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Mountainbiker in Bonn: Kaum legale Strecken im Kottenforst

Diskussion dauert an : Kaum legale Strecken für Mountainbiker im Kottenforst

Die Diskussion um Mountainbiker im Kottenforst in Bonn geht weiter. Ein Fahrer vermisst Bike Parks, also Strecken mit Rampen und Steilkurven. Die Stadt Bonn prüft eine Route am Venusberg. Doch es gibt Bedenken.

Frank Zeisig ist vor zwei Jahren von München nach Bonn gezogen. Die Berge musste er dort lassen, sein Fahrrad hat er aber mitgebracht. Damit ist er nun oft im Siebengebirge oder im Kottenforst unterwegs. Die Diskussion über das Fahrradfahren in den Wäldern und die Folgen für die Natur sind ihm nicht fremd. „Das kenne ich aus München“, sagt Zeisig.

Besonders der Venusberghang im Landschaftsschutzgebiet zwischen Poppelsdorf und Bad Godesberg ist bei Radsportlern beliebt. Naturschützer werfen den Radlern aber vor, nicht auf den Wegen zu bleiben. Dadurch werde zum Beispiel der Waldboden verdichtet und Wasser können schlechter abfließen, auch die Erosion des Bodens werde so gefördert. Außerdem würden die Radler rücksichtslos durch die Wälder „ballern“. Die Rechtslage ist eindeutig: „Mountainbiker, die sich außerhalb der zulässigen Straßen und Wege bewegen, verstoßen gegen naturschutzrechtliche und gegen forstrechtliche Bestimmungen“, sagt Marc Hoffmann vom Presseamt.

„Es gibt Regeln, an die muss man sich halten“, sagt auch Zeisig. „Es wäre aber schön, wenn alle respektvoll miteinander umgehen.“ In den Alpen kämen Wanderer und Radler meistens gut miteinander aus. „Es gibt auch da Chaoten, die die Hänge runterbrettern, sagt Zeisig. „Aber Chaoten finden Sie überall.“

Ihn ärgert es auch ein wenig, dass es oft so dargestellt wird, als seien die Radfahrer die einzigen, die sich im Wald nicht an die Regeln hielten. Im Siebengebirge sehe er auch immer wieder Wanderer abseits der Wege. „Ich finde, da wird mit zweierlei Maß gemessen“, sagt er. „Wenn die Regeln beachtet werden, nimmt die Natur auch keinen Schaden.“

In den Alpen etwa gebe es Bike Parks – Strecken, die für Radler freigegeben sind, mit Rampen und Steilkurven. „Auch da gibt es Regeln und saftige Strafen, für alle, die sich nicht dran halten“, sagt Zeisig. So etwas wünscht er sich auch vor der Haustür. Allerdings findet er, dass sich wenig tut, was legale Strecken in den Bonner Wäldern angeht.

Im April hatte die Stadt mitgeteilt, sie plane, eine legale Strecke anzulegen. Sie habe einen Landschaftsarchitekten, der gleichzeitig Sachverständiger und Gutachter für Bike- und Skateanlagen ist, mit einer Machbarkeitsstudie beauftragt. Dazu sollte es laut Hoffmann Gespräch mit potenziellen Nutzern geben, um zu erfahren, was sie sich wünschen. Im Juli hieß es von der Stadt, bei der näheren Prüfung hätten sich Bedenken ergeben. Die Vereinbarkeit von Natur-, Landschafts und Artenschutz mache die Sache kompliziert.

Der Verein Deutsche Initiative Mountainbike hält eine legale Strecke für eine gute Idee. Sie könne ein guter Ersatz für bestimmte Zielgruppen sein. Allerdings gibt es auch Kritikpunkte. Solche Strecken seien oft nur zwischen einem und fünf Kilometern lang, somit nur für Kurzfahrer geeignet. „Das ist für viele Mountainbiker zu kurz und fördert illegale Pisten“, sagt John Bergenholtz, Sprecher des Bereichs Rhein-Sieg.

Bei der Länge der Strecke müsse man Kompromisse machen, findet Zeisig. Was der Mountainbike-Freund stört: „Bei dem Thema geht es nicht voran.“ Das sei  für alle Beteiligten unbefriedigend. Für andere Sportler würden doch auch Anlagen angelegt, findet er. „Wenn Fußballplätze gebaut werden, dann kräht da kein Hahn nach“, sagt er. Zeisig ist überzeugt, dass viele Fahrradfahrer sogar mit anfassen würden, wenn es darum geht, eine Strecke anzulegen.