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Neues Telefon-Hilfsangebot der Kirchen-Gemeinden rund um den Venusberg

Neues Hilfsangebot für den Venusberg : Telefonfreundschaften sind ein Rezept gegen die Einsamkeit

Die evangelischen und katholischen Gemeinden rund um den Venusberg laden zur Gründung eines telefonischen Besuchsdienstes ein. Ein Informationstreffen ist für den 27. September geplant.

Nicht erst seit den coronabedingten Einschränkungen vermissen viele Menschen die persönlichen Kontakte in ihrem Alltag. Vor allem ältere und alte Menschen sind oftmals einsam, wenn ihre Partner verstorben sind oder die Familie zu weit entfernt lebt. „In der Corona-Pandemie hat sich gezeigt, dass sehr häufig die Menschen mit uns ein Gespräch am Telefon suchten“, sagt Heike Jakob-Bartels. Oft habe es dafür gar keinen konkreten Grund gegeben, so die Jugendleiterin der Gemeinde. „Dabei haben wir schnell feststellen können, dass es für die meisten Anruferinnen sehr schön war, wenn wir eine Verabredung für ein nächstes Telefonat ausmachten.“ Mit dieser Erfahrung ist die Idee entstanden, einen telefonischen „Besuchsdienst“ für Venusberg, Ippendorf und Poppelsdorf einzurichten.

„Telefonieren ist etwas, was Menschen immer noch können, selbst wenn sie in ihren Bewegungen eingeschränkt sind oder im Pflegeheim leben“, sagt Jakob-Bartels. Telefonieren könne nahezu jede und jeder. Aus der coronabedingten Kontaktpflege der Gemeinde haben sich bis heute schon einige feste Telefontermine ergeben, die nun zu der konfessionsübergreifenden Zusammenarbeit mit der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Bonn-Melbtal geführt haben.

Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gesucht

Gemeinsam mit Marion Schurz, der Engagementförderin des katholischen Seelsorgebereichs, sowie der evangelischen Gemeindesekretärin Carla Hornberger lädt Jakob-Bartels nun dazu ein, sich ehrenamtlich für die „Telefonfreunde auf dem Berg“ zu engagieren. Mit der Frage, ob man etwas Zeit übrig habe, die man anderen schenken möchte, suchen die Gemeinden rund um den Venusberg ehrenamtliche Helfer für einen wöchentlichen telefonischen Besuchsdienst. „Wir brauchen Menschen“, so Jakob-Bartels, die Zeit haben, vielleicht einmal in der Woche zum Telefonfreund zu werden. Richtigerweise müsse es eigentlich Telefonfreundin heißen, sagt die Organisatorin, die selber die Erfahrung gemacht hat, dass sich Männer mit den Anrufen eher schwer tun.

Sie pflegt bisher nur mit älteren Frauen einen gewünschten Kontakt. Eine typische Erfahrung sei bisher, dass sich in einem Telefonat mit einer in ihrer Mobilität eingeschränkten älteren Dame vom Venusberg eher zufällig Fragestellungen ergeben haben, die sich im Nachhinein für die Angerufene als bedeutsam herausgestellten. So wusste die Dame noch nicht, welche Hilfen sich in ihrer Pflegestufe für sie anbieten und wie man sie auch in Anspruch nehmen könnte. Wobei Jakob-Bartels darauf hinweist, dass es in den Gesprächen weniger um Beratung gehe, noch dass es sich dabei um eine Telefonseelsorge handele. Dafür gebe es andere Einrichtungen.

Die künftigen Telefonbesuche sollten eine ganz eigene Qualität entwickeln. Um die Ohren und Herzen der Angerufenen zu erreichen und auch ohne Mimik und Gestik miteinander in eine gute Verbindung zu kommen, werden die Gemeinden ab November kostenlose Schulungen mit der Kölner Familientherapeutin Johanna Hake als Referentin ortsnah in Ippendorf und auf dem Venusberg anbieten.

Schulung im Führen von Gesprächen

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden in vier Modulen Methoden der Gesprächsführung kennenlernen, die dazu beitragen können, dass die oder der Angerufene ein gutes Gefühl bei dem Telefontreffen erlebt. Schon durch die bereits heute regelmäßig Angerufenen weiß Jakob-Bartels, wie sehr sich auf einen wöchentlich verabredeten Telefonkontakt gefreut wird. Die Methoden, die Hake zur Gesprächsführung vermitteln wird, sind in einem Seminarordner zusammengefasst, den die potentiellen Telefonfreunde ausgehändigt bekommen. „Wir sprechen, damit wir gehört werden“, heißt es dort.

Was zunächst banal klingen mag, weist daraufhin, dass man wissen muss, was der andere gehört hat. Um beim Zuhören eine entsprechende Rückmeldung zu erhalten, werden die Telefonfreunde anfangs erfahren, wie sie die Methode eines „Spiegelns“ anwenden können. Darin wird es um die Fähigkeit des Zuhörers gehen, sich aufmerksam auf den Inhalt einer Unterhaltung zu konzentrieren, um die Voraussetzung für ein empathisches Gespräch zu schaffen (siehe Kasten).

„Spiegeln“ bedeutet dabei, sich in den anderen mit gesunder Distanz einzufühlen und die oftmals etwas undeutlichen, manchmal auch mit Widerstand hervorgebrachten Äußerungen, Einstellungen und Verhaltensweisen neu zu formulieren. Dabei sollen eventuell vorhandene Probleme nicht gelöst, sondern miteinander besprochen werden.

„Wir werden einen kleinen ,Werkzeugkoffer’ packen, um mit Freude und Kompetenz jeden Anruf willkommen zu heißen“, formulieren Schurz, Hornberger und Jakob-Bartels in einem kleinen Flyer zu dem ökumenischen Telefonfreunde-Projekt. „Kommunikation, also Sprechen und Zuhören, ist eine erlernte Fähigkeit, die wir unser ganzes Leben lang verfeinern können“, erklärt Hake. In Verbindung miteinander zu gehen, bedeute, sich auf den liebevollen Weg einzulassen, mit dem Bedürfnis, unser Leben sowie auch das Leben anderer Menschen zu bereichern.

Ein unverbindliches Informationstreffen findet am Montag, 27. September, von 19 bis 20.30 Uhr im Gemeindehaus der Ev. Auferstehungskirchengemeinde am Haager Weg 40 statt. Anmeldung per E-Mail an engagement@vip-bonn.de.