1. Bonn
  2. Hardtberg

Besonderer Online-Gottesdienst in Duisdorf: Online-Gottesdienst für Sternenkinder

Besonderer Online-Gottesdienst in Duisdorf : Online-Gottesdienst für Sternenkinder

Einen besonderen Gedenkgottesdienst hat Petra Brunner, Vikarin der evangelischen Johanneskirchengemeinde in Duisdorf, ins Internet gestellt: Darin will sie Mütter und Väter sowie Angehörige von Sternenkindern bei ihrer Trauer begleiten.

„Menschen in schwierigen Übergangssituationen zu begleiten, gehört zu meinen Aufgaben als Vikarin“, sagt Petra Brunner. In diesem Frühjahr wird die in einem bayerischen Dorf aufgewachsene promovierte Theologin bereits zwei Jahre der Evangelischen Johanniskirchengemeinde in Duisdorf angehören. Unter dem Motto „Weißt du, wie viel Sternlein stehen?“ hat Brunner Mitte März einen Gedenkgottesdienst für Mütter, Väter und Angehörige von Sternenkindern für das Internet aufgenommen, die nun jederzeit auf der Internetseite der Johanniskirchengemeinde abrufbar ist.

 Vikarin Petra Brunner zündet eine Kerze für zu früh verstorbene Kinder an.
Vikarin Petra Brunner zündet eine Kerze für zu früh verstorbene Kinder an. Foto: Stefan Hermes

Als Sternenkinder werden Neugeborene bezeichnet, die im Mutterleib, während der Geburt oder kurz danach versterben. Häufig sind es Frühgeburten. Man sagt, dass Sternenkinder den Himmel erreichen, bevor sie das Licht der Welt gesehen haben. Für Mütter und Väter und alle, die von dem frühen Tod der Kinder erfahren haben, leuchten die Kinder nun als stille Sterne am Himmel. Doch diese Stille kann auch das Unvermögen ausdrücken, über das Unbegreifliche des frühen Todes zu sprechen.

Früher Tod von Kinder ist ein Tabuthema

Vielfach wird vor allem der Tod von sehr jungen Kindern, die während der ersten Wochen der Schwangerschaft versterben, tabuisiert. „In der Seelsorge treffe ich in Duisdorf immer wieder auf junge Eltern, die den Verlust eines Kindes erlebt haben“, sagt Brunner. Auch in den Gesprächen mit älteren Frauen aus der Gemeinde komme es vor, dass in deren Biografien eine bis heute verschwiegene und damit kaum verarbeitete Fehlgeburt oder der frühe Verlust eines Kindes auftaucht. Das Thema werde totgeschwiegen. „Irgendwann“, so Brunner möchte auch das nähere Umfeld nicht mehr über den Tod sprechen. Für die Eltern, die einmal alle Wünsche und Hoffnungen in das gemeinsame Leben mit dem Kind gesetzt haben, werde der Verlust jedoch niemals ins Vergessen geraten. Brunner hält es für wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass nicht alle Schwangerschaften so glücklich verlaufen, wie es etwa Medien suggerierten. „Wahrscheinlich gibt es viel mehr Fehlgeburten, als man erfährt“, sagt sie.

Im Hinblick auf die vielen jungen Familien in Duisdorf und das lebhafte Treiben im Joki-Familienhaus, möchte die Vikarin Betroffene dazu ermutigen, auch über das Thema Sternenkinder zu sprechen. Konkret benennt sie den Fall einer jungen Frau, die sich mit ihrem Partner sehnlichst ein Kind gewünscht hatte, was sie jedoch schon in einem sehr frühen Stadium ihrer Schwangerschaft verlor. Zu dem Zeitpunkt sei weder eine Klinik eingebunden gewesen, noch habe eine Ärztin oder ein Arzt davon Kenntnis gehabt, um ihr Hilfe anbieten zu können. So gebe es oft Situationen, mit denen die Mütter oder Paare alleine zurechtkommen müssten. Da gebe es wenig Möglichkeit für eine Trauerhilfe.

Bis 2013 keine Bestattungen von Fehlgeburten

Bis in das Jahr 2013 hinein habe es für Kinder, die noch keine 500 Gramm wogen, auch keine Bestattung gegeben, weiß Brunner. Offiziell galten diese Kinder als Fehlgeburt und waren juristisch gesehen noch nicht als Person anerkannt – und mussten somit auch nicht beerdigt werden. Damit fehlte auch ein Ort der Trauer. Dabei spielt das Gewicht ihres verstorbenen Kindes für betroffene Eltern am wenigsten eine Rolle. Der Verlust wiegt immer schwer. Brunner wird deutlich: „Früher sind Ausschabungen nur als Zellhaufen bezeichnet worden und im Klinikmüll gelandet.“ Für die Außenstehenden war in diesem Zustand noch kein Mensch existent. Darum sei man auch mit der Trauer anders umgegangen, als bei einem „normalen“ Sterbefall. „Heute gibt es viele Akteure, die sich darum bemühen, das Thema Sternenkinder nicht am Rand stehenzulassen“, sagt Brunner.

Die Vikarin möchte mit dem Angebot ihrer Online-Gedenkfeier und der Gesprächsmöglichkeit, die sie darüber hinaus anbietet, den Angehörigen von Sternenkinder Mut aussprechen: „Ich möchte einfach nur sagen, dass darum getrauert werden darf.“ Sie weiß, dass die Trauer um ein Sternenkind in unterschiedlichen Lebensphasen immer wiederkehren kann. „Manchmal ist es auf einmal auch nach Jahren wieder ganz schwer“, sagt sie, „obwohl vieles auch wieder gut ist.“ Für diese tiefe Empfindung müssten die Frauen das Kind nicht einmal gesehen oder dessen ersten Tritte im Bauch gespürt haben. Oft fühlten sich die Mütter sogar schuldig, glaubten für den Tod ihres Kindes verantwortlich zu sein. Dann sei es gut, darüber sprechen zu können. Oft erfahre man dann, wenn man sich öffne, auch von anderen Frauen, dass man nicht alleine ist. Plötzlich begreife man, dass frühe Fehlgeburten auch im Freundes- oder Bekanntenkreis nicht selten sind. „Wir reden als Frauen nicht viel darüber“, so Brunner. Aber es mache die Frauen als Gruppe betrachtet nur stärker, in dem sie ihre Erfahrungen austauschten. „Es passiert“, sagt sie. Und dann dürfe es auch weh tun.

Einen Link zum Gedenkgottesdienst gibt es auf der Internetseite der Johanneskirchengemeinde: www.johanniskirche.de. Anfragen für Gespräche nimmt Petra Brunner per E-Mail an petra.brunner@ekir.de oder unter ☎ 01 60/99 42 77 29 entgegen.