die Situation der Kinder in den Flüchtlingslagern in Jordanien, der Türkei und dem Libanon, in der die Aufnahmen entstanden sind, zu verklären. „Wir wollen auch zeigen, dass die Kinder Hoffnung haben“, erklärte Lara Skeiker bei der Ausstellungseröffnung am Freitag. Sie ist als Projektleiterin der Organisation FAOSE, die Abkürzung steht für „Free Association of Syrian Expats“, zuständig für die Ausstellung, die in Bonn zuerst im Migrapolis Haus der Vielfalt zu sehen war, aber auch schon in anderen Städten in ganz Deutschland. Man gebe eine etwas andere Perspektive auf die Situation, um zu zeigen: „Die Kinder wollen wirklich leben und eine große Zukunft haben.“

Symbolisch dafür mag die Aufnahme eines Kindes sein, das gerade laufen kann. Es wurde von hinten fotografiert, wie es mit kleinen Schritten unsicher, aber unverdrossen einen staubigen trostlosen Weg beschreitet. Nicht auf allen Fotografien wird gelacht. Ein nachdenklich dreinblickender Junge, zwei Kinder, die ein Zaun trennt, ein Mädchen, das ein Kleinkind auf ein graues Zelt zuträgt. Auch diese Seiten, die elende Situation, in die diese Kinder hineingezwungen wurden, wird deutlich gemacht.

FAOSE geht es vor allem darum, die Bildungssituation dieser jungen Erdenbürger zu verbessern. Die Kapazitäten des Bildungssystems in den Lagern sei begrenzt, erklärte Skeiker. Gut zwei Millionen Kinder seien in diesen Camps untergebracht, immerhin mehr als ein Drittel der Flüchtlinge dort. Viele hätten ihre Eltern verloren, seien traumatisiert und bräuchten psychologische Betreuung, rund 700000 von ihnen seien auch von Bildung ausgeschlossen. „Diese Kinder sind die Zukunft von Syrien“, so Skeiker. Aber dafür müsse ihnen ermöglicht werden, Unterricht zu besuchen. Mit der Ausstellung ist deshalb der Aufruf verbunden, FAOSE zu unterstützen. Es handelt sich um eine 2011 ins Leben gerufene Gruppe von Freiwilligen aus Syrien und Deutschland, die Kindern in Libanon und Jordanien Bildung ermöglichen wollen. Über Spenden konnte im Libanon bereits eine Schule für gut 200 Kinder gebaut werden. Weiterhin wurde ein Spiel- und Lernbus für Kinder angeschafft. Zugleich sollen junge Menschen in Deutschland für das Thema sensibilisiert werden.

Die Fotos von Manar Bilal helfen dabei mit ihrer tendenziell positiven Ausstrahlung besser als reißerische Elendsbilder, gegen die man inzwischen leider ein wenig abgestumpft ist. Davon kann man sich im Nachbarschaftszentrum Brüser Berg, Fahrenheitstraße 49, lösen.

Bis zum 6. August kann man die Ausstellung „... doch sie lachen trotzdem“ montags bis donnerstags von 9 bis 16.30 Uhr und freitags von 9 bis 14 Uhr besichtigen.