Ein Plausch mit den Ordnungshütern Warum ein Polizei-Mobil durch die Bonner Stadtteile tourt

Venusberg · Ein Polizei-Mobil tourt gerade durch die Bonner Stadtteile. Die Bezirksbeamten wollen so mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Der GA war bei einem Termin auf dem Venusberg dabei.

 Die Bezirksbeamten Heribert Helmig (l.) und Wolfgang Schmitt (r.) vor dem Polizei-Mobil im Gespräch mit einem Venusberger.

Die Bezirksbeamten Heribert Helmig (l.) und Wolfgang Schmitt (r.) vor dem Polizei-Mobil im Gespräch mit einem Venusberger.

Foto: Stefan Knopp

Wolfgang Schmitt tritt auf die Straße, hält ein Fahrzeug an, das dort entlang fährt, dann winkt der Polizeibeamte eine andere Fahrerin aus ihrer Parklücke. Denn die Sertürner Straße ist ausnahmsweise schwer einsehbar. Das ist jetzt nicht zwangsläufig eine Aufgabe für einen Bezirksbeamten. „Wobei die Verkehrsregelung ja nur wegen uns nötig ist“, kommentiert Schmitts Kollege Heribert Helmig. Denn die beiden sind mit dem Polizei-Mobil auf dem Venusberg, und das muss irgendwo stehen. In diesem Fall auf der Straße im Zentrum des Stadtteils vor der Bäckerei und dem Kiosk.

Den Verkehr am Polizei-Mobil vorbei zu regeln ist aber auch das Spannendste, was die beiden Polizisten dort erleben in der Zeit, in der sie da stehen. Das Angebot muss eben erst noch bekannter werden. Seit Anfang dieses Jahres ist es unterwegs, stand unter anderem im Januar in Ippendorf. Da sei noch weniger los gewesen als hier auf dem Venusberg, sagt Helmig. Was aber auch an Schnee und Glätte gelegen haben könnte – da gingen viele nur raus, wenn sie mussten, vor allem ältere Menschen.

Das Polizei-Mobil war bislang vor allem für Präventions-Infoveranstaltungen oder Beratungstermine im Einsatz. „Aber der Wagen war nicht ausgelastet“, erklärt Polizeisprecher Michael Beyer. Deshalb beschloss die Bonner Polizei, das Fahrzeug auch in die Stadtteile zu schicken. Man kann hingehen, Anliegen ansprechen, über Themen wie Sicherheit im Ort sprechen. „Aber es ist auch ein geschützter Raum, um zum Beispiel Anzeigen aufzugeben.“ Die betreffenden Menschen können sich dann mit den Beamten in das Mobil zurückziehen, in dem es Sitze und einen Tisch gibt.

„Und so fallen wir mehr auf“, sagt Schmitt. Die Bezirksbeamten sind sonst zu Fuß unterwegs, er in Poppelsdorf, Helmig in der Südstadt. Der Kollege, der für Ippendorf und Venusberg zuständig ist, konnte leider nicht dabei sein. Es geht um Schulwegsicherung, aber die Bezirksbeamten sind auch für die Nachsorge nach Einbrüchen zuständig: Mit den Betroffenen sprechen und mögliche Zeugen in der Nachbarschaft finden. Ein anderes Thema ist häusliche Gewalt. Täter haben ein zehntägiges Rückkehrverbot, die Bezirksbeamten kontrollieren, ob das eingehalten wird. Außerdem sei man Kontaktperson für Schulen, was aber selten zum Tragen komme, so Helmig.

Gesprächsangebot wird noch wenig genutzt

Der Polizei-Mobil-Termin geht ruhig vonstatten. Über weite Strecken heißt es: Warten. Automatisch geht der Polizistenblick in den Beobachtungsmodus. Leute passieren das Mobil, man hat den Eindruck, dass sie schnell weiter wollen. So recht scheint nicht klar zu sein, weshalb die Beamten dort stehen – kontrollieren sie den Verkehr oder suchen sie jemanden? Ein Hinweisschild könnte vielleicht helfen – oder eine Kanne Kaffee, wie zwischendurch gescherzt wird. Aber es soll ja nur ein Gesprächsangebot sein.

Ein paar Gesprächspartner haben die beiden Beamten dann doch. Eine Dame bedankt sich bei den Polizisten dafür, dass sie da sind – ganz grundsätzlich. Sie habe unangenehme Erfahrungen mit Schock-Anrufen gemacht. „Das ist ein Thema, das uns immer noch beschäftigt“, sagt Beyer. Ihr sei geholfen worden, lobt die Frau. Ein Mann spricht die Polizeibeamten darauf an, dass er sich einen Zebrastreifen an einer bestimmten Stelle über die viel befahrene Sigmund-Freud-Straße wünschen würde, die zur Haupteinfahrt des Universitätsklinikums führt und schwer zu queren ist. Das ist zwar durchaus eine Sache von Verkehrssicherheit, aber dafür muss er sich an die Stadt Bonn wenden, sagen ihm Helmig und Schmitt. Oder an den zuständigen Bezirksvertreter.

Und noch ein Bewohner des Venusbergs kommt zum Polizei-Mobil. Er trägt eine Angelegenheit an die Beamten heran, die er nicht in der Zeitung lesen möchte. Aber auch er lobt das Engagement der Polizei, in die Stadtbezirke zu gehen. „Es ist schön, dass die Polizei nicht nur zum Bestrafen da ist“, sagt er. „Die Begegnung ist etwas wert. Wir wissen uns in guten Händen.“ In Sachen Kriminalität hat er nichts zu beanstanden – der Venusberg liege zu abgeschieden. Ein ruhiges Wohnviertel, und deshalb würden Leute ja auch dorthin ziehen. Ja, Einbrüche seien ein Thema. „Aber eingebrochen wird überall.“

Wie lange es das Polizei-Mobil geben wird, hängt davon ab, wie es angenommen wird. Etwas bekannter muss es noch werden, vielleicht auch etwas einladender. Die nächsten Termine sind: Montag, 11. März, von 10 bis 13 Uhr am Bernhard-Berzheim-Platz in Ippendorf, und am Dienstag, 12. März, von 9 bis 12 Uhr am Dorfplatz in Buschdorf.

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