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Förderverein "Gewaltfrei Lernen": Schüler der Derletalschule lernen, "Stopp" zu sagen

Förderverein "Gewaltfrei Lernen" : Schüler der Derletalschule lernen, "Stopp" zu sagen

Luca macht es genau richtig: Er stellt einen Fuß nach vorne, hebt die geöffnete Hand in Brusthöhe, blickt seinem Gegenüber tief in die Augen und sagt laut und deutlich: "Stopp, das möchte ich nicht."

Robert Blaese ist zufrieden und applaudiert. "Perfekt", lobt er den Schüler der 4b der Derletalschule. Drei Wochen lang trainiert der Sportwissenschaftler und Konflikttrainer vom Förderverein "Gewaltfrei Lernen" mit den Kindern der städtischen Förderschule in Duisdorf.

Körperliche Übergriffe, Beleidigungen, Provokationen und Schikanen sind auch in Grundschulen keine Seltenheit mehr. Der Verein "Gewaltfrei Lernen" macht Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Übungen und Rollenspielen stark, damit sie sich besser gegen verbale und körperliche Gewalt wehren können.

"Wir wollen unsere Schüler mit diesem Programm vor allem selbstbewusst machen", erklärte Uschi Schroeder-Burghoff, stellvertretende Schulleiterin. "Sie sollen selbstsicher werden, damit sie wissen, wie sie sich in einer Konfliktsituation richtig verhalten", ergänzte Lehrer Simeon Hermann, der dafür gesorgt hatte, dass das Team "Gewaltfrei Lernen" nach Duisdorf gekommen war. Erstmals überhaupt wurde dieses Trainingskonzept in Nordrhein-Westfalen an einer Förderschule angeboten.

Doch nicht allein Rollenspiele gehören zum Unterricht von Konflikttrainer Robert Blaese. "Habt ihr alle eure Hausaufgaben gemacht?", fragte er vor Unterrichtsbeginn und kontrollierte die acht Jungs. In einer Reihe aufgestellt demonstrierten sie, was sie geübt hatten. "Zeigt mir mal, wie eure bärenstarke Abwehrhaltung aussieht", forderte er die Schüler auf. Sofort stellten sich alle gerade hin, zogen die Schulterblätter nach hinten und machten sich groß. "So signalisiert ihr jedem, dass man euch nicht ärgern kann, sondern dass ihr stark seid", lobte Robert Blaese.

Doch wenn auch diese "bärenstarke Abwehrhaltung" nichts bringe, dann "müsst ihr euch Hilfe bei einem Erwachsenen holen", appellierte der Konflikttrainer an die Schüler. "Aber das ist doch petzen", meinte Israel. "Nein, nein. Hilfe holen ist nicht petzen, sondern Hilfe holen ist schlau", gibt Blaese den Jungs mit auf den Weg.

Uschi Schroeder-Burghoff verfolgte derweil aufmerksam das Training in der Turnhalle. "Ich bin ganz begeistert, wie die Kinder sich in den verschiedenen Situationen behaupten", freute sie sich und applaudierte kräftig.

Wie gut sich die Derletalschüler bereits wehren können, davon überzeugten sich auch Peter Goeke von der Sparda-Bank und Hubertus Lilienthal vom Förderverein der Schule. Beide unterstützen die Aktion finanziell.

Die Derletalschule

Die Derletalschule ist eine städtische Schule für Kinder mit emotionalem und sozialem Förderbedarf. In ihr werden Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 6 unterrichtet, gefördert und begleitet. Aktuell besuchen rund 100 Kinder von sieben bis zwölf Jahren die Einrichtung an der René-Schickele-Straße. Sie werden von 27 Lehrern betreut