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Abschied am Heimholtz-Gymnasium: Nach 44 Jahren geht Schulsekretärin Christel Wagner in Rente

Abschied am Heimholtz-Gymnasium : Nach 44 Jahren geht Schulsekretärin Christel Wagner in Rente

Christel Wagner geht nach 44 Jahren als Sekretärin am Helmholtz-Gymnasium in den Ruhestand. Sie hat sämtliche Schulleiter erlebt.

Jetzt kann Christel Wagner endlich etwas kürzer treten, das hat sie auch nötig nach dem Abschiedsmarathon. „Ich werde seit 14 Tagen täglich von anderen Gruppen verabschiedet“, erzählt die 63-Jährige Sekretärin am Helmholtz-Gymnasium. Die Fachschaften bedankten sich bei ihr für ihre Arbeit, Schulkinder füllten ihr Büro mit Luftballons. „Mir ist die große Wertschätzung im Haus gar nicht bewusst gewesen.“ Eigentlich schade, dass sie davon erst kurz vor dem Ruhestand erfährt.

Sie hatte lange Zeit, sich diese Wertschätzung zu verdienen: Seit 44 Jahren ist Christel Wagner das Gesicht, das man sieht, wenn man das Sekretariat des Gymnasiums betritt. Für viele Schüler- und auch für einige Lehrergenerationen ist sie die Person, die schon immer da war, wird als der gute Geist des Hauses bezeichnet. Schwer vorzustellen, dass auf ihrem Platz ab April jemand anderes sitzen wird.

Am 1. Oktober 1973 fing sie an dem damals zwölf Jahre alten Gymnasium im Sekretariat an. „Ich habe sämtliche Schulleiter bis heute aktiv im Dienst miterlebt.“ Auch den ersten, Wilhelm Schüttler, der Anfang 1976 starb. Sie erinnert sich noch, dass sie die Dinge, die er ihr diktierte, in Stenografie mitschrieb. „Das macht man jetzt nicht mehr.“ Schüttlers Nachfolger Leo Klingen sei ein Vorreiter in Sachen Informatik-Unterricht an der Schule gewesen. „Er hat mir Computerprogramme gegeben, die ich abtippen sollte“, erinnert sich Wagner. „Ich habe nicht verstanden, was ich da tippe.“

Jeder Tag im Sekretariat ist anders

Jeden Tag die gleiche Arbeit am selben Platz, aber trotzdem ist jeder Tag anders, weil immer andere Menschen ins Sekretariat kommen, mit immer neuen Anliegen. Das ist etwas, das sie immer geschätzt hat. „Man sitzt ja wirklich mittendrin“, sagt sie. „Wer nicht gerne mit Leuten zu tun hat, gehört hier nicht hin.“ Sie ist eigentlich eher für die Lehrerangelegenheiten zuständig, ihre Kollegin Karin Pabst kümmert sich um Schülerbelange. Aber natürlich ist das nicht so strikt getrennt: Wenn die Tür aufgeht, kümmert man sich, egal wer hindurchtritt.

Offiziell geht sie Ende März, sie nimmt aber noch Resturlaub und hatte deshalb am Freitag ihren letzten Tag an der Schule. Insgesamt hat sie mehr als 45 Arbeitsjahre hinter sich, deshalb kann sie mit 63 Jahren den Ruhestand antreten und freut sich drauf, viel Zeit zu Hause zu verbringen, im großen Garten zu arbeiten, Krimis zu lesen, ihr Englisch aufzubessern, nicht mehr morgens um 7 Uhr das Haus in ihrem Heimatort Bornheim-Merten verlassen und erst nachmittags zurückkehren zu müssen.

„Mein ganzes Leben bin ich unterwegs gewesen“, sagt Wagner. „Die Mathematik-Fachschaft hat ausgerechnet, dass ich in den 44 Jahren 9,2 Mal um die Welt gefahren bin.“ Das bedeute aber nicht, dass sie jetzt nur noch daheim hocken wolle. Eine Sache, auf die sie sich besonders freut: „Urlaub machen, wenn keine Ferien sind.“ Nach den Osterferien geht es damit los. Der gute Geist des Helmholtz-Gymnasiums? „Das ist schön, aber auch irgendwie komisch.“ In der Schulchronik auf der Homepage ist sie bislang natürlich nicht aufgeführt, dort werden nur die Wechsel in der Schulleitung genannt. Aber eigentlich gehört Christel Wagner dort hinein.