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ÖPNV Bonn: Hindernisse für Buslinie 605 aus dem Weg geräumt​

Öffentlicher Nahverkehr in Bonn : Hindernisse für Buslinie 605 aus dem Weg geräumt

Busse in Bonn sollen pünktlicher sein. Doch auf vielen Strecken gibt es Hindernisse. Die Pendler-Linie 605 von Duisdorf zur Mondorfer Fähre ist besonders anfällig für Verspätungen. Um die Tour zu beschleunigen, hat die Verwaltung verschiedene Mittel.

Linksabbiegen Richtung Lessenich an der Duisdorfer Ladestraße ist für Autos verboten. Lediglich Busse und Räder dürfen. Manchen Autofahrer regt es auf, einige nehmen die Änderung wegen der Gewohnheit noch nicht wahr. Das neue Schild ist ein Teil der Maßnahme, die Pünktlichkeit des Busverkehrs, in dem Fall der Linie 605, zu erhöhen. Das Linksabbiegen auf die vielbefahrene Bahnhofstraße ist schwierig. Wenn dann noch die Bahnschranken geschlossen sind, entsteht regelmäßig ein Rückstau, in dem auch die Busse nicht weiterkommen.

Die frequentierte Pendler-Linie 605 quer durch die Stadt von Duisdorf Bahnhof bis Mondorfer Fähre ist anfälliger für Verspätungen als andere Buslinien im Stadtgebiet. Die Stadtwerke (SWB) haben die Streckenabschnitte dokumentiert, auf denen die 605 in Verzug kommt. Zusammengerechnet macht das knapp ein Drittel der Strecke aus.

Ampeln mit Vorrang für Busse

Langsam geht es voran mit der Umsetzung eines Beschlusses, den der Hauptausschuss schon vor vier Jahren gefasst hatte. Beauftragt wurde zu Zeiten, als die Jamaika-Koalition noch die politische Mehrheit stellte, die Verwaltung möge Vorschläge unterbreiten, wie der öffentliche Nahverkehr beschleunigt werden kann. Die Stadtwerke haben „linienscharf“ Busstrecken unter die Lupe genommen und Vorschläge unterbreitet. Gründe für Verspätungen: Wartezeiten an der Ampel, enge Straßen mit Gegenverkehr, Behinderungen durch Falschparker.

 Hindernisse auf auf der Fahrtroute - wie auf dem Gudenauer Weg - bringen die Linienbusse aus dem Takt. Das soll sich ändern.
Hindernisse auf auf der Fahrtroute - wie auf dem Gudenauer Weg - bringen die Linienbusse aus dem Takt. Das soll sich ändern. Foto: Benjamin Westhoff

Auf dem Linienweg der Linie 605 gibt es 47 Lichtsignalanlagen. Damit es schneller geht, wurden nach und nach fast Dreiviertel der Ampeln an neuralgischen Punkten für Busse bereits auf Vorrang geschaltet. Der städtische Ordnungsdienst hat Falschparker an den Linienwegen im Visier. Außerdem schlägt die Verwaltung vor, einzelne Parkplätze an Engstellen einzuziehen, damit Busse und Begegnungsverkehr ohne Wartezeit aneinander vorbeikommen. Dass und wie viele Parkplätze wegfallen sollen, führt in den politischen Gremien regelmäßig zu einem Disput.

Rückstau auf der Bahnhofstraße

Damit die Linie 605 ihren Fahrplan einhalten kann, sollen im Stadtbezirk Hardtberg auf der Straße im Mühlenbach etwa acht Parkplätze eingezogen werden. Laut Presseamt ist eine Firma beauftragt. Statt bislang 4,90 Metern Fahrbahnbreite können dann sieben Meter vom fließenden Verkehr genutzt werden. Die Plätze in der Parkbucht auf der gegenüberliegenden Seite bleiben bestehen. Im Stadtbezirk Bonn wurden für die Linie 605 unter anderem zehn Parkplätze an der Röckumstraße, zwölf an der Alfred-Bucherer-Straße und sechs an der Riegelerstraße bereits entfernt.

Im Rahmen der Bus-Beschleunigung wurde auch die Situation an der Duisdorfer Bahnhofstraße geprüft. Die Einrichtung eines unabhängigen Rechtsabbiegefahrstreifens wäre eine mögliche Lösung gewesen, um Rückstaus zu verhindern. Nach Rücksprache mit der Polizei gab die Verwaltung jedoch dem Linksabbiegerverbot aus der Ladestraße den Vorzug. Der Rechtsabbiegestreifen wäre mit einem hohen baulichen Aufwand und Kosten verbunden. Außerdem müssten private Flächen und die bestehende Grünfläche einbezogen werden, so die Argumentation. Für das Linksabbiegerverbot als kurzfristige Verbesserung war lediglich ein Schild notwendig, das seit Mitte Mai angeschraubt ist. Autofahrer sollen sich Ausweichrouten suchen.

Rat überstimmt Bezirksvertretung Hardtberg

Der Ratsbeschluss zur Beschleunigung der Linie 605 liegt ein Jahr zurück. Zuvor hatte auch die Bezirksvertretung das Wort. Dort lehnte eine Mehrheit aus CDU und FDP das Linksabbiegeverbot aus der Ladestraße gegen die Stimmen von Grüne, SPD und Linke ab. Anders im Rat: Die Koalition aus Grüne, SPD, Linke, und Volt sowie die CDU stimmten für diese Lösung gegen die Stimmen von Bürger Bund Bonn, der eine positive Wirkung dieser Maßnahme grundsätzlich bezweifelt. In Arbeit ist auch die Beschleunigung der Linie 631 zwischen Gronau, Tannenbusch und Venusberg.

Nun sollen die Linie 630 sowie die Linien 608 und 609 folgen, wie jüngst der Verkehrsausschuss beschlossen hat, für die Beschleunigung der 608 und 609 gab es jetzt auch die Zustimmung des Rates. Bei der Buslinie 630 gehen die Vorschläge noch einmal in die Bezirksvertretungen Hardtberg und Bonn zur Beratung. Es sollen 25 Parkplätze auf dem Europaring (Medinghoven), Meßdorfer Straße (Lessenich/Meßdorf) und Lärchenstraße (Buschdorf) wegfallen. Hinzu kommt auf dem Gudenauer Weg (Ippendorf) eine „Umgestaltung der Parkmöglichkeiten“, wie die Verwaltung schreibt. Dort entfallen 17 weitere Parkplätze.

Neue Vorfahrtsregelungen

Mit einem deutlich gekennzeichneten Halteverbot soll das Abstellen von Fahrzeuge verhindert werden. Auf der Strecke soll ebenso wie in der Spreestraße (Ippendorf), Kiefernweg (Venusberg), Celsiusstraße (Brüser Berg), auf Europaring und Meßdorfer Straße (Lessenich/Meßdorf, Dransdorf) eine Vorfahrtsregelung die bestehende Rechts-vor-Links-Regelung ersetzen, um den Bussen eine schnellere Durchfahrt zu ermöglichen.

Im Verkehrsausschuss meldeten sowohl Arno Hospes (CDU) als auch Alessandro Balan (FDP) insbesondere mit Blick auf den Gudenauer Weg Bedenken an. Durch den Wegfall der Parkplätze, die den Durchfahrtverkehr bremsten, und die geplante Vorfahrt könnten, so Hospes, „den Rasern“ ein Weg geebnet werden. Alexander Juffa aus dem Planungsamt und Angela Franken von den Stadtwerken hatten zuvor erläutert, dass die Busse bisweilen ins Stocken geraten und Zeit verlieren, wenn sie nicht die ganze Fahrbahnbreite zur Verfügung hätten und die Abstände zwischen parkenden Autos oft so gering wären, dass kaum Platz dazwischen bleibe für die Fahrzeuge.

Stadt soll Bürger informieren

Ganz ähnliche Eingriffe sind nach Beschlusslage nun für die Buslinien 608 und 609 angedacht (von Brüser Berg über Duisdorf Mitte, Endenich, Hauptbahnhof nach Beuel). Beide fahren eine fast identische Strecke. Insgesamt 23 Parkplätze sollen an der Villemombler Straße in Duisdorf und in Beuel am Adelheidisplatz, Finkenweg, an Marktstraße und Paul-Langen-Straße entfallen. Ein Halteverbot am Veilchenweg an der Endhaltestelle Gielgen soll sicher stellen, dass Busse nicht behindert werden. Neue Vorfahrtsregelungen sind für die Everhardstraße, den Veilchenweg und die Alte-Bonner-Straße geplant. Eine Optimierung der Ampelschaltungen prüft die Verwaltung.

Im Fachausschuss forderte Rolf Beu (Grüne) mit Verweis auf „Kommunikationspannen“ der Verwaltung – Anwohner am Bonner Rheinufer beispielsweise hatten keine Kenntnis, dass dort rund 150 Parkplätze wegfallen - soll die Stadt die betroffenen Bürger rechtzeitig über die Änderungen informieren. Juffa erklärte, das sei für die Verwaltung nicht leistbar, beschlossen wurde es dennoch.