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Jobvermittlung der evangelische Gemeinde in Duisdorf: So funktioniert die Taschengeldbörse der Johanniskirche

Jobvermittlung der evangelische Gemeinde in Duisdorf : So funktioniert die Taschengeldbörse der Johanniskirche

Die Evangelische Johanniskirchengemeinde Duisdorf vermittelt kleine Jobs. Mitglied der Gemeinde muss man nicht sein.

Mit ihrem Garten in Duisdorf haben sich Katrin Markus und ihr Mann ein zweites Wohnzimmer geschaffen. Zwischen Blüten und Sträuchern lässt sich hier gut die Seele baumeln. „Ich liebe meinen Garten, auch wenn er viel Arbeit macht“, sagt die 77-Jährige. Gerade an heißen Sommertage bräuchten die Pflanzen viel Wasser. Bei längeren Reisen wird das zum Problem, wie die Rentnerin schildert: „Wenn man mal zwei Wochen nicht zu Hause ist und die Sonne knallt, dann kann man anschließend die Pflanzen wegschmeißen.“ Die Taschengeldbörse, ein neues Projekt der Evangelische Johanniskirchengemeinde Duisdorf, bot dem Ehepaar Markus eine ideale Lösung.

„Die Taschengeldbörse ist eine kostenfreie Vermittlungsstelle, die eine gemeindeweite Nachbarschaftshilfe organisiert“, sagt Gemeindeschwester Evelin Heinle-Braun, die das Gemeindeprojekt gemeinsam mit Diakonin Henrike Westphal betreut. „Die Börse verbindet Seniorinnen und Senioren, die Hilfe bei einfachen, kleinen Arbeiten Hilfe benötigen, mit Jugendlichen, die Jobs suchen, um ihr Taschengeld aufzubessern. So werden Brücken zwischen beiden Seiten gebaut und Jung und Alt können voneinander profitieren“, so Heinle-Braun. Die Rede ist von gelegentlichen, einfachen und ungefährlichen Arbeiten wie Rasen mähen, Laub harken, Einkaufs- und Begleitdienste, Hund ausführen, Spaziergängen sowie der Hilfe am Computer oder Handy.

„Ich werde Laura zukünftig auch für weitere Hilfen beauftragen“

Während das Ehepaar Markus im Juni zehn Tage verreiste, goss Abiturientin Laura Menzel (19) täglich im Garten die Blumen. Nach ihrer Rückkehr seien die Markus sehr zufrieden mit der jungen Frau gewesen, betont die Rentnerin. „Ich werde Laura zukünftig auch für weitere Hilfen beauftragen.“ Menzel berichtet, dass sie für den Garten eine Stunde pro Tag benötigt habe. „Meist bin ich vormittags hingefahren. Der Garten ist sehr schön, ich habe mich hier direkt wohl gefühlt und hatte sehr viel Spaß“, sagt Menzel. Der Kontakt zu Markus sei durch Westphal entstanden, die Leiterin vom Joki-Jugendzentrum ist, und mit jungen Menschen in der Gemeinde arbeitet. „Ich hatte nach meinem Abitur viel Zeit und konnte nach ihrem Anruf direkt mitmachen“, berichtet Menzel. Die Bonnerin kann sich gut vorstellen, dass auch andere junge Menschen ihre Freude an dem Projekt finden werden. „Ich habe mich mit Frau Markus auf Anhieb gut verstanden und mich hier sehr wohl gefühlt.“ Beide Frauen haben sich bereits auf eine weitere, zukünftige Tätigkeit verständigt.

„Besonders schön ist es, junge Menschen über die Kirche vermittelt zu bekommen“, sagt Markus. „Auf die man sich dann auch verlassen kann und die nicht ganz fremd sind.“ Denn: „Man öffnet ja Tür und Tor – und dafür muss ein Vertrauensverhältnis vorhanden sein.“ Für Heinle-Braun ist das der wichtige Faktor. „Wir haben festgelegt, dass wir keine Menschen vermitteln, die wir nicht kennen“, sagt sie. Die Diakoninnen führten daher vor jeder Vermittlung Gespräche mit den Auftraggebern und Jugendlichen. „Wir schauen vorab, ob das passt und ob da eine Vertrauensbasis zustandekommt.“ Man sei koordinierend tätig.

Projekt richtet sich nicht nur an ältere Menschen

Dass das Projekt in Zukunft von vielen Senioren angenommen wird, da ist sich Markus sicher. „Es gibt viele Menschen im Ruhestand, die Hilfe im Haushalt oder Garten brauchen. Bei kleinen Handgriffen ruft man meist keinen Handwerker.“ Das Projekt solle sich nicht ausschließlich an ältere Menschen richten, sagt Heinle-Braun. „Altersunabhängig können mit kleinen Handreichungen auch Menschen unterstützt werden, die mal verreisen oder das Auto gewaschen haben wollen.“ Körperlich eingeschränkte Menschen seien ebenfalls willkommen. „Es kommt immer darauf an, was angefragt wird, und dann schauen wir, wie man die Lücke füllen kann.“ Ein Mitglied der evangelischen Kirchengemeinde sein, müsse man für die Teilnahme nicht. „Das Gleiche gilt für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen.“

Die Taschengeldbörse hatte Heinle-Braun erstmalig im Rahmen ihrer Arbeit als Sozialarbeiterin im Rhein-Sieg-Kreis kennengelernt. „Die Stadt Lohmar hat seit vielen Jahren gute Erfahrungen mit diesem Projekt gemacht. Es ist eine unkomplizierte Möglichkeit, Jung und Alt in einen Austausch zu bringen, und beide Seiten haben einen Gewinn davon“, sagt die Gemeindeschwester. Bisher habe die Gemeinde zwei Jobangebote erfolgreich vermitteln können. „Das Projekt wurde vor einem Monat aus dem Boden gestampft und wir sind noch in der Anfangsphase. Wir vermitteln keine meldepflichtigen Minijobs. Es geht um einfache ungefährliche Arbeiten, Jugendschutz und Datenschutz sind uns wichtig und wir achten darauf, dass diese eingehalten werden“, erklärt Heinle-Braun. Die Jobnehmer sollen mindestens sieben Euro pro Stunde bekommen. Alles darüber hinaus sollte zwischen den beiden Seiten klar abgesprochen werden.