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Spaß für Kinder mit Migrationshintergrund: Mathe kann ein Abenteuer sein

Spaß für Kinder mit Migrationshintergrund : Mathe kann ein Abenteuer sein

Im Haus Vielinbusch beschäftigen sich Kinder in der ersten Ferienwoche spielerisch mit Rechnen, Geometrie und ägyptischen Zahlensymbolen.

Mathematik ist ja nicht jedermanns Sache, warum also sollte man sich damit auch noch in den Herbstferien beschäftigen? „Es macht halt Spaß“, sagen einige der Jungs, die am Ferienprogramm der gemeinnützigen GmbH Manaasil Lernwelten im Haus Vielinbusch teilnehmen. Und Amani (11) meint: „Es soll ein Abenteuer sein. Lernen und gleichzeitig Spaß haben.“ In der Tat sind die fünf Teilnehmer freiwillig dabei.

Die ganze Woche lang beschäftigen sich die Kinder, alle mit Migrationshintergrund, mit Zahlen, Rechenarten, Geometrie, all diesen Dingen. „Wir wollen Mathe aus einer anderen Perspektive zeigen“, erklärt Abdallah El-Ghoul, der das Programm mit Amal Belhadj leitet. „Ziel ist nicht, den Stoff zu machen, der in der Schule behandelt wird.“ Das heißt, es handelt sich nicht um Nachhilfe, und die Kinder sind nicht mit Mathematik in der Schule auf dem Kriegsfuß oder haben schlechte Noten. Sie sind einfach da, weil es eine nette Beschäftigung in der ersten Ferienwoche ist.

Programm hat in diesem Jahr einen spielerischen Ansatz

Da ist zum Beispiel Mohamad (11), der sich richtig ins Zeug legt. Sudoku findet er toll, das war eine der Aufgaben im Lauf der Woche. Beim Mathe-„Wer wird Millionär“, so richtig mit vier Antwortmöglichkeiten, Jokern und der entsprechenden Musik, trug er den Sieg davon. „Das sind Dinge, die im Schulstoff keine Anwendung finden“, sagt El-Ghoul. Vielleicht macht es das für die Kinder so interessant.

Vergangenes Jahr bot Manaasil Lernwelten tatsächlich Nachhilfe für Kinder an, die im Distanzunterricht nicht mitkamen, erzählt Belhadj. Das Programm "Mathematik als Abenteuer" in diesem Jahr ist ein spielerischer Ansatz, losgelöst vom Schulstoff. „Man kann kreativer sein“, so ihr Kollege. Rechnen mit ägyptischen Zahlensymbolen etwa: Vier Schnecken, zwei Steigbügel und sieben Striche ergeben die Zahl 427. Das Addieren funktioniert wie bei uns heute, aber wenn man zum Beispiel von der 427 die 351 abziehen möchte, muss man aus einer Hunderter-Schnecke zehn Steigbügel machen, sonst geht es nicht. Die Kinder waren begeistert.

Zum Abschluss geht es in die Rheinaue

Ein Tetraeder aus einem DIN-A4-Blatt zu falten, war da schon komplizierter. Die Kursleiter mussten viel Hilfestellung geben, eigentlich schade, aber zu der anspruchsvollen geometrischen Form kam eben auch Feinmotorik, man musste sehr sorgfältig falten. Das Murmelspiel war da besser: Die Kinder teilten sich in zwei Teams auf, bekamen Murmeln und zwei Becher, verschiedene Aufgaben und 20 Minuten Zeit. Jedes Mal, wenn sie eine Aufgabe gelöst hatten, sollten sie eine Kugel in ihren Becher legen.

Auch einen Ausflug in die Bonner Innenstadt gab es, mit Aufgaben am Bonner Münster und – zum Thema Symmetrie – am Alten Rathaus. Zum Abschluss geht es am Freitag in die Rheinaue. „Die Uni Bonn bietet mathematische Spaziergänge an“, erklärt Belhadj.

Manaasil Lernwelten bietet bilinguale Kurse und Programme an, konnte das natürlich lockdown-bedingt zuletzt nur eingeschränkt. Die Gesellschaft fördert, errichtet und betreibt seit 2014 Bildungseinrichtungen mit dem Förderverein deutsch-arabische Lernwelten im Rücken.

Infos auf www.manaasil-lernwelten.de.