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Haustürkonzerte und Spenden statt Kamelle: So wird diese Session Karneval auf dem Hardtberg gefeiert

Haustürkonzerte und Spenden statt Kamelle : So wird diese Session Karneval auf dem Hardtberg gefeiert

Auf dem Hardtberg ist es zur Karnevalszeit erschreckend still. Dennoch versuchen die Vereine und Karnevalisten, die Session so schön wie möglich zu gestalten.

Keine Sitzungen, keine Feste, keine Umzüge: Diese Session wird es auch auf dem Hardtberg keinen Karneval geben. Zumindest nicht so, wie man ihn gewohnt ist. Aber die Jecken haben sich Alternativen einfallen lassen, um die fünfte Jahreszeit zu zelebrieren: mit Ordensverleihungen auf Distanz, Haustürkonzerten und viel sozialem Engagement.

Als Wilfried Klein vor ein paar Tagen in seinen Kalender schaute, fiel ihm auf, dass in der Karnevalszeit ein großes Loch klafft. Ungewöhnlich für den Vorsitzenden des Karnevalsvereins Roter Stern Dransdorf. „Bis zuletzt hatte ich noch die Hoffnung: Wenn es besser wird, ziehen wir spontan mit dem Bollerwagen los“, sagt er am Telefon. Aber wegen der aktuellen Corona-Situation hat er sich auch von dieser Idee verabschiedet. „Die ganze Situation fühlt sich total unwirklich an“, sagt er. „Man könnte sich fast vorstellen, zu arbeiten.“

Wilfried Klein, Vorsitzender des Karnevalsvereins Roter Stern Dransdorf, und die übrigen Mitglieder wollen in diesem Jahr das Geld für Kamelle und Kostüme spenden. Foto: Benjamin Westhoff

Diesmal kein Straßen-Umzug

Normalerweise zieht er an Karneval mit den Mitgliedern seines Vereins durch die Straßen. Beim Zug sind auch immer wieder Freunde dabei, die aus Oxford oder Berlin anreisen. Es ist nicht nur Karneval, sondern auch ein freudiges Wiedersehen. Rund 50 Leute seien sie dann beim Umzug immer, sagt Klein. „Das fällt alles flach.“ Im vergangenen Jahr nahm der Verein beim Zug den Öffentlichen Nahverkehr aufs Korn – verkleidet mit orangen Warnwesten und Haltestellen-Schildern. Zu wissen, dass die Anhänger des Roten Sterns nicht gemeinsam durch Dransdorf ziehen und Spaß verbreiten werden, mache ihn traurig, sagt Klein. Der Verein habe sich entschieden, dieses Jahr auf andere Weise zu geben.

Für Wurfmaterial und Kostüme bezahlen die Mitglieder der Karnevalsgesellschaft in jeder Session zwischen 100 und 150 Euro. „Wir machen Karneval natürlich, weil er uns Spaß macht. Aber Karneval ist auch immer ein Geben. Jede und jeder soll daran teilhaben können. Nicht zuletzt die Kinder und Jugendlichen“, sagt Klein. Deswegen heißt es in dieser Session: „Knete statt Kamelle“. Der Verein hat sich dazu entschlossen, das Geld was er sonst in Kamelle und Kostüme steckt, in diesem Jahr zu spenden. „Alle haben gesagt: Es soll schon was in Dransdorf sein“, berichtet Klein. Also entschieden sie sich, den Stadtteilverein Dransdorf mit Geld für seine Kinder und Jugendarbeit zu unterstützen.

Ordensfest war digital

Bei Lutz Persch ist es still geworden. „Wirklich sehr still“, erzählt der Duisdorfer Funke. „Wir hätten eigentlich unseren Prinzenschoppen, aber auch Sitzungen. Wir würden uns alle ständig sehen.“ Stattdessen gibt es nun Whatsapp-Nachrichten und Zoom-Videokonferenzen. Das interne Ordensfest war komplett digital. „Die Menschen haben sich gefreut, aber es ist letztlich auch ätzend, nur vor dem Rechner zu sitzen“, sagt Persch. Wenn er davon erzählt, herrscht ein gewisser Frust. Die Funken hatten viele Ideen, die mit jeder Verschärfung der Corona-Maßnahmen immer schwieriger wurden. So wollten sie beispielsweise Kamelle verteilen, als Ersatz für einen Zug. „Aber das klappt nicht. Dabei können die Auflagen nicht eingehalten werden“, sagt er und zeigt Verständnis. Für die Funken blieb deshalb nur die Flucht nach vorn, ins Frühjahr oder den Sommer. Dann, so hofft Persch, hat sich die Situation wieder entspannt, und man könnte sich gut vorstellen, einige Feste nachzuholen.

Persch ist aber auch Unternehmer, der unter dem Namen „LuPe Events“ eine eigene Agentur betreibt. Auch da ist er einfallsreich. So gibt es in der Bäckerei um die Ecke einen „Clown zum Frühstück“ – Kaffee, Brötchen und jecke Accessoires. Seine neueste Idee sind Haustürkonzerte: Zunächst zog Musiker Willi Bellinghausen alleine umher, mittlerweile kann man auch andere Künstler buchen. „Die Auftritte funktionieren aktuell natürlich nur einzeln, eine ganze Band ist nicht machbar.“

Persch hat nun aber auch den Sänger Torben Klein engagiert, ebenso wie Franky Morawa von den drei Colonias. „Das werden wir noch weiter ausbauen.“ Die Nachfrage ist jedenfalls da: So habe bereits eine Wohnungsbaugesellschaft ein Haus­türkonzert für den Innenhof gebucht, aber auch Familien sind dabei. „In einer Reihenhaussiedlung können sich auch mehrere Haushalte zusammentun“, sagt er. Es müssten nur die Corona-Regeln eingehalten werden.

Auch Duisdorfer Damenkomitee plant um

Auch das Alte Duisdorfer Damenkomitee hatte als kleiner Verein viel vor, vor allem die Damensitzung in der Schmitthalle ist jede Session beliebt. „Als Alternative hatten wir uns eine Freiluftveranstaltung überlegt, dafür hätten wir viele Genehmigungen gebraucht. Und jetzt ist das sowieso hinfällig“, sagt Präsidentin Anne Düren. Die Damen wollten sich zumindest an Weiberfastnacht im kleinen Kreis in der schon gebuchten Halle treffen. „Dafür sind wir aber zu viele Haushalte.“

Düren empfindet die Session als traurig. Dabei macht sie sich auch Gedanken um die Leute, für die ausgefallene Veranstaltungen der Ruin bedeuten. „Unser Techniker, der uns immer begleitet, hat es nicht geschafft und sein Geschäft aufgegeben.“ Für die nächste Session müsse man sich deshalb spätestens im Sommer überlegen, wie man sich aufstellt. Klar ist für sie aber auch, dass umso ausgiebiger gefeiert wird, wenn es wieder geht. „Dann werde mir den Äsel op de Karr hevven“, sagt sie. Also den Esel auf den Karren heben. So, wie die Duisdorfer es gerne tun.