Tausende werden untersucht Studie am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn

Duisdorf · 10.000 Bonner wurden bereits im Zuge der Rheinland Studie des DZNE am Duisdorfer Standort auf Herz und Nieren untersucht. Noch einmal so viele sollen folgen, damit die Medizin in Zukunft bessere gesundheitliche Vorhersagen treffen kann.

 Ein Studienassistent macht hochauflösende Multicolor-Aufnahmen von Stefan Neumanns Augen, um Netzhaut und Blutgefäße beurteilen zu können.

Ein Studienassistent macht hochauflösende Multicolor-Aufnahmen von Stefan Neumanns Augen, um Netzhaut und Blutgefäße beurteilen zu können.

Foto: Stefan Knopp

„Ich bin gesund“, davon ist Stefan Neumann überzeugt. Der 55-Jährige aus Röttgen wird jedes Jahr auf Herz und Nieren getestet – für ihn als Bundeswehrpilot ist das Pflicht. Trotzdem macht er sich in seinem Alter langsam Gedanken um die Gesundheit, deshalb haben er und seine Frau die Einladung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) angenommen, an der Rheinland Studie teilzunehmen.

Sein erster Tag im Duisdorfer Zentrum war ein besonderer: Da war Presse, da überreichte die Oberbürgermeisterin ihm einen Blumenstrauß. Denn Neumann ist der 10.000. Mensch, der an dieser Studie teilnimmt.

Das ist aber nicht nur einfach eine runde Zahl: Ziel sind, laut Studienleiterin Monique Breteler, 20.000 Teilnehmende, sechs Jahre nach dem Start hat man jetzt die Hälfte erreicht. „Das ist ein besonderer Meilenstein für die Studie und damit für die Forschung“, sagte sie. Neumann stehe stellvertretend für alle, die sich dafür zur Verfügung stellen – immerhin für den Rest ihres Lebens. „Das ist nicht selbstverständlich“, fand auch OB Katja Dörner.

Für den neuen Probanden „schwingt auch ein bisschen Stolz mit“, sagte er, „ein kleiner Meilenstein für die Studie zu sein“. Er fühle sich gut aufgenommen. Ihm sei es wichtig gewesen, alles mit seiner Frau zusammen zu machen, damit beide über ihre Gesundheit Bescheid wissen und im Zweifelsfall schneller reagieren zu können.

Vorbeugen statt heilen

Die Studie soll ergründen, wie man besser vorbeugen kann, statt hinterher heilen zu müssen. „Wir erforschen, wie man im Erwachsenenleben möglichst lange körperlich und geistig gesund bleiben kann“, sagte Breteler, auch Direktorin für Populationsbezogene Forschung am DZNE. Es solle ein „Frühwarnsystem“ für Erkrankungen entwickelt werden. Da viele Erkrankungen auf mehrere Ursachen zurückzuführen seien, müsse man „den Menschen in seiner Gesamtheit betrachten“.

Dafür wird der Teilnehmende von Kopf bis Fuß untersucht. Neumann hatte an seinem ersten Tag nicht nur einen langen Fragebogen auszufüllen: Ihm wurde Blut angenommen, seine Augen wurden hochauflösend abgelichtet, er gab Stuhl- und Urinproben. Im weiteren Verlauf der Studienteilnahme wird sein Herzkreislauf untersucht, zum Beispiel die „Steifheit“ des Herzens. „Die Gefäße werden mit dem Alter steifer“, erklärte Breteler. Dadurch steige der Blutdruck – das sei also eine durchaus normale Begleiterscheinung des Alterns.

Zweite Untersuchungsrunde in Planung

Wenn Neumann dem zustimmt, kann er auch im MRT durchleuchtet werden – eine ganze Stunde muss er dafür in der Röhre verbringen. Aber ein Muss ist das nicht. Tests werden auch zum Gehör und Geruch sowie zur Sehfähigkeit gemacht, und es gibt kuriose Übungen wie den mit Sensoren gespickten Läufer, auf dem OB Dörner testweise mehrmals hin und her gehen sollte. Dabei wird gemessen, wie weit man die Füße beim Gehen setzt, wie gleichmäßig man geht und dergleichen. Mit dem Alter verändere sich das Gehen, sagte Breteler.

Das alles macht nur bei Langzeitbetrachtung Sinn: Neumann und seine Frau müssen regelmäßig wiederkommen und alle Übungen wiederholen. Parallel zur weiteren Akquise von Teilnehmern ab 30 Jahren aus dem Bonner Stadtgebiet beginnt deshalb ab Oktober die zweite Untersuchungsrunde, kündigte Breteler an.