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St. Thomas Morus in Bonn: Corona macht Flüchtlingshilfe zu schaffen

Anlaufstelle fehlt : Corona macht Flüchtlingshilfe von St. Thomas Morus zu schaffen

Durch die Corona-Krise ist das Flüchtlingscafé der St. Thomas Morus Gemeinde seit März 2020 geschlossen. Für die Flüchtlinge fehlt dadurch eine wichtige Anlaufstelle – und der soziale Kontakt zu Deutschen.

Seit Beginn des ersten Lockdowns ist das Flüchtlingscafé im Pfarrsaal der Katholischen St. Thomas Morus Gemeinde geschlossen. Das Café wurde zuvor jede Woche von 40 bis 50 Erwachsenen und bis zu 30 Kindern besucht. Diese sozialen Kontakte finden seit März 2020 nicht mehr statt. Kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie wurde noch im Saal von St. Antonius Karneval gefeiert. Ein Foto vom 18. Februar 2020 zeigt den Besuch von Kinderprinzessin und Dreigestirn der Großen Dransdorfer Karnevals Gesellschaft (GDKG), der zum Höhepunkt des Nachmittags im Flüchtlingscafé wurde.

„Das Foto weckt viele schöne Erinnerungen“, sagt Diakon Ralf Knoblauch auf Anfrage des GA. „Ich glaube, dass es auch die vielen Ehrenamtlichen schmerzt, dass sie sich seit einem Jahr nicht mehr jeden Dienstag treffen und die drei Stunden mit den Geflüchteten verbringen können. Das tut mir auch persönlich sehr weh.“ Auch Anne und Alfons Kelz von der Flüchtlingshilfe der Gemeinde bedauern, dass sich seit dem ersten Lockdown alles geändert hat. „Persönliche Kontakte im Rahmen von Patenschaften finden nur noch vereinzelt statt. Einige der ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen versuchen seitdem, den Kontakt und die Hilfestellungen zu den Geflüchteten per Telefon, Whatsapp oder E-Mail aufrecht zu erhalten“, berichtet das Ehepaar.

Leben auf engstem Raum

Da viele Geflüchtete mit ihren Familien in Sozialwohnungen lebten, seien die Begleitumstände der Pandemie besonders spürbar. Man lebe dort meist auf engstem Raum und habe meist weder Garten, noch Balkon. Es fehle an der jetzt so notwendigen Technikausstattung und der Anleitung zum Homeschooling. Dass keine Sprachkurse und keine Sprachförderung mehr durch die Ehrenamtler stattfinden könnten, führe langfristig dazu, dass mühsam erlernte Deutschkenntnisse wieder verloren gingen. Auch seien Geflüchtete oft die ersten, die bei der aktuellen Arbeitsmarktsituation ihren Arbeitsplatz verlieren, so Kelz.

„Für die Geflüchteten in unserer Gemeinde hat das Café am Dienstag sehr viel bedeutet, weil damit auch ein Halt über die Jahre gewachsen ist. Damit wurde ihnen eine Struktur mit festem Zeitfenster in der Woche gegeben. Und es gab dabei die Gelegenheit, sich über Freuden, Sorgen und Nöte auszutauschen“, sagt Knoblauch.

Viele engagierte Menschen in Bonn

„Es gibt sehr engagierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Stabsstelle Integration der Stadt Bonn“, lässt Anne Kelz wissen. Auch berichtet sie von sehr vielen Menschen in Bonn, die sich um Geflüchtete kümmerten, „aber es sind längst nicht genügend.“ Die guten Unterstützungsmaßnahmen der Katholischen und Evangelischen Kirche, der Caritas, der Diakonie sowie vieler anderer Organisationen schafften im Allgemeinen ausgesprochen gute Rahmenbedingungen. Doch die vielfach von den Ehrenamtlern übernommenen Aktivitäten zur Integration geflüchteter Menschen finden aktuell nicht statt.

So entfallen unter anderem Informationsveranstaltungen über die Bundesrepublik und deren Institutionen, über das Grundgesetz sowie über das deutsche Schulsystem. Themen des Verbraucherschutzes, Hintergründe und Bedeutung deutscher Feiertage sowie des hiesigen Brauchtums, wie beispielsweise Karneval entfallen momentan genauso, wie Museums-, Theater- und Konzertbesuche, Stadtbesichtigungen oder Ausflüge in die nähere Umgebung.

Großes Fest mit Flüchtlingen geplant

„Viele der Geflüchteten und unsere ehrenamtlichen Helfer können es kaum erwarten, dass unser Café wieder öffnet und persönliche Begegnungen wieder möglich sind. Leider ist ein solcher Termin aktuell noch nicht in Sicht“, erklärt Kelz. Das Ehepaar steht in engem Kontakt mit dem Helferteam der Gemeinde, damit das Engagement nicht verloren geht.

„Sobald es die Pandemie zulässt, werden wir mit den Besuchern unseres Cafés ein Fest feiern oder gemeinsam zu einem Ausflug starten. Die Finanzierung wird gelingen, da uns eine Familie vor Weihnachten 300 Euro aus der Corona-Kindergeldsonderzahlung und die Duisdorfer Bäckerei Schell 1200 Euro aus dem Christstollenverkauf gespendet haben“, berichten die Flüchtlingshelfer und freuen sich darüber, dass vielen Menschen das Schicksal anderer offensichtlich nicht gleichgültig ist.