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Wegekreuze in Bonn: Sühnekreuz für zwei verstorbene Kinder

Wegekreuze in Bonn : Sühnekreuz für zwei verstorbene Kinder

Das Steinmal an der Meßdorfer Straße ist restauriert. Der Standort geht auf eine Stiftung der Familie Rheindorf zurück - ein Andachtsplatz unter Linden, an der leider vielbefahrenen Straße. Lessenicher haben ein Auge auf Anlagen und Plätze und übernehmen die Pflege in Eigeninitiative für ein schönes Dorf.

Da kniet ein Mann vor dem Wegekreuz an der Meßdorfer Straße. Bei näherem Hinsehen ist er jedoch nicht ins Gebet vertieft, sondern in seine Arbeit. Mit Stolz berichtet der knieende Michael Pitack als erstes, dass er aus dem Steinmetzdorf Rieden in der Eifel kommt. Mit Lieferwagen und Werkzeug, denn sein Auftrag ist die Restaurierung des Wegekreuzes.

Das gut drei Meter hohe Steinmal mit Christusfigur und Inschrift war von Algen, Moos und Abgasen verschmutzt. „Keinesfalls darf man beim Säubern mit harten Mitteln rangehen“, sagt der Steinmetzmeister und Restaurator. Niederdruckgereinigt zeigt es wieder seine originale Farbe und der Sandstein eine glatte Oberfläche. Zum Beweis streicht Pitak mit der Hand über die Oberfläche. Bei seiner Arbeit sei trotz des steinharten Materials Behutsamkeit gefragt.

Den Restaurierungsauftrag hat Pitack vom Städtischen Gebäudemanagement. Denkmalschutz für das Kreuz am Standort Meßdorfer Straße/Burgweg besteht nach Auskunft des Presseamtes nicht. Instand gesetzt werde es mit Blick auf den historischen Wert. „Zielsetzung ist, neben dem Erhalt auch die historische Botschaft und den Charakter des schönen Sandsteinkreuzes für Pilger und Bürger zu erhalten“ erläutert Markus Schmitz. Die Restaurierungskosten belaufen sich auf rund 3100 Euro.

Rund 600 Wegekreuze und Bildstöcke stünden wohl in Bonn, schätzt Pitack. Eine ganze Reihe hat er im Laufe der Zeit wieder hergerichtet. Derzeit hat er beispielsweise auch das Cäsar-Denkmal am Beueler Rheinufer in Arbeit. In erster Linie gehe es immer darum, die Standfestigkeit zu prüfen. Luftverschmutzung und Feuchtigkeit greifen den Sockel an.

Wenig dokumentierte Historie

Beim rund zwei Tonnen schweren Wegekreuz an der Meßdorfer Straße/Burgweg sah die Sache erst schlimmer aus, als sie ist. „Das Kreuz steht fest“, berichtet Pitack dem Ortsausschussvorsitzenden von Lessenich-Meßdorf, Bruno Euskirchen. Allerdings war der Sockel aus Drachenfelser Trachyt, der übrigens auch im Kölner Dom verbaut wurde, stark beschädigt.

„Der Stein wird nicht mehr abgebaut“, erläutert Pitak, daher habe er als Ersatz Basalt aus seiner Heimat mitgebracht. „Schön“, findet Euskirchen. Er meint, dass es sich um ein Sühnekreuz für zwei verstorbene Kinder handelt, von der Familie Rheindorf gestiftet. Aus welcher Zeit? Euskirchen zuckt die Achseln. 19. Jahrhundert, schätzt Pitack. Die von der Familie initiierte Herz-Jesu-Prozession zieht heute noch jedes Jahr durch den Ort.

Wie viele Wegekreuze gibt es?

Letzter Akt der Restaurierung ist das Ausmalen des eingemeißelten Bibelverses oberhalb des Sockels. Pitak kniet. Taucht den Pinsel in das Töpfchen mit steingrauer Farbe und malt akribisch jeden Buchstaben aus. Euskirchen will von ihm wissen, ob auch die Blumenkübel wieder vor dem Wegekreuz aufgestellt werden können. Pitak sieht da kein Problem. Das beruhigt den Vorsitzenden. Denn im Dorf wurde erzählt, dass es wegen des Denkmalschutzes nicht mehr erlaubt sei.

Die Einheimischen an der westlichen Stadtgrenze zu Alfter fühlen sich manchmal stiefmütterlich behandelt von der Verwaltung. „Wenn wir nicht selbst die Initiative ergreifen, tut sich nichts“, meckert Euskirchen. Immerhin lässt die Stadt das Wegekreuz restaurieren. „Aber es gibt noch mehr davon“, wendet er ein. Wie viele es genau in Meßdorf sind, kann Euskirchen nicht sagen. Auch der Heimathistoriker Engelbert Kalkum „weiß zu wenig“.

Pflege in Eigeninitiative

Im Bonner Stadtarchiv finden sich auf GA-Nachfrage keine Unterlagen, die Auskunft geben könnten. Der Verweis auf die Denkmalschutzliste bringt auch nicht weiter. Dort ist lediglich der Bildstock von 1877 Gielsdorfer/Ecke Meßdorfer Straße aufgelistet. Ganz anders - beispielhaft - ist die Dokumentation der Wegekreuze in Beuel. Bei Wikipedia nachgeschlagen, sind allein für Beuel-Mitte neun Wegekreuze aufgeführt – mit Foto und Beschreibung.

Denkmalschutz hin oder her, für Hubert Chrysant sind es Wahrzeichen seiner Heimat, die in Ordnung gehalten werden müssen. Der Rentner kümmert sich seit Jahren, „weil es sonst keiner macht, und ich jetzt Zeit habe“. Geboren wurde Chrysant am 3. Januar 1945 im Dransdorfer Bunker. „Bei Kerzenlicht.“ Das könne er doch gar nicht wissen, wendet sein Freund Bruno Euskirchen sein. „Hat die Mutter gesagt.“ Die beiden Einheimischen erzählen gern von den „schönen Zeiten, als es noch Zusammenhalt im Dorf gab“. Es sei schwer, mit den Zugezogenen in Kontakt zu kommen. „Jetzt kennt man kaum noch jemanden.“

Ärgerlicher Vandalismus

Bis 1965 lebte Chrysant mit den Eltern auf dem Bauernhof an der Roncallistraße, dann zogen sie um auf den Burgweg. Der 76-Jährige pflegt das ganze Jahr fünf Wegekreuze und die bepflanzten Anlagen drumherum. Vor allem, wenn es ab Allerheiligen Zeit für die Friedhofsbesuche der Anverwandten wird, soll auch das Ehrenmal ordentlich aussehen. „Ein Grab muss schön sein“, findet Chrysant. „Die Pflege ist das Dankeschön an die Verstorbenen, seien es die Eltern oder gefallene Soldaten.“

Allerdings kann er eine sehr ärgerliche Geschichte zum Soldatengrab erzählen. „70 Jahre war auf dem Grabstein ein Helm befestigt. Dann wurde er von Dieben abgesägt.“ Drei Ersatzhelme waren binnen kurzer Zeit gestohlen. „Den vierten habe ich mit Beton vollgegossen und eingedübelt. Der sitzt bombenfest.“ Chrysant und Euskirchen haben absolut kein Verständnis für Vandalismus.