Teddy-Klinik am Universitätsklinikum Sprechstunde bei den Teddy-Docs in Bonn

Bonn · Die Teddy-Klinik auf dem Gelände der Bonner Uniklinik kümmert sich wieder um Kuscheltier-Wehwehchen. Ziel ist, dem Nachwuchs die Angst vor dem Krankenhaus zu nehmen. Am Freitagnachmittag ist sie für alle geöffnet.

Teddy Pauli hält tapfer still, während das Loch in seinem Hals genäht wird. Mats schaut bei der Operation zu.

Teddy Pauli hält tapfer still, während das Loch in seinem Hals genäht wird. Mats schaut bei der Operation zu.

Foto: Stefan Knopp

Wie schafft es eine Katze, auf ihrem Schwanz zu landen und ihn sich dabei zu verknacksen? Katzi hat das irgendwie geschafft, erzählt ihr Besitzer Oliver (5). Oder Trixie: Hat sich ausgerechnet der Lieblingsbeschäftigung eines jeden rosafarbenen Affenmädchens die Schulter gebrochen. „Sie hat an einem Klettergerüst geklettert und ist runtergefallen“, berichtet Jakob, dem Trixie gehört. Der Fünfjährige hat seinen Liebling deshalb mit einer Armschlinge erstversorgt und zur Teddyklinik vor dem Eltern-Kind-Zentrum (Elki) des Universitätsklinikums Bonn (UKB) mitgebracht.

Rund 100 Studierende vom UKB kümmern sich drei Tage lang um die flauschigen Patienten. Der Mittwoch und Donnerstag sind Kita-Gruppen vorbehalten, am Freitag kann zwischen 13 und 16 Uhr jeder ohne Anmeldung hinkommen. Auf der Wiese vor dem Elki sind wieder Pavillons mit Stationen aufgebaut: Wartezimmer, Untersuchung, Röntgenaufnahmen, sogar Ultraschall können an den Kuscheltieren vorgenommen werden, bevor es zum Operationstisch geht. Trixie wird auf Herz und Nieren – oder besser gesagt: auf Fell und Füllung – durchgecheckt. Wer weiß, ob noch etwas anderes nicht in Ordnung ist.

Trixies Ärztin, Medizinstudentin Merle Bothur, erinnert sich da an einen Teddy, der mit Kopfbruch zu ihr gebracht wurde. „Während der Behandlung haben wir festgestellt, dass mehrere Gliedmaßen verletzt sind.“ Da mussten viele Verbände angelegt und Pflaster geklebt werden. Das Kind hatte seinen Spaß daran zu assistieren.

Bothur ist im sechsten Semester und strebt später eine Arbeit in der Pädiatrie an. Da ist die Aufgabe als Teddy-Doktor eine gute Übung, findet sie. „Das nimmt ein bisschen die Hemmungen, mit Kindern zu arbeiten.“ Man übt auf spielerische Weise: Was ist ein Röntgenbild, wofür braucht man Ultraschall, und so weiter. Das könne man einem Kind nicht so erklären, wie man es einem Erwachsenen erklären würde. Zugleich versucht sie, auf Augenhöhe mit den Kindern zu sein, sie ernst zu nehmen, auch wenn es „nur“ um ihre Kuscheltiere geht.

Im OP-Pavillon herrscht zwischenzeitlich Hochbetrieb. Einem Teddybären muss ein riesiger Riss am Bein genäht werden. Emils (6) Hündin Almut hat sich eine Pfote gebrochen, und Saphiras (6) Ziege Ziegi hat sich bei einem Sturz das Horn umgeknickt. Kein Tier lebt so gefährlich wie das Kuscheltier.

Dann ist da Teddy Pauli, den Mats (7) aufs UKB-Gelände gebracht hat. „Er hat ein Loch im Hals“, berichtet der Erstklässler. Das ist natürlich nicht gesund, vor allem beim Trinken und Essen läuft doch immer alles wieder heraus. „Dann kleckert man sich voll.“ Mit dem Ultraschall wurde auch untersucht, ob durch das Loch etwas in den Körper gelangt ist, das dort nicht hingehört. Nichts gefunden, Glück gehabt, dann kann das Loch ja wieder geschlossen werden.

Eine Kuscheltier-Operation erfordert auch viel Kompetenz mit der Nähnadel. Das erledigen einige der Grünen Damen der Unikinderklinik im Elki (siehe Infokasten). Mats, Jakob und all die anderen können ihre Spielzeugtiere danach wieder in die Arme nehmen und bekommen auch ein Rezept ausgestellt, das sie im Apotheken-Pavillon gegen „Aua-weg-Bärchen“ eintauschen können.

Gegen die Scheu vor Krankenhäusern

Bei der Aktion, die das UKB zusammen mit der AOK seit gut 20 Jahren durchführt, geht es darum, den Kindern die Scheu vor Krankenhäusern und Menschen in weißen Arztkitteln in einer Situation zu nehmen, in der sie selbst nicht betroffen sind. Rund 1000 Kinder aus 50 Kitas sind angemeldet, laut Rainer Ganschow, Geschäftsführender Direktor des Eltern-Kind-Zentrums, musste man noch einmal so vielen absagen, weil die Kapazitäten nicht reichten. Man sollte das ausweiten, findet er.

„Kindern, die schon Kontakt zum Krankenhaus über ihre Kuscheltiere hatten, ist schon viel Angst vor Untersuchungen genommen“, sagt Ganschow. Das habe er schon in der Klinik erlebt. Zugleich könnten die Studierenden den Umgang mit Kindern üben – das sei im Ausbildungsbetrieb in der Klinik nicht so leicht. Kranke Kinder im Bett würden eine ganz andere Situation darstellen. Der Effekt, dass Kinder weniger Scheu vor dem Krankenhaus haben, bewegt auch die Krankenkasse AOK dazu, immer wieder mitzumachen, Pavillons und Süßigkeiten zu spenden. „Die Kinder gehen anders zum Arzt, ohne Vorbehalte“, sagt Sven Reichert von der AOK.

Mats kennt das UKB schon von seiner Mutter her und hat deshalb keine Scheu davor: Meike Rüsing gehört zum Förderkreis für das Eltern-Kind-Zentrum, und sie findet die Teddy-Klinik toll. Vor allem, weil die Studierenden den Umgang mit den Kindern lernen. Das sei gerade an einem Ort wie dem Elki wichtig, wo auch krebskranke Kinder liegen. Angst haben aber auch Saphira, Emil und Oliver nicht vor dem Krankenhaus. Sie alle waren schon mal dort und wissen: Dort wird ihnen geholfen.

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