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Gefährlich für Mensch und Tier: Stadt Bonn sperrt wegen Eichenprozessionsspinner zwei Waldwege

Gefährlich für Mensch und Tier : Stadt Bonn sperrt wegen Eichenprozessionsspinner zwei Waldwege

Die Stadt Bonn sperrt zwei Waldwege, auf denen sie Nester des Eichenprozessionsspinners entdeckt hat. Die Raupen sind mit ihren Härchen für Menschen und Tiere gefährlich. Nun sollen die Nester so schnell wie möglich entfernt werden.

Eichenprozessionsspinner – genauer gesagt die Raupen des graubraunen Nachfalters – sind im Stadtwald gesichtet worden. Vor Berührung sei gewarnt. Auch wenn die Gespinstnester, die sie bauen, gruselig-interessant aussehen. Die Raupen sind mit giftigen Härchen gewappnet. Zwei Nester wurden jetzt entdeckt; daher hat die Verwaltung Spazierwege vorsorglich gesperrt.

Betroffen ist zum einen ein Waldweg am Abenteuerweg auf dem Hardtberg. „Eine Fachfirma wird das Nest schnellstmöglich entfernen“, sagt Andrea Schulte vom Presseamt. Das zweite Nest befinde sich in einem Privatwald auf dem Venusberg in der Nähe des Waldau-Parkplatzes. Die Stadtförster haben an den Absperrungen Schilder aufgestellt, um auf die Gesundheitsgefahr durch den Schädling hinzuweisen.

Akute Gefahr geht von der Raupe von Ende Mai bis September aus. „Ab der dritten Häutung ist sie mit über 600.000 Brennhaaren übersät“, erläutert Sabine Krömer-Butz von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. „Die mikroskopisch kleinen Härchen haben Widerhaken und brechen leicht. Ihr enthaltenes Nesselgift ist für Menschen und Tiere gefährlich.“ Bei Berührung kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Einem Juckreiz folgen oft Hautentzündungen. Sie reichen von lokalen Hautausschlägen bis zu Quaddeln am ganzen Körper, Bronchitis, Asthma, Schwindel, Fieber und schlimmstenfalls zum allergischen Schock. Häufig sind Reizungen der Schleimhäute der Augen und Atemwege. Gefahr besteht in abgeschwächter Form allerdings ganzjährig. Die Brennhaare werden beim Häuten abgestreift und können vom Wind verbreitet werden. Alte Gespinstnester sind ebenfalls das ganze Jahr über gefährlich.

Waldbesitzer haben einen weiteren Grund, die Eichenprozessionsspinner anzufeinden. Wie der Name schon sagt, ernähren sich die Raupen der nachtaktiven Schmetterlinge bevorzugt von jungem Eichenlaub. Ab Ende Mai gehen sie auf ihre typische prozessionsartige Wanderschaft, um an Bäumen Nester zu bauen. Die Fraßschäden werden schnell sichtbar. „Einmaligen Kahlfraß können die Laubbäume in der Regel kompensieren“, erläutert Krömer-Butz. Bei einer Häufung von Fraßjahren, verbunden mit Trockenheit, können die Eichen absterben.

In den vergangenen 20 Jahren hat die Populationsdichte der Eichenprozessionsspinner deutlich zugenommen. Anhand der Daten stellt Krömer-Butz fest, dass sie sich vor allem seit den extremen Sommern ausbreiten. „Am häufigsten betroffen sind öffentliche Bereiche wie Kindergärten, Schulen oder Parks. Auch Anwohner und Spaziergänger in betroffenen Waldgebieten, Besucher von Freizeitanlagen mit Eichenbaumbeständen und Brennholzabnehmer zählen zu den Risikogruppen“, sagt sie.

„In Bonn wurden in diesem Jahr außerhalb des Waldes an rund 30 Standorten im öffentlichen Raum Nester des Eichenprozessionsspinners gemeldet“, berichtet Schulte. „Die Baumkontrolleure des Amtes für Stadtgrün überprüfen die Hinweise umgehend und beauftragen bei bestätigtem Verdacht eine Fachfirma zum Entfernen der Nester.“ Auf die Frage, wie die Raupen konkret bekämpft werden, erklärt Krömer-Butz: „Aufgrund der Gefahr für Mensch, Hund und andere Tiere würden in den meisten Fällen Biozide eingesetzt. Punktuell könten die Raupen auch abgesaugt werden.“ An weiteren Abwehrmaßnahmen, vor allem für einzelne Bäume in Stadtgebieten, werde gearbeitet. Entdecken Spaziergänger ein Nest, sollten sie sich sofort von dem Baum entfernen“, rät sie. Nach dem Aufenthalt in Befallsgebieten sollten sie schnellstmöglich duschen und die Kleidung wechseln.