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Angebot des Nachbarschaftszentrums: Senioren begegnen sich im Internet

Angebot des Nachbarschaftszentrums : Senioren begegnen sich im Internet

Wegen des anhaltenden Lockdowns geben immer mehr Ehrenamtler des Nachbarschaftszentrums Brüser Berg ihre Kurse per Video-Konferenz.

Ein Rechteck nach dem anderen erscheint auf dem Bildschirm, aus dem ein weiteres Gesicht blickt: Neben dem von Andrea Hillebrand, Pressesprecherin des Diakonischen Werkes Bonn und Region, und von Gieslint Grenz, Leiterin des Nachbarschaftszentrums Brüser Berg, sind es die Gesichter dreier Seniorinnen, die bei einer Zoom-Konferenz über ihre digitalen Erfolge berichten wollen. Sie alle sind schon lange ehrenamtliche Mitarbeiter des Nachbarschaftszentrums und haben ihre Berührungsängste mit den Videokonferenzen abgelegt, um endlich wieder die Begegnungen mit den anderen Senioren in der Nachbarschaft so gut es geht fortzuführen.

Die 78-jährige Karla Hoppe hat gerade erst eine eineinhalb-stündige Videokonferenz über die Plattform Zoom beendet. Ihre Englischkurse, die sie sonst immer persönlich im Nachbarschafszentrum gehalten hat, führt sie nun digital fort. Ihre Kursteilnehmer sind ebenfalls Senioren – ab 65 Jahren aufwärts. Der Kurs sei noch etwas chaotisch gewesen, berichtet Hoppe. „Viele hatten das Mikrophon nicht an, andere konnten mich wiederum nicht hören und dann habe ich auch nicht alle auf meinem Bildschirm sehen können. Ich musste erst einmal herausfinden, dass ich den Bildschirm zur Seite bewegen kann, um auch die anderen Kursteilnehmer zu sehen“, berichtet die Seniorin von den gerade erst durchlebten Schwierigkeiten. Es seien eben Kleinigkeiten, mit denen sie nicht gerechnet habe.

Doch damit muss Hoppe nicht alleine fertig werden. Unterstützt wird sie von den hauptamtlichen Mitarbeitern des Nachbarschaftszentrums, die ihre Ehrenamtler nun nach und nach an die Zoom-Konferenzen heranführen. „Auch wir waren Laien“, erklärt Gieslint Grenz. „Doch wir haben vor allem im zweiten Lockdown gemerkt, wie groß das Bedürfnis der Menschen ist, die unser Nachbarschaftszentrum besucht haben, sich zu sehen.“ Das Diakonische Werk hat das Zoom-Portal zur Verfügung gestellt. Einen ersten Versuch mit diesem Portal wollten die Mitarbeiter bei einem digitalen Adventstreffen wagen und sind dabei wie Karla Hoppe auf einige Schwierigkeiten gestoßen. Grenz erinnert sich: „Die Hälfte hat es nicht geschafft, sich einzuwählen.“ Die Hauptamtler machten danach eine Fortbildung und nun bilden sie wiederum ihre Ehrenamtler fort.

Hoppe erinnert sich: „Als ich das ganze am Anfang privat ausprobiert habe, habe ich nur Störgeräusche gehört. Ich war frustriert und wollte aufgeben.“ Doch die Routine stellte sich so langsam ein und nun nutzt sie Zoom sogar schon privat. Hoppe hat ihre Enkelin motiviert, sich mit ihr per Videokonferenz zu treffen. Auch der 67-jährigen Inge Kuhlmann kam die Handhabung von Zoom am Anfang „ein wenig spanisch vor“, wie sie es ausdrückt. Sie betreut nun Grundschulkinder per Videokonferenz bei den Hausaufgaben. Vor Corona konnte sie das noch persönlich machen. Nun ist sie froh, dass sie überhaupt wieder mit den Kindern arbeiten kann. „Natürlich ist es schöner von Angesicht zu Angesicht, doch so ist es besser als gar nicht“, sagt sie.

Erzähl-Café mit tollem Zulauf

Das sieht auch Lisa Räder so, die das Erzähl-Café im Nachbarschaftszentrum leitet. „Ich bin froh, dass wir die Videokonferenzen nutzen. Irgendwie müssen wir ja nach Lösungen suchen, wie wir die Zeit überstehen“, sagt die 70-Jährige. Das Erzähl-Café wird von vielen Senioren vermisst. Als es zwischen dem ersten und zweiten Lockdown wieder stattfinden konnte, kamen die Menschen trotz der strengen Maßnahmen gerne. Die digitale Fortführung der Kurse sehen die befragten Ehrenamtlichen vor allem als Überbrückung. Vergleichbar mit persönlichen Begegnungen seien sie nicht, sagen sie. Und Grenz weiß: „Es gibt immer noch viele Senioren, die sich nicht auf den digitalen Weg machen. Ihnen fehlt beispielsweise die technische Ausstattung.“ Um auch für sie da zu sein, hat das Nachbarschaftszentrum Flyer drucken lassen, auf denen sie auf ihre Gesprächszeiten hinweisen. Dann haben die Mitarbeiter auch persönlich ein offenes Ohr für diejenigen, die sich auf Videokonferenzen noch nicht einlassen können oder wollen.