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Versteckte Ecken in Duisdorf: Natur holt sich die Gallwitz-Kaserne zurück

Versteckte Ecken in Duisdorf : Natur holt sich die Gallwitz-Kaserne zurück

Das große, weiße "H", das den Hubschrauberlandeplatz kennzeichnet, erkennt man noch sehr deutlich. Ringsherum erstreckt sich eine weite asphaltierte Fläche, die übersät ist mit den unterschiedlichsten Unkräutern. Dort wo vor Jahren noch Fahrzeuge standen oder Hubschrauber landeten, wachsen aus Rissen in der Asphaltdecke Birken.

Gerade jetzt, wo es so heiß ist, beweist der Asphalt, wie gut er Hitze reflektieren kann. Permanent hört man das Rauschen der nahe gelegenen Autobahn.

Die Gallwitz-Kaserne, die im Osten Duisdorfs direkt an der A 565 liegt, hat sich in den letzten Jahren zu einem verwunschenen Ort gewandelt. Die Natur holt sich die sieben Hektar große Liegenschaft in schnellen Schritten zurück. Dabei handelt es sich um den östlichen Teil der Kaserne, in dem der Bundesgrenzschutz bis 2003 das Grenzschutzkommando West untergebracht hatte. Der Bundesgrenzschutz, die heutige Bundespolizei, war seit den 50er-Jahren in Duisdorf stationiert.

"Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie Ulrich Wegener, der damals die GSG 9 gründete, seine Jungs bei Übungen hier auf dem Platz zusammenstauchte", erinnert sich Eckhard Krüger lachend, der für die Zutrittskontrolle auf dem Gelände der Gallwitz-Kaserne zuständig ist und normalerweise im benachbarten Wirtschaftsministerium arbeitet.

Die Gallwitz-Kaserne wurde im Jahr 1936 als Artilleriekaserne erbaut, Namensgeber war General Max von Gallwitz. Später zog das Bundeswirtschaftsministerium in die dortigen Gebäude ein - im Laufe der Jahre kamen noch einige weitere Gebäude hinzu, wie zum Beispiel ein 14-stöckiges Hochhaus. Heute werden Teile der Kaserne vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales genutzt.

"Aktuell wuchert hier alles zu. Die Bundespolizei, Feuerwehren und die Rettungshundestaffeln üben aber noch regelmäßig auf dem Gelände", erzählt Krüger. Spuren davon sieht man hier und da: Glasscherben und verbranntes Holz zeugen von intensiven Übungen.

Die großen Garagen für die Lastkraftwagen sind größtenteils eingestürzt, auf der gefliesten Rückwand einer noch stehenden Garage steht der Hinweis "Notruf bei Feuer '91'". Die Gebäude auf dem Gelände sind allesamt in einem desolaten Zustand. Die Fensterscheiben sind meist zerschlagen, der Wind spielt mit offengelassenen Fenstern und Fensterläden, selbst in den Gebäuden machen sich Pflanzen breit. Ein muffiger Geruch schlägt dem Besucher der ehemaligen Sporthalle entgegen - hier trainierten einst die Grenzschützer.

Auf der einen Seite ist es bemerkenswert, wie heruntergekommen die einst so stolze Kaserne ist, auf der anderen Seite geht von ihr eine gewisse Mystik aus, die die Bonner allerdings nicht erleben können: Die ehemalige Kaserne wird streng bewacht.

Auf den besonderen Charme der Kaserne sind allerdings Filmleute aufmerksam geworden. Der Kino-Erfolg "Westen" wurde hier zu großen Teilen gedreht, "Alarm für Cobra 11" ließ es hier schon krachen, und vor Monaten war das "Tatort"-Team aus Dortmund zu Gast. "Das Straßenschild Herdecker Weg ist noch vom Tatort-Dreh", sagt Eckhard Krüger, "dort drüben stehen auch noch Beleuchtungs-masten vom 'Westen'-Dreh sowie andere Requisiten."

An dem trostlosen Äußeren wird sich wohl bald etwas ändern. "Wir werden in diesen Tagen das Areal zum Verkauf anbieten", erklärt Ralf Cappel von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, der das Areal gehört. Dort sollen vor allem zahlreiche Wohnungen und auch ein Kindergarten entstehen.