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GA-Serie Verschwundene Wahrzeichen : Vom Schickshof in Hardtberg bleiben der Name und ein Esel

GA-Serie Verschwundene Wahrzeichen : Vom Schickshof in Hardtberg bleiben der Name und ein Esel

Die GA-Serie Verschwundene Wahrzeichen stellt Gebäude und Orte vor, die den Bereich im heutigen Hardtberg geprägt haben. Diesmal geht es um den Schickshof, der 1957 abgerissen wurde. Dies markiert zugleich den Wandel Duisdorfs zu städtischen Strukturen.

Schickshof nennen die Duisdorfer ihren Marktplatz im Zentrum. Das Anwesen verschwand 1957 von der Bildfläche. Doch Hans Berg, das Duisdorfer „Gedächtnis“, kann sich an das Wohnhaus gegenüber der Weierbornstraße erinnern. Zuletzt diente es als Polizeistation. Dass es Bilder davon gibt, ist dem verstorbenen Lessenicher Heimatforscher Ewald Geilen zu verdanken. Seine Sammlung von rund 3000 Fotos dokumentiert das Leben in Duisdorf von 1890 bis etwa 1970. Sie befindet sich heute in der Obhut des Stadtarchivs.

Zum Schickshof hatte Geilen notiert, dass seine Entstehung möglicherweise bis in die Frankenzeit zurückreichen könnte. Aktenkundig wird die Anlage nach Geilens Recherche um 1800 durch Pacht- und Kaufverträge. Unter anderem spielt Philip Reichsgraf von der Leyen und Hohengeroldseck eine Rolle. Durch Heirat gelangte das Anwesen, das ursprünglich der „Oberste Hof“ genannt wurde, 1827 in den Besitz des Poppelsdorfers Johann Peter Schick und seiner Nachfahren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schickshof Station des neunten Polizeireviers, nachdem die Beamten in den vergangenen Jahrzehnten aus einem Zimmer im Amtsgebäude der Bürgermeisterei Duisdorf an der heutigen Villemombler Straße und in den Rathauskeller umgezogen waren. Umbenannt in „Schutzbereich West“ wechselte die Wache vom Schickshof an die Bahnhofstraße.

Der Abriss des Schickshofs 1957 fällt mit dem Beginn einer tiefgreifenden Veränderung auf der Rochusstraße zusammen. Auf einen Nenner gebracht, ist es der Wandel vom Ländlichen zum Urbanen. Denn Bonns neue Aufgaben als Regierungssitz hatten Folgen. Es mussten moderne Strukturen geschaffen werden. Nicht nur die kommunale Neugliederung 1979 war dem Denken in größeren Maßstäben geschuldet. Tausende Ministerialbeamte brauchten Wohnungen.

Für das neue, das entstand, musste auch Altes verschwinden. Duisdorf wuchs von rund 4600 Einwohnern (1950) auf 17.000 (1968). Auf den weiten Feldern von Brüser Berg und Medinghoven wuchsen große Wohngebiete in die Höhe; Ministerien machten sich breit. Neue Straßen – wie etwa der Konrad-Adenauer-Damm – sollten den wachsenden Verkehr aufnehmen.

Kaum mehr vorstellbar, was Hans Berg aus Kindertagen erzählt: „Im Winter konnten wir abends mit dem Schlitten von der Hardthöhe über die Weierbornstraße hinunter ins Dorf.“ Dass diese Rutschpartie den Pänz nur in den Abendstunden erlaubt war, lag am enormen Verkehr auf der Rochusstraße. „Hunderte mit Ton beladene Laster aus Witterschlick donnerten jeden Tag durch Duisdorf“, so Berg. Die Geschäftsleute hätten wohl lieber nichts am Verkehr geändert.

Aber für die Politiker war klar, dass zum neuen Hardtberg mit den „Satellitenstädten“ Medinghoven und Brüser Berg auch ein moderner Ortskern gehört. Angedacht war beispielsweise der Bau eines 17-geschossigen Hochhauses am Schickshof. Das empfand die Mehrheit jedoch als reichlich überdimensioniert und so gar nicht duisdorferisch. Vier Geschosse sollten reichen. Zukunftsweisend wäre vielmehr, die Rochusstraße zur Fußgängerzone zur machen. 14.000 Autos rollten in den 1970er Jahren pro Tag durch die Ortsmitte. Die Idee war, Boutiquen, größere Geschäfte, Cafés, Restaurants, Vergnügungsstätten und Begegnungszentren zu bauen, „die sich basarähnlich zur Straße hin öffnen“. Den Verkehr sollte die Straße Am Burgweiher aufnehmen.

Mit „gesagt – getan“ lässt sich das Projekt nicht überschreiben. Es dauerte. 1975 wurde ein erster Schritt unternommen; die Duisdorfer Ortsdurchfahrt für Lastwagen ab 3,5 Tonnen gesperrt. 1982 startete der Ausbau zur Fußgängerzone. 1986 wurde sie feierlich eröffnet. Der große Parkplatz auf dem Schickshof wurde Marktplatz und Treffpunkt.

Eine Historie fehlt noch zu den Ereignissen rund um den Schickshof. Sie handelt von dem Duisdorfer Wahrzeichen überhaupt – das im Lauf der Zeit eben nicht verschwunden ist. Im Gegenteil, es steht fest verankert dort. Gemeint ist der Duisdorfer Äsel. Die Geschichte erzählt am besten Hans Berg, denn er weiß genau, warum und wie das Grautier da hin kam.

Richtung Oedekoven stand eine eine Wassermühle. Mit zwei bepackten Eseln machten sich Duisdorfer täglich auf den Weg – hin mit dem Getreide, auf dem gleichen Weg zurück mit Mehl. im Huckepack. „Die Duisdorfer Essele kommen!“, wurden sie zu Hause begrüßt. Dieser Spitzname ließ sich nicht mehr aus der Geschichte tilgen. Heute noch sprechen die benachbarten Lengsdorfer von den „Duisdorfer Essele“. Selbst bei Auswärtsspielen der Hardtberger Fußballer soll die Bezeichnung hin und wieder noch fallen. Hans Berg: „Der Ortsfestausschuss hat sich schon immer dafür eingesetzt, ein Eselsdenkmal als Wappentier aufzustellen.“ Die Idee habe in der Politik wenig Resonanz gefunden. Der Ortsfestausschuss startete eine Spendenaktion, auf dem Köttzug wurde ein Esel aus Pappmaché mitgeführt. Schließlich hatte man die erforderliche Summe beisammen. Der Künstler Hellmut Moos gestaltete den Esel. 2004 wurde er auf dem Schickshof aufgestellt.