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Kantorei in der Hardtberg-Gemeinde: Mehr Zeit für Proben mit Barockmusik

Kantorei in der Hardtberg-Gemeinde : Mehr Zeit für Proben mit Barockmusik

Felix Schönherr bleibt nun für insgesamt für zwei Jahre Interims-Kantor der Evangelischen Hardtberg-Gemeinde. Nach der Geburt eines Sohnes hat Kantorin Lea Marie Lenart zuvor ihre Elternzeit verlängert.

Es dürfte dem evangelischen Pfarrer Georg Schwikart von der Hardtberg-Gemeinde zu verdanken sein, dass Felix Schönherr (35) bis zum Ende des Jahres 2022 Lea Marie Lenart als Kantor des Kirchenchores vertreten wird. Lenart wird nach der Geburt ihres Sohnes Aron Frederik im Oktober ein weiteres Jahr in Elternzeit verbringen.

Seit dem vergangenen Oktober liegen bis heute erst drei Proben mit eigenem Hygienekonzept hinter Schönherr und der Kantorei. „Es ist eine sehr nette Truppe“, sagt der Musiker zu den 20 bis 30 Chormitgliedern. Anders als sein Kirchenchor in Königswinter, den er bereits seit 2015 leitet, seien die Hardtberger Sängerinnen und Sänger im Teenager- bis zum Rentenalter mehr an Werken aus dem popmusikalischen Bereich interessiert. „Nicht so richtig Pop“, sagt Schönherr und sucht nach der richtigen Formulierung. Während man auf dem Hardtberg vor allem „Neue Geistliche Lieder“ mit der stilistischen Beeinflussung von Schlager über Jazz bis hin zu Folklore und Rock singen möchte, liegen Schönherrs Präferenzen eindeutig in der Barockmusik.

Damit ist er als in Potsdam geborener Sohn eines Kirchenmusikers auch groß geworden. Gesungen hatte er schon von Kindesbeinen an. Früh kamen auch schon das Spielen von Klavier und Orgel hinzu, sodass es für ihn kaum eine Frage war, nach dem Abitur etwas anderes als Musik zu studieren. So machte er zunächst sein Diplom als Kirchenmusiker in Halle/Saale und Leipzig und kam danach an die Kölner Musikhochschule, wo er Cembalo studierte und noch ein Studium zum Chordirigenten anschloss. Beide Fächer schloss er mit einem Bachelor ab und setzte sie darüber hinaus noch in einem Masterprogramm fort.

Studium in Amsterdam folgte

Dass er im Weiteren noch in Amsterdam ein Studium im Fach Basso Continuo am Königlichen Konservatorium aufnahm und ebenfalls abschloss, deutet bereits auf seine große Liebe zur Barockmusik hin, in der Basso Continuo (B.C.) ein zentraler Begriff ist: In der barocken Musik werden die Gefühle von den Melodiestimmen repräsentiert, während die Bassgruppe für die Vernunft steht. So finden die Bassinstrumente Cello, Gambe und Fagott mit den Harmonieinstrumenten Cembalo und Orgel zusammen.

Seit seiner Kölner Hochschululzeit drückt sich die musikalische Heimat Schönherrs auch in dem fünfköpfigen Barock-Ensemble „Paper Kite“ aus. Ziel der Gruppe ist es, das weniger bekannte barocke Kantatenrepertoire wiederzubeleben und lebendig und mitreißend zu interpretieren. „Paper Kite“ konzertierte bereits in Rom, Florenz, Utrecht sowie in Antwerpen. Bereits im Gründungsjahr gewann die Gruppe in Neuburg an der Donau an einer der ältesten und renommiertesten Sommerakademien Deutschlands den Biagio-Marini-Preis. 2015 wurde das Ensemble im Wettbewerb „Premio Selifa“ in San Ginesio (Italien) unter anderem mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Anfang März erscheint mit „Abend-Andacht“ ein neues Album des Ensembles mit geistlicher Musik des 17. Jahrhunderts.

„Wir freuen uns sehr darüber, Felix Schönherr in unserer Gemeinde zu begrüßen und hoffen, dass wir unsere Sängerinnen und Sänger unter seiner Leitung wieder singen hören werden: zu unserem Genuss und mehr noch zur Ehre Gottes“, so Pfarrer Georg Schwikart.