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Elternabend mit Familientherapeutin: Mit Strategie aus der Brüllfalle

Elternabend mit Familientherapeutin : Mit Strategie aus der Brüllfalle

Steffen treibt seine Eltern gerade zur Weißglut. Schon mehrmals hat ihn seine Mutter aus der Küche heraus gebeten, endlich das Kinderzimmer aufzuräumen.

Aber Steffen spielt mit seinen Bauklötzen und den vielen Autos einfach weiter. Um ihn herum breitet sich ein Chaos aus. Doch Steffen scheint der Welt entrückt zu sein. Jetzt reicht es. Der Ton wird lauter und aggressiver. Letzte Verwarnung. Als auch die nicht hilft, stürmt die Mutter aus der Küche, kommt ins Kinderzimmer und brüllt Steffen an. Sollte er jetzt immer noch nicht reagieren, drohen Strafen und Sanktionen. Das Ergebnis solcher Eskalationen sind weinende Kinder und frustrierte Eltern, die sich als Versager fühlen.

Eine alltägliche Situation zu Hause? "Ich erkenne mich schon wieder", gesteht die junge Mutter, nachdem sie die Filmszene im Joki-Gemeindehaus in Duisdorf gesehen hat. "Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich in die gleichen Verhaltensmuster verfalle, die ich selbst als Kind erlebt habe. Dabei wollte ich nie so werden wie mein Vater. Ich weiß ganz genau, dass es nicht richtig ist. Aber es gelingt mir nicht immer, ruhig und sachlich zu bleiben."

Damit solche Konflikte erst gar nicht entstehen, hatte die Johanniskirchengemeinde eine Expertin eingeladen. "Wege aus der Brüllfalle" lautete das Thema des Elternabends mit Familientherapeutin Christiane Wellnitz von der Evangelischen Beratungsstelle Bonn.

Für jeden Vater und jede Mutter ist es schwer, zuzugeben, dass man im Umgang mit dem eigenen Nachwuchs schon mal die Beherrschung verliert und laut wird. Outen musste sich an diesem Abend jedoch niemand. Denn anhand eines Filmes zeigte Christiane Wellnitz ganz normale Alltagssituationen, die sich langsam zu einem Konflikt steigern. "Ich möchte Wege zeigen, wie Eltern die Aufmerksamkeit ihrer Kinder erreichen, ohne brüllen zu müssen oder gar Strafen anzudrohen. Es geht um einen respektvollen und gewaltfreien Umgang zwischen Eltern und Kindern", so die Therapeutin.

Um die Situation von vorn herein zu entschärfen, rät Christiane Wellnitz, Blickkontakt mit den Kindern zu halten. "Nicht über zwei Zimmer hinweg mit den Kindern sprechen, sondern den direkten Kontakt suchen. Denn nur so erhalte ich ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit", erklärt die Erziehungsexpertin. Allerdings: "Kinder sind Hüllenwesen. Sie schaffen es, sich spielend in eine ganz andere Welt zu begeben und bekommen dann einfach nicht mit, was um sie herum passiert. Das muss ich als Elternteil berücksichtigen."

Auch bei der Kindererziehung macht der Ton die Musik. Das Wechseln von "Du"-Botschaften in "Ich"-Botschaften ist ein guter Weg. "Also nicht dem Kind vorwerfen, du hast wieder Chaos in deinem Zimmer angerichtet. Besser ist es, wenn die Forderung positiv formuliert wird. Wenn Eltern sagen: “Ich hätte gerne, dass du dein Zimmer aufräumst„, entschärft das gleich die Situation."

Und, den Tipp gab Christiane Wellnitz den Eltern mit auf den Weg: "Auch Erwachsene machen Fehler. Bleiben sie konsequent in der Sache. Aber räumen sie gegenüber ihrem Kind auch schon mal ein, dass sie einen Fehler gemacht haben."