1. Bonn
  2. Hardtberg

Übergang am Weck-Werk: Noch mal sechs Monate obendrauf

Übergang am Weck-Werk : Noch mal sechs Monate obendrauf

Dass der erste Zeitplan für den Umbau des seit November gesperrten Bahnübergangs am Weck-Werk nicht zu halten sein würde, war seit mindestens drei Wochen klar. Aber das?

Die Bahn teilte gestern Nachmittag mit, dass der Übergang voraussichtlich noch bis Ende September gesperrt bleibt, und begründete das damit, dass "weitere fachliche Abstimmungen" mit der Stadt Bonn erforderlich seien.

"Hierbei geht es darum, die verkehrliche Abwicklung über den Bahnübergang auch unter Einbeziehung benachbarter Verkehrsknoten zu prüfen", so die Bahn in einer Pressemitteilung. "Nach dem Vorliegen der Ergebnisse dieser Leistungsfähigkeitsuntersuchung und der entsprechenden Planungen erfolgt dann zeitnah der Umbau dieses wichtigen Straßenknotenpunktes."

Damit verlängert sich die Zeit der Sperrung um sage und schreibe sechs Monate. Ursprünglich sollte der Bahnübergang zwischen Ende März und Ostern (5. April) wieder offen sein, die reinen Bauarbeiten waren auf vier bis sechs Wochen angesetzt. Auf Nachfragen sagte Bahn-Sprecher Dirk Pohlmann, dass die Stadt entsprechende Forderungen aufgestellt habe, verwies für Details aber an Bahn-Projektleiter Florian Bonn. Dieser war jedoch gestern telefonisch nicht erreichbar.

Ob der Bahnübergang tatsächlich wie angekündigt in sechs Monaten wieder offen ist, steht in den Sternen. Die Bahn hat wohlweislich das Wort "voraussichtlich" benutzt, als sie gestern über den Termin Ende September sprach. Weiteres Indiz: Die Straßensperrung sei seitens der Stadt Bonn "zunächst" bis zum 15. September verlängert worden, heißt es. Das bestätigte Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Die Genehmigung sei für die Bauarbeiten im öffentlichen Raum erteilt worden, sagte er.

Die Deutsche Bahn weist darauf hin, dass die Umleitung für den motorisierten Kfz-Verkehr weiterhin über die Almabrücke (L 113n) oder über den Bahnübergang Bahnhofstraße erfolge und bittet für die Unannehmlichkeiten um Entschuldigung und Verständnis.

Petra Thorand (Bezirksbürgermeisterin/CDU): "Das ist ein ziemliches Unding, wie sich das hinzieht. Warum hat die Bahn denn die genaue Detailplanung nicht schon gemacht, als man diese Variante vorgestellt hat? Für die Firmen rund um den Bahnübergang ist die erneute Verzögerung der Öffnung ganz schlecht."

Das sagen die Hardtberger Politiker

Bert Moll (CDU): "Das ist für die Bürger nicht akzeptabel. Die Entscheidung, den Übergang weiter geschlossen zu halten, untergräbt auch weiter das Vertrauen in die Verlässlichkeit der Aussagen der Bahn und der Stadtverwaltung. Die Bahn hatte bei der Information am 7. Januar die Öffnung noch vor Ostern 2015 klar in Aussicht gestellt, wenn nicht sogar zugesagt. Es ist nicht nachvollziehbar, warum sie den Zeitpunkt der Öffnung so weit hinausschiebt. Ob dafür technische Probleme oder gar die Streitigkeiten über die dauerhafte Schließung des Übergangs maßgebend sind, muss heute in der Sitzung der Bezirksvertretung Hardtberg in Erfahrung gebracht werden."

Gabi Mayer (SPD): "Inakzeptabel ist, dass die Bahn offenbar wieder erst auf Nachfrage darüber informiert, dass es Verzögerungen gibt. Unverständlich ist es auch, weil sich offensichtlich die Rahmenbedingungen seit Anfang Januar, als die Bahn noch vollmundig versprochen hatte, dass der Übergang an Ostern auf jeden Fall wieder geöffnet sei, nicht geändert haben. Um den Lieferverkehr zum Industriegebiet Duisdorf und den Autoverkehr in die Wohngebiete nicht weiter zu beeinträchtigen, muss der Bahnübergang schnellstmöglich wieder geöffnet werden. Die derzeitige Verkehrsführung kann die Schließung nicht kompensieren. Das ist in den vergangenen Monaten deutlich geworden. Außerdem dürfen wir nicht zulassen, dass da eine schleichende Schließung “eingetütet„ wird ."

Gertrud Smid (Grüne): "Die Informationspolitik geht so nicht. Im Interesse der Bürger sind die Deutsche Bahn und der Bonner Oberbürgermeister in der Pflicht, den Bürgern Auskunft zu geben."

Frank Thomas (FDP): "Mit so einer langen Sperrung habe ich nicht gerechnet. Noch bei der Infoveranstaltung im Januar in Alfter wurde eine Aufhebung der Sperrung im Frühjahr in Aussicht gestellt. Für die betroffenen Anwohner ist das eine Hiobsbotschaft. Leider ist der Bahnkonzern so verschachtelt und hartleibig, dass die Appelle der Kommunalpolitiker nur wenig Gehör finden."

Nortfried Quickert-Menzel (Linke): "Dann ist ja jetzt Zeit genug, ein besseres Konzept auszuarbeiten. Der etwaige Verkehrsfluss in dem Areal ist bis jetzt nicht prognostiziert worden. Die Staus beim Schließen der Schranke werden bloß woanders hin verlagert - in die Ladestraße. Sie soll zudem verbreitert werden, P&R-Stellplätze würden eventuell wegfallen. Belange von Fußgängern und Radlern wurden bis jetzt nicht ausreichend berücksichtigt. Und dann dieser abenteuerliche Parcours für Pendler nach Oedekoven um den Hellweg herum... Ich denke, diese Atempause tut uns gut. Es muss nachgebessert werden."