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15-jähriges Bestehen: Schatzinsel in Bonn bietet mehr als nur gebrauchte Waren

15-jähriges Bestehen : Schatzinsel in Bonn bietet mehr als nur gebrauchte Waren

Die „Schatzinsel“ in Auerberg feiert ihr 15-jähriges Bestehen. Aus ganz verschiedenen Gründen handelt es sich um eine wichtige soziale Einrichtung, die Menschen zusammenbringt.

Das Beste an der „Schatzkiste“ der SKM Aufbruch gGmbH in Auerberg ist für Pascal Hähnle der Kreislauf, den die Sachen im Gebrauchtwarenkaufhaus an der Kölnstraße gehen: „Weg von der Wegwerfgesellschaft.“ Seit nunmehr 15 Jahren gibt es die Einrichtung, sieben Jahre davon hat der frühere Langzeitarbeitslose miterlebt. „Hier gibt es Sachen, die andere Leute glücklich machen können“, sagt er. Er erinnere sich an viele Kunden „mit strahlenden Augen, wenn sie einen Schatz gefunden haben“.

Er ist selber auch glücklich dort. „Ich gehe hier nicht mehr weg“, sagte er in Richtung des Kaufhausleiters Reinhard Tetenborg. Der hatte am Vormittag Besuch von der Oberbürgermeisterin. Katja Dörner wollte sich in der Festwoche, die die Schatzinsel anlässlich ihres runden Geburtstages bis Samstag mit Kinderschminkaktionen, Klaviermusik und einem 20-Prozent-Rabatt auf alle Gebrauchtwaren feiert, dort mal umsehen. Bereits vergangene Woche wurde gefeiert, und zwar das Zehnjährige der Schatzinsel in der Villichgasse in Bad Godesberg (der GA berichtete).

Dörner ließ sich herumführen und vieles erklären, etwa dass alle Geräte in der Elektroabteilung vor Verkauf getestet werden, dass jedes Produkt von den Mitarbeitern mindestens einmal in die Hand genommen und in Sortierstuben – eine für Kleidung, eine für Haushalts- und Spielwaren – überprüft wird und dass nur in Ausnahmefällen gebrauchte Matratzen entgegengenommen werden. Sie erfuhr, dass Menschen mit Bonn-Ausweis, Studenten und Senioren Rabatte erhalten, und dass es dort auch Kulturveranstaltungen gibt, die, so Tetenborgs Hoffnung, nach der Corona-Zwangspause im September wieder starten können. Dörner lobte die Schatzkiste als „ganz wichtiges Angebot“ in dreierlei Hinsicht: Sie helfe Langzeitarbeitslosen, biete Menschen mit wenig Geld eine Anlaufstelle und sei ein nachhaltiges Projekt.

Die Mitarbeiter sind dabei nicht nur Verkäufer, sondern bieten der Kundschaft bei Bedarf auch ein offenes Ohr. „Wenn Eltern oder Lebenspartner sterben und Sachen hier abgeben zum Beispiel“, erzählte Adriane Grotkowski, seit vier Jahren in der Schatzkiste. „Wenn die erzählen, hört man zu, und das ist schon berührend.“ Ebenso wie die Freude der Menschen über Fundstücke, etwa ein Teil von einem alten Gedeck, das ihnen fehlte. „Sie sagen oft, sie haben so lange danach gesucht.“

Zur Schatzkiste kann man allerlei Dinge bringen, die man nicht mehr braucht, solange sie noch in Ordnung sind. Aktuell sind laut Tetenborg Kleidung, Haushaltswaren und Möbel besonders gefragt, kurz nach der Flutkatastrophe waren es auch Elektrogroßgeräte. Auch Haushaltsauflösungen werden dorthin gebracht und im Keller im 1500 Quadratmeter großen Lagerbereich verstaut. Da komme auch schon mal Kurioses herein, erzählte Mitarbeiter Frank Weber, etwa mehrere Kartons mit einer Manga-Comicsammlung. „Das kriegt man hier nicht so gut an den Mann.“ Oder eine Schallplattensammlung mit Raritäten. Der alte Handpflug dagegen, der mal geliefert wurde und zwar funktionstüchtig, aber doch eher ein Deko-Stück war, der war schon nach einem Tag verkauft, erinnerte er sich.

Infos auf www.schatzinsel-bonn.de.