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Rita Maiburg - Bonn: Straße in Lengsdorf wird nach verstorbener Pilotin benannt

Straßennamen in Bonn : Straße in Lengsdorf wird nach verstorbener Pilotin benannt

Rita Maiburg war die erste deutsche Linienflugkapitänin, bis sie bei einem Unfall ums Leben kam. Nach einigen politischen Auseinandersetzungen ist nach ihr nun eine Nebenstraße in Lengsdorf benannt.

Nun ist es offiziell: Das Bonner Straßenverzeichnis listet seit wenigen Tagen eine weitere Straße mit weiblicher Namensgeberin auf. Eine abgelegene Lengsdorfer Zufahrtsstraße, abgehend von der Straße „Im Pesch“, trägt nun die Bezeichnung „Rita-Maiburg-Straße“. Benannt wurde sie nach der ersten Linienflugkapitänin weltweit. Einziger direkter Anlieger ist der Tennisclub „TC Grün-Weiß Am Kreuzberg“, der von nun an unter der Adresse Rita-Maiburg-Straße 50 zu finden ist.

Bei der Enthüllung des Straßenschildes waren unter anderem der Hardtberger Bezirksbürgermeister Christian Trützler, die Sport- und Kulturdezernentin Birgit Schneider-Bönninger sowie die Autorin Christine Drews anwesend. Letztere hat kürzlich unter dem Titel „Freiflug“ einen Roman veröffentlicht, in dem sie Maiburgs Ringen um Gleichberechtigung im Deutschland der 70er Jahre nachzeichnet. Drews zufolge sei ihr die Idee zum Buch gekommen, als sie erfuhr, dass durchschnittlich nur drei Prozent aller Straßen in Deutschland nach Frauen benannt seien. „Mit dieser hier werden es jetzt 3,0001 Prozent sein“, scherzte daraufhin Trützler.

Vorausgegangen war ein Antrag seitens des Tennisvereins, der bisher namenlosen Zufahrtsstraße zu den Sportplätzen eine offizielle Bezeichnung zu geben. Insbesondere um ein schnelles Auffinden in Not- und Rettungssituationen zu gewährleisten. „Endlich haben wir aber auch eine Navi-fähige Adresse“, freute sich sodann der zweite Vereinsvorsitzende Bernd Martinius, nachdem Christian Trützler das Schild enthüllt hatte. „Besonders für Ortskundige war es bislang schwierig, unsere Anlagen zu finden. Nun wird’s leicht, zumal es die einzige Adresse der Straße ist“, stellte Martinius fest. Der Umstand, dass die geforderte Straße nun nach einer Frau benannt wurde, ist für den Gesamtschullehrer nach anfänglicher Überraschung „mehr als passend und angemessen“, wie er sagt.

Grund für die Überraschung war die zwischenzeitliche Änderung der Straßenbezeichnung, die zuvor vom Bauordnungsamt vorgeschlagen und von der Bezirksvertretung Hardtberg übernommen wurde. In Anlehnung an einen historischen Flurnamen sollte die Straße anfänglich „In der Ellenmaar“ heißen, bevor im Hauptausschuss die gebürtige Bonnerin Maiburg schließlich zur Straßenpatronin auserkoren wurde. Den Namen hatten die Ratsfraktionen Bündnis 90/Grüne, SPD und Volt aus der Straßenbenennungsliste des Bauordnungsamtes entnommen und vorgeschlagen. Anfang März wurde der Änderungsantrag im Hauptausschuss mehrheitlich beschlossen. Kritische Stimmen aus der CDU- sowie der FDP-Fraktion bemängelten dabei formale Fehler im Beschlussverfahren. So sahen Guido Déus (CDU) und Werner Hümmrich (FDP) „Eingriffe in die Beschlusskompetenz der Bezirksvertretung“.  Dabei war es ein Antrag aus der Hardtberger Bezirksvertretung selbst gewesen, der Anfang 2020 die Grundlage für die Aufnahme des Namens „Rita Maiburg“ in die Straßenbenennungsliste bildete. Damals stellten die Bezirksfraktionen von CDU und Grünen gemeinsam diesbezüglich einen von der Vertretung anschließend einstimmig beschlossenen Antrag. „Letztendlich ist es der Hauptausschuss, der entscheidet. Und der hat richtig entschieden“, bemerkte Bezirksbürgermeister Trützler. Trotz formaler Streitigkeiten sei man sich sowohl im Rat als auch in der Bezirksvertretung in der Sache parteiübergreifend einig, dass Frauen bei der Straßenbenennung unterrepräsentiert seien.

Seine Partei strebe bei künftigen Straßenbenennungen „eine Quotierung an“. Auch Dezernentin Schneider-Bönninger wies darauf hin, dass diesbezüglich „ganz viel passieren“ werde und man in der Verwaltung bereits ein Portfolio angelegt habe. „Die nächsten neuen Straßennamen werden mit großer Sicherheit Frauennamen tragen“, so Schneider-Bönninger. Dies sei wichtig für eine „aktive Erinnerungskultur“. „Errungenschaften und Leistungen von Frauen müssen in der Gesellschaft stärker gewürdigt werden“, so Trützler. Rita Maiburg sei, gerade auch mit ihrem Bezug zu Bonn, eine wichtige Wahl. Dabei ist die Geburtsstadt der Pilotin gar nicht die erste Gemeinde mit einer nach Maiburg benannten Straße. Mehrere Städte, unter anderem Köln und Frankfurt, würdigten bereits zuvor die „tapfere und aufopferungsvolle Frau“, wie sie Christiane Drews beschrieb. „In einer Zeit, in der es hieß, dass Frauen zu hysterisch wären und nicht klar genug denken könnten, um Pilotin zu sein, hat sie für ihr Recht gekämpft und schließlich auch gewonnen“, so Drews.