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Tiere auf dem Meßdorfer Feld

Seltene Exemplare : Ein Tierparadies auf dem Meßdorfer Feld

Auf dem 170 Hektar großen Meßdorfer Feld fühlen sich seltene Tiere wie Zauneidechsen, Feldlerchen und Gartenschläfer wohl. Die Freifläche zwischen Dransdorf, Meßdorf, Duisdorf und Endenich ist aber auch eine wichtige Frischluftschneise in Bonn.

„Oft unterschätzen wir den Wert des Meßdorfer Felds“, sagt Christian Chmela. Der Biologe und Leiter der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft ist direkter Anlieger am Nordrand der größten noch unbebauten Fläche im Bonner Stadtgebiet. Unstrittig ist dagegen der Wert der etwa 170 Hektar großen Fläche als Frischluftschneise für das besiedelte Bonn.

Dass das größtenteils kultivierte Ackerland – von Bahngleisen und einem Wegenetz für Spaziergänger, Jogger und Radfahrer durchzogen – auch ein Refugium für viele Tiere ist, scheint nicht für jeden offensichtlich zu sein. Zumindest bei jenen Besuchern, sagt Chmela, die in der Natur ohnehin nur darauf achten würden, ob es etwas Besonderes und Seltenes zu sehen gibt. „Die könnten das Meßdorfer Feld als eher nicht so bedeutsam einschätzen“, ist seine Vermutung.

Beispielsweise können Beobachter den Feldhasen entdecken, dessen Bestand aufgrund der anderenorts stark intensivierten Landwirtschaft dort nicht mehr so groß ist. Die Hasen sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und ruhen sich am Tag in der Sasse genannten, flachen, meist gut gedeckten Mulde aus. Bei Gefahr ducken sie sich, bleiben regungslos und ergreifen erst im letzten Moment die Flucht. Sie erreichen dabei Geschwindigkeiten von bis zu 70 Kilometern in der Stunde und können bis zu zwei Meter hoch springen.

Viele der Tiere im Meßdorfer Feld können Beobachter aber nur schwer ausmachen. Der Grund dafür sind oftmals freilaufende Hunde oder Besucher, die die Wege verlassen. Dass entsprechende Maßnahmen einen umgekehrten Effekt haben können, weiß Chmela: In den Siegauen würden Besucher angehalten, auf den Wegen zu bleiben und Hunde angeleint zu lassen. Schon ein halbes Jahr nach Inkrafttreten dieser Auflage seien Tiere wieder bis auf etwa 30 Meter an die Wege herankommen und ließen sich von den Spaziergängern dort nicht mehr stören. „Die Menschen waren in ihren Bewegungen für die Tiere keine Gefahr mehr“, so der Biologe.

Zahlreiche Wanderer, Jogger und Radfahrer nutzen den großen Bereich zwischen Dransdorf, Duisdorf und Endenich zur Naherholung. Foto: Stefan Hermes
In den vielen Obstblüten finden Bienen genügend Pollen als Nahrung. Foto: Stefan Hermes

Vögel brüten neben der Autobahn

Übrigens lassen sich auch die selten gewordene Zauneidechse nicht von den durchfahrenden Zügen im Meßdorfer Feld stören. Und die Züge stellen für sie offenbar auch keine Gefahr dar. Die Reptilien leben sogar in den Schotteranhäufungen der Gleiskörper, die das Gelände durchziehen. Wer sie in ihrem Lebensraum beobachten möchte, muss allerdings früh aufstehen. Nur in den ersten Sonnenstunden des Tages könne man die selten gewordenen Tiere zu Gesicht bekommen. Sie nutzen den aufgewärmten Schotter des Gleiskörpers als Brutsubstrat für ihre abgelegten Eier. Für Beobachter ist das Betreten der Gleiskörper jedoch nicht nur lebensgefährlich sondern auch strengstens untersagt.

„Die meisten Tiere lernen mit regelmäßig oder auch permanent vorhandenen Störungen umzugehen“, sagt Chmela. So erklärt es sich auch, dass manche Vögel selbst in Hecken an Autobahnen brüten. Unter den Vögeln, die jetzt aus dem Süden wieder auf das Meßdorfer Feld zurückgekehrt sind, sind neben Nachtigall, Kuckuck, Mauerseglern und Schwalben auch die selten gewordenen Feldlerchen zu beobachten. Im vergangenen Jahr wurden sie vom Naturschutzbund (Nabu) bereits zum zweiten Mal zum Vogel des Jahres gekürt. Schon vor 20 Jahren hatte der Nabu davor gewarnt, dass der Charaktervogel der Felder und häufigster Bodenbrüter in vielen Gebieten bedroht ist. Seit dieser Zeit ist mehr als jede vierte Feldlerche aus dem Brutbestand in Deutschland verschwunden. Im Meßdorfer Feld können Besucher sie an ihren rhythmisch wiederholten, trillernden oder zirpenden Tönen ausmachen.

Das abwechslungsreiche und teilweise gartenähnliche Gelände des Meßdorfer Felds scheint auch dem ebenfalls seltenen Gartenschläfer, ein kleiner Verwandter des Siebenschläfers, zu gefallen. Der sogennante Bilch, aus der Ordnung der Nagetiere, ist in vielen Regionen Deutschlands ebenso ausgestorben. Das kleine Tier mit der markanten „Zorro-Maske“ findet sich häufig in menschlicher Nähe und nascht dort gerne Beeren und anderes Obst. Mit ein wenig Glück und Geduld können Besucher auch ihn zu Gesicht bekommen.

Andere Tiere gibt es hier aber nicht mehr. Gewöhnliche Feldhamster habe es hier beispielsweise noch gegeben, als sich Anfang der 2000er Jahre die Biostation angesiedelt hatte. Dass es sich zu jener Zeit bereits um die letzten Feldhamster in Bonn gehandelt hatte, sei erst deutlich geworden, als es schon zu spät gewesen war.

Heute hätte man die Tiere zunächst einmal kartiert und beobachtet. Man hätte Fördermaßnahmen im Vertragsnaturschutz entwickelt, in dem die Landwirte einen Ausgleich zum Schutz der bedrohten Tiere bekommen hätten. Schon die vielen Konjunktive deuten darauf hin, dass diese Gelegenheit verpasst wurde.

Andererseits bietet das Meßdorfer Feld vor allem für Frühaufsteher und Nachtschwärmer Gelegenheit, Tiere zu beobachten: Mit dem Fernglas oder der Becherlupe – aber stets mit gehörigem Abstand.