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Neuer Schützenkönig der Lengsdorfer Schießsportfreunde: Spannender Zweikampf um Gipsvögel

Neuer Schützenkönig der Lengsdorfer Schießsportfreunde : Spannender Zweikampf um Gipsvögel

Die Gipsvögel, auf die man am Samstag am Schießstand der Lengsdorfer Schießsportfreunde zielte, waren zäh. Die Schießwettbewerbe zogen sich lange hin. Ob die Munition reicht?

Immerhin, erzählte Joachim Stahl von den Duisdorfer Hubertusschützen, hätten ja die Schützen in Alfter-Nettekoven dieses Jahr die Erfahrung gemacht, dass 600 Patronen nicht genug waren - das Königsschießen erstreckte sich über zwei Tage. Willi Schröder, zweiter Vorsitzender der Schießsportfreunde, wiegelte ab: Das sei kein Problem. Er sollte recht behalten.

Schröder lieferte sich einen spannenden Zweikampf um die Königswürde mit Christoph Schada. Die versucht der Lengsdorfer Heimatvereinsvorsitzende schon lange zu erringen, bisher war er immer gescheitert. Auch in diesem Jahr musste sich Schada geschlagen geben: Der Rumpf fiel bei Schröders 28. Schuss. Der 69-jährige Ur-Lengsdorfer ist seit neun Jahren im Verein und jetzt zum ersten Mal Majestät. Ihm passt das gut in den Kram: In diesem Jahr feiern er und seine Frau Hildegard ihre jeweiligen 70. Geburtstage, "und nächstes Jahr haben wir Goldhochzeit". Da sei die Königswürde ein nettes Extra.

Bei dieser Gelegenheit verriet seine Frau, dass sie es irgendwie geahnt hatte: "Ich habe geträumt, ich werde wach und er ist König", sagte sie. Der Traum wurde wahr, und beide freuten sich sehr darüber.

Den Königsschuss konnten die Schützen im Raum unter dem Bürger- und Vereinshaus Lengsdorf im Detail miterleben. Ein simpler und pfiffiger Trick: Die Schießsportfreunde hatten einfach Kameras auf die Gipsvögel gerichtet, und so konnte jeder sehen, wo die Wettkämpfer die weiße Platte trafen. Und man konnte die Drähte sehen, die in den Gips eingeflochten waren. Wo die verliefen, wussten die Schützen vorher nicht - jeder Vogel war anders gestaltet.

Am späten Nachmittag war Daniel Wagner der erste, der einen Rumpf von der Platte schoss. Der 15-Jährige machte sich damit zum neuen Jugendprinzen. Seit zwei Jahren ist er Mitglied im Verein, das Schießen macht ihm Spaß, vor allem, wenn es zu so einem Titel führt. "Ich wollte das schon ein bisschen werden", sagte der Prinz, der das Hardtberg-Gymnasium besucht. Ob er auch im Verein bleibt und vielleicht irgendwann in Schröders Fußstapfen tritt, wusste er noch nicht. "Ich habe später in der Oberstufe wohl keine Zeit mehr", befürchtete er.

Die Bildschirme boten auch Gelegenheit, den Schießenden kluge Tipps zu geben: Wo richtet die Patrone den optimalen Schaden an? Eine solche Ansage machte Ralf Schneider seiner Frau Claudia beim Gastkönigschießen. Schützenvereine aus Duisdorf, Ippendorf, Poppelsdorf, Endenich sowie Bornheim-Brenig und -Roisdorf waren gekommen. Die Schneiders gehören letzterem an, er ist dort Schießmeister, beide waren 2004 schon Königspaar.

Seine Ansage war gut: Die 46-Jährige holte den letzten Rumpf des Tages vom Nagel. Sie freute sich über den Titel - und vor allem darüber, dass mit diesem keinerlei Verpflichtungen einhergehen. Sie, der König und der Prinz wurden gegen 22.30 Uhr im Vereinshaus gekrönt, zwei Stunden später als geplant, aber immerhin noch am gleichen Tag.