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Möglichkeit der Außenlandung: Segelflieger landen im Meßdorfer Feld

Möglichkeit der Außenlandung : Segelflieger landen im Meßdorfer Feld

Wenn die Thermik ausbleibt, wird das Meßdorfer Feld in Bonn gerade zur jetzigen Jahreszeit für Segelflieger zur Landebahn - zuletzt am vergangenen Samstag. Dort ist das Risiko für die Piloten gering, weil es weder Zäune noch Bäume gibt.

Der Liederbarde Reinhard Mey hat einst gesungen: „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.“ Für Segelflieger gilt dieser Satz offenbar nicht. Sie haben in luftiger Höhe Entscheidungen zu treffen. Am vergangenen Samstag entschieden zwei Piloten, die über Bonn ihre Kreise zogen, dass sie ihre Flugzeuge nicht mehr bis zum Startflugplatz in Sankt Augustin Hangelar werden steuern können und fassten den Entschluss, im Meßdorfer Feld zu landen. Von einer Notlandung sei in diesen Fällen nicht zu sprechen, „sondern von einer Außenlandung“, wie Bernhard Rüb von der Fliegergemeinschaft Hangelar am Montag erklärte.

Wohl aber seien solche Außenlandungen, die in der Ausbildung trainiert würden, nicht geplant. „Segelflieger sind auf die Thermik angewiesen, um in der Luft zu bleiben“, sagte Rüb. Sie gibt den Tragflächen Auftrieb. Im Grunde hätten die Kumulus-Wolken (unten flach, oben blumenkohlartig), die am Samstag am Himmel zu sehen gewesen sein, eine gute Wetterlage für einen Ausflug prognostiziert. Andererseits sei es windig gewesen. Der Wind könne die Thermik umwälzen und bewegen. Für die Piloten werde es unter solchen Umständen schwierig. „Trotz Messgeräten im Cockpit müssen sie die Thermik fühlen und erahnen.“ Wie Rüb ausführte, suchten die Piloten zeitig einen geeigneten Landeplatz, wenn sie merken, dass sie an Höhe verlieren.

Flieger hinterlassen nur selten Flurschäden

Das Meßdorfer Feld im Linksrheinischen ist gerade zur jetzigen Jahreszeit gut geeignet, um die Flugzeuge sicher herunterzubringen. Die Landwirte haben die Ernte eingeholt. Oberlandleitungen gibt es ebensowenig wie Zäune. Die Rheinaue sei problematisch, weil zu viele Menschen unterwegs seien, sagte Rüb. Waldränder seien ebenfalls schwierig, vereinzelt stehende Bäume seien aus der Luft schlecht erkennbar.

Laut Rüb und Jürgen Unterberg, Betriebsleiter des Flugplatzes Hangelar, hinterlassen die recht leichten Segelflieger bei ihren Landungen auf freien Feldern nur in seltenen Fällen Flurschäden. Sollte etwas passieren, übernehmen die Versicherungen der Vereine, die in der Fluggemeinschaft zusammengeschlossen sind, den Schadensersatz. „Auch die Flugzeuge nehmen in der Regel keinen Schaden, manchmal bekommt die Fahrwerksklappe etwas ab“, sagt Unterberg.

Die Segler verfügen über ein stabiles Fahrwerk und eine Bremse. Wenn die Flugzeuge mit etwa 70 Stundenkilometer anfliegen, betrage der Bremsweg am Boden etwa 50 Meter, so Rüb. Und dann sitzen die Piloten im Meßdorfer Feld mit ihren Maschinen und warten. Stets werde ein Abholbeauftragter vor dem Start benannt, der bei Außenlandungen mit Wagen und Anhänger vorbeikommt. Das Auseinanderbauen der Leichtflugzeuge, die Abnahme der Tragflächen, dauere in der Regel nicht viel länger als eine Viertelstunde.