Brunnen an der Rochuskirche Ungeklärte Eigentumsverhältnisse

DUISDORF · Die Frage war eher nebenbei gestellt, als unser Fotograf mit diesem Foto von der Duisdorfer Rochuskirche und dem davor stehenden Brunnen aus Duisdorf in die Redaktion zurückkehrte. Wem gehört dieser Brunnen eigentlich? Doch die Antwort war nicht so einfach.

 Das Corpus delicti: Der Brunnen mit der bunten Schale befindet sich vor der Rochuskirche, aber auf wessen Grundstück eigentlich?

Das Corpus delicti: Der Brunnen mit der bunten Schale befindet sich vor der Rochuskirche, aber auf wessen Grundstück eigentlich?

Foto: Roland Kohls

Vorab jedoch: Der Brunnen wird wie auch die anderen Duisdorfer Brunnen vor dem Rathaus sowie der am Schickshof im Laufe des Monats Mai in Betrieb genommen, teilte die Stadt mit. Doch das geriet zur Nebensache, als es um die Zuständigkeit für jenen Wassersprudler ging, der seit Jahr und Tag vor der Kirche steht.

Wem gehört dieser Brunnen eigentlich, war die einfache Frage, die erstaunliche Antworten zutage förderte. "Uns nicht", sagte Rochuspfarrer Jörg Hardt dem GA. "Das ist städtisches Grundstück." Die Stadt pflege und betreibe auch den Brunnen. Das städtische Presseamt gab den Ball zurück: "Uns gehört er nicht", sagte Sprecher Markus Schmitz. "Das ist Kirchengrundstück."

Fest stand zunächst nur: Das Gelände ist längs geteilt. Der linke Teil des Kirchplatzes, also die gepflasterte Fläche direkt vor der Kirche, gehört der Gemeinde, der rechte Teil der Wiese mitsamt der Alten Schule ist im Besitz der Stadt. Aber wo steht nun der Brunnen? Befindet er sich womöglich genau auf der Grenze?

Selbst einer wie Duisdorfs Urgestein Hans Berg musste nachdenken. "Ich kenne die Grenze, denn es gibt eine Rinne, die sie markiert." Wo sie in Verlängerung verläuft, dazu musste er aber auch vor Ort nachsehen. Und kam danach zum Ergebnis: "Der Brunnen steht auf Kirchengrundstück."

Zwischenzeitlich hatte das Rathaus Hardtberg einen Plan aus den Akten gefischt, aus dem die genaue Grenze hervorgeht. Das Ergebnis ist dasselbe wie die Recherche von Hans Berg: Der Brunnen steht auf Kirchengrundstück.

Warum die Stadt den Brunnen trotzdem wartet und betreibt, ist indes nicht klar. "Das können wir im Moment auch nicht so ganz nachvollziehen", hieß es aus dem Presseamt. Auch Pfarrer Jörg Hardt, mit dem die Stadt jetzt ein Gespräch über die Zuständigkeit führen will, konnte die Vorgeschichte nicht aufhellen: Er ist erst seit zwei Jahren beruflich in Duisdorf tätig.

Mit seiner Feststellung, der Brunnen gehöre nicht der Kirche, könnte er trotzdem richtig liegen. Denn der Brunnen war früher städtisch, stand am Bischofsplatz im öffentlichen Raum und wurde erst später (von der Stadt) nach Duisdorf versetzt. Insofern stünde er dann zwar auf Kirchengrund, der Eigentümer bliebe aber weiterhin die Stadt.

Ein Aspekt bei dem Durcheinander scheint auch zu sein, dass die Zuständigkeit für die Brunnen Bonns bei der Stadtverwaltung oft gewechselt hat. Einmal war das Amt für Stadtgrün verantwortlich, dann das Gebäudemanagement, jetzt das Tiefbauamt. Und offensichtlich hat sich irgendwann die Überzeugung festgesetzt: Wenn die Stadt Bonn den Brunnen pflegt, dann steht er wohl auf städtischem Grund. Aber die Eigentumsfrage hängt nicht unbedingt vom Standort ab. Wie die Sache weitergeht, ist unklar: Womöglich wird die Kirchengemeinde künftig einen Brunnen zu betreiben haben. Oder nicht, wenn sie das nicht will. Vielleicht will die Stadt den Brunnen aber auch "verschenken".

Info: Der Rochusbrunnen

Er fällt auf durch das abstrakte venezianische Glasmosaik in der runden Schale, das der Linzer Bildhauer Günther Oellers aus roten, blauen, gelben, grünen, weißen und violetten Steinen gestaltete: Der Brunnen vor der Rochuskirche wurde aber nicht für diesen Ort gestaltet, sondern steht erst seit 2. September 1971 hier. Sein alter Platz war in der Bonner City, auf dem Bischofsplatz gegenüber der Universität. 1970 musste er der Ausfahrt zur Markt-Tiefgarage weichen und wurde danach erst mal eingelagert, berichtet ein GA-Artikel aus dieser Zeit. Die Kosten der Brunnenschale wurden damals mit 30 000 Mark angegeben.