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Rochusstraße in Bonn-Duisdorf - Frische Ideen für eine Belebung der Fußgängerzone

Geschäftsstraße in Duisdorf : Frische Ideen für eine Belebung der Rochusstraße

Die Erwartungen an das neue Zentrenmanagement sind groß. Gewerbetreibende und Politiker wollen schnelle Hilfe für den Patienten Rochusstraße. In erster Linie geht es um Ideen gegen Leerstand und die Verbesserungn des Erscheinungsbilds.

Die Zeit läuft für das Zentrenmanagement auf der Rochusstraße. Wie berichtet, hat die Fußgängerzone unter den Corona-Auswirkungen gelitten – und auch Probleme verschärft, die bereits zuvor bestanden. Mit einem NRW-Förderprogramm, das die städtische Wirtschaftsförderung beantragt hatte, stehen für die Stadtteilzentren Duisdorf, Bad Godesberg und Beuel jeweils rund 100.000 Euro für ein Zentrenmanagement zur Verfügung (der GA berichtete). Die Förderdauer endet aber bereits mit Ablauf 2022. Anfang Juli hat sich das beauftragte Beratungsbüro bei einer Auftaktveranstaltung in Hardtberg vorgestellt. In der Runde waren das Stadtplanungsamt, das Amt für Wirtschaftsförderung, Politiker und Mitglieder der Werbegemeinschaft WGH.

Zwei Punkte hat die federführende Ansprechpartnerin Sophie Büchner vom Beratungsbüro Sven Fries zum Start herausgestellt. Wichtig sei ihr die Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort. Und Punkt zwei: öffentliche Räume als Aufenthaltsräume zu gestalten. Der relativ kurze Förderzeitraum setzt voraus, dass rasch konkrete Schritte entwickelt werden. Das ist allen bewusst, daher kam die Gesprächsrunde schnell zur Sache: Welche Themen und Handlungsbedarfe werden in der Fußgängerzone gesehen? Per Abstimmungsbarometer ergab sich eine Prioritätenliste. Auf Platz eins kam das Ziel, die Leerstände zu beleben. Platz zwei ist die Verbesserung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, dritter Punkt die Verbesserung des Erscheinungsbildes. Dann folgen unter anderem Erreichbarkeit der Fußgängerzone, Vernetzung der Akteure und Digitalisierung.

Mehr inhabergeführter, keiner Einzelhandel erwünscht

Um das Problem leerstehender Läden einordnen zu können, wurde angeregt, die Ursachen abzufragen. Bei Recherchen des General-Anzeigers auf der Rochusstraße hatte sich beispielsweise herausgestellt, dass sich Mietvorstellungen der Eigentümer teils nicht mit den Umsatzerwartungen der möglichen Mieter decken. Außerdem spielen die Konkurrenz benachbarter großer Einkaufszentren, aber auch der wachsende Online-Handel eine Rolle. Von Akteuren vor Ort werden zudem Erreichbarkeit der Fußgängerzone und Verknappung des Parkraums als Ursache gesehen, die der Einkaufsstraße Attraktivität nähmen. Erste Wünsche und Vorschläge von Politikern und Gewerbetreibenden in der Auftaktveranstaltung stehen jetzt auf der Liste. Ziel soll ein qualitätsvolles und vielfältiges Angebot in der Fußgängerzone sein – mehr inhabergeführter, kleiner Einzelhandel. Positiv bewertet wird der Wochenmarkt, der Frequenz auf die Rochusstraße bringt, und dessen Angebot ausbaufähig wäre. Seitens des Zentrenmanagements wurde auch abgefragt, ob Bedarf an zusätzlichen konkreten Aktionen oder saisonalen Festen besteht. Die Mehrheit votierte dafür.

Ohnehin soll es im Rahmen des Förderprojekts nicht nur um Einkaufen und Konsum gehen, sondern auch um die Frage, wie Stadtbild und Aufenthaltsangebot attraktiver gestaltet werden können. Gewünscht sind beispielsweise bauliche Veränderungen wie eine durchgehende Barrierefreiheit der Rochusstraße – und eine neue Pflasterung. Der General-Anzeiger hat in der Vergangenheit mehrfach darüber berichtet, dass der Belag auf der Einkaufsmeile im Laufe der Jahre immer mehr Unebenheiten und Stolperfallen aufweist. Vor zwei Jahren wurde für rund 200.000 Euro das Nötigste wieder in Stand gesetzt. Ein neues Pflaster ist jedoch ein längerfristiges Projekt, auch wegen der Finanzierung, das keinesfalls in dem kurzen Förderzeitraum umsetzbar wäre.

SPD sieht ein Hauptproblem, Grüne erwarten Denkanstöße für langfristige Perspektive

Dass wenig Zeit für die Zentrenmanagerin bleibt, um nachhaltige Impulse zu setzen, sieht SPD-Sprecher Dominik Loosen als ein Hauptproblem. „Und eigentlich ist es auch zu wenig Geld. Aber die Ansätze sind gut. Ich bin gespannt auf das Ergebnis.“ Von der städtischen Wirtschaftsförderung, die das Projekt begleitet, erwarte er weitere Impulse und flankierende Maßnahmen – beispielweise durch Verhandlungen mit den Eigentümern von leerstehenden Geschäften.

Den Blick von außen hält Grünen-Sprecherin Jutta Brodhäcker für einen guten Ansatz für neue Lösungen. „Es sollen Defizite, aber auch Stärken des Duisdorfer Zentrums identifiziert werden. Wo gibt es Punkte, die kurzfristig angegangen werden können?“ Sie erwarte aber auch Denkanstöße für eine langfristige Perspektive. „Es gibt bereits Vorschläge zur Belebung der Fußgängerzone wie Bürgerzentrum und Repair-Café. Das Zentrenmanagement soll uns Wege aufzeigen, wie diese Ideen umgesetzt werden können.“ Hilfreich sei auch die Moderation des Zentrenmanagements, damit alle Akteure miteinander ins Gespräch kommen.