1. Bonn
  2. Hardtberg

Tannenbusch: Solidaritätsaktion mit Opfern sexualisierter Gewalt

Missbrauchs-Gutachten in Köln : Bonner Diakon startet Solidaritätsaktion mit Opfern von Missbrauch

Das Kölner Gutachten zu Missbrauch in der katholischen Kirche schlägt Wellen. Diakon und Bildhauer Ralf Knoblauch aus Bonn reagiert künstlerisch darauf. Ein 300 Jahre alter Holzpfahl soll Passanten und Kirche ins Gespräch bringen.

„Die Veröffentlichung des von Kardinal Rainer Maria Woelki in Auftrag gegebenen Gutachtens zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche ist ein wichtiger Tag für unser Erzbistum“, sagt Ralf Knoblauch am Donnerstag vor dem Tannenbuscher Einkaufszentrum. Der Diakon, Bildhauer und ehemalige Tischler, dessen hölzerne Königsskulpturen schon seit Jahren an vielen Orten der Welt die Menschen miteinander ins Gespräch über Würde und Glauben bringen, stellte dort in Zusammenarbeit mit dem Pastoralteam der Katholischen Thomas Morus Kirchengemeinde einen durch Farbe und Bearbeitung zur Skulptur gewordenen 300 Jahre alten Holzpfahl auf, um zusammen mit Pfarrer Hermann Bartsch darüber mit Passanten ins Gespräch zu kommen.

„Es ist ein Tag, an dem wir auf die Straße gehen müssen, um uns mit den Opfern sexualisierter Gewalt solidarisch zu zeigen“, sagte Knoblauch noch kurz zuvor in einem Interview mit dem Domradio. Dem GA gegenüber äußert er vor Ort Verständnis für die Menschen, die sich durch die Skandale der vergangenen Jahre von der Kirche abgewandt haben. „Was hier gerade passiert“, so Knoblauch, „ist ja nur die Spitze des Eisbergs.“ Die katholische Kirche habe „1000 Themen, die den Menschen unter den Nägeln brennen“. Es gehe um die Gleichwürdigkeit von Männern und Frauen in der Kirche genauso, wie um Verweigerung der Segnung von homosexuellen Paaren. Vieles treffe Menschen aus dem innersten Kern seiner Gemeinde. Er wolle mit seinem Klage- und Dialogpfahl den Menschen Gelegenheit geben, ihre Klagen und Bitten zu äußern und dort anzuschlagen.

Verlangen nach Kirche, die Schutz und Heilung bietet

Ein vor Ort aufgestellter Forderungskatalog, den das Pastoralteam in Zusammenarbeit mit den Laienverbänden, dem Kirchenvorstand und dem Pfarrgemeinderat formulierte, drückt das Verlangen nach einer Kirche aus, die den Menschen wieder Schutz und Heilung bietet. „Wir erwarten einen Neuanfang, der aus dem Geist des Evangeliums lebt“, heißt es dort. Man fordere einen wertschätzenden, menschenwürdigen Umgang mit den Betroffenen und eine dem Leid und der Traumatisierung angemessene Entschädigung, eine umfassende, unabhängige und transparente Aufklärung, eine Benennung von Verantwortlichen und deren Annahme von persönlichen Konsequenzen und einen glaubwürdigen Umgang mit ihrer Schuld. Zudem fordere man eine nachvollziehbare und umfassende Benennung der Ursachen, die zu Missbrauch und Vertuschung geführt haben und deren konsequente Bekämpfung sowie die Intensivierung und Überprüfung von Präventionsmaßnahmen.

Schon sind einige Karten mit Klagen und Fragen von Passanten an dem Pfahl zu sehen. „Das Anschlagen mit dem Hammer soll auch ein symbolischer Akt der Befreiung sei“, so Knoblauch. Es dürfe nicht sein, dass die Kirche unter ihrer Glocke bleibe, totschweige und nicht mehr mit den Menschen ins Gespräch komme. „Wir stehen hier in Tannenbusch, um den Menschen zu sagen, dass wir in guten wie in schlechten Zeiten bei ihnen sind“, sagt Knoblauch. „Und wir stehen hier auch, um ganz niederschwellig einen leisen und zaghaften Zugang zur Kirche wieder möglich werden zu lassen.“