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Bonner Weltkulturerbe: Was bringt die Würdigung des Limes für die Bundesstadt?

Bonner Weltkulturerbe : Was bringt die Würdigung des Limes für die Bundesstadt?

Der frisch erhaltene Titel kann eine große Chance für die Stadt und den Tourismus sein, glauben Oberbürgermeisterin und Wirtschaftsvertreter. Die Vermarktung soll NRW-weit als „Römer-Gesamtpaket“ funktionieren. Auch in Bonn-Castell freut man sich.

Die Sektkorken „knallten“ ordentlich, die Freude war riesig, als am Dienstag die Nachricht kam, dass die Bundesstadt als Teil des Niedergermanischen Limes jetzt Weltkulturerbe ist. Neben dem Titel ist die Ernennung eine große Chance für die Stadt sowie den Tourismus. „Bonn ist sich der Bedeutung seines römischen Erbes bewusst und wird diese Verpflichtung auch bei künftigen Entscheidungen, die das Umfeld der Bodendenkmale betreffen, angemessen berücksichtigen“, versicherte gestern Oberbürgermeisterin Katja Dörner.

Nach den schwierigen Corona-Monaten hofft vor allem die Tourismusbranche auf einen deutlichen Aufschwung. Ein passendes Konzept sollen die Kommunen jedoch nicht im Alleingang, sondern in Kooperationen umsetzen, wünscht sich Dörner. Über Ländergrenzen hinweg soll auf die archäologischen Fundstätten des Limes in Nordrhein-Westfalen hingewiesen werden – als ein „Römer-Gesamtpaket“. Dafür soll auch eine neue Fahrradroute erarbeitet werden. „Bonn wird gern weiter daran mitwirken, dieses gemeinsame kulturelle Erbe sichtbar zu erhalten“, verspricht die Verwaltungschefin.

Impulse für Tourismus erhofft

Für Stephan Wimmers von der IHK Bonn/Rhein-Sieg ist die Verleihung des Weltkulturerbe-Titels eine große Chance, die man jetzt aber auch nutzen muss. Denn bisher habe man nicht genug dafür getan, um den Freizeittourismus anzukurbeln. „In diesem Bereich haben wir enormen Nachholbedarf“, sagt Wimmers. „Vor Corona haben wir uns zu sehr auf die Geschäftsreisenden konzentriert, und die Gäste, die sich für Natur, Kunst und Kultur interessieren, zu wenig beachtet“, erklärt er. Eine Entscheidung, die sich in der Pandemie bitter gerächt hat. Die Firmen verlegten die Meetings ins Internet und die Geschäftsreisenden blieben aus.

Er ist überzeugt, dass die Römer jetzt mehr Kurzurlauber anlocken werden. Davon profitieren jedoch nicht nur die Hotel- und Gastronomiebranche, sondern auch der Einzelhandel. Wichtig sei allerdings, dass innerhalb der Stadt deutlicher auf die Fundstätten hingewiesen wird und es vor Ort Hinweistafeln gibt. „Der Beethoven-Rundgang könnte ein gutes Vorbild sein“, so Wimmers.

Wanderwege, Erlebnispfade und Radstrecken?

Bei der Tourismus & Congress GmbH macht man sich bereits Gedanken, wie man den neuen Weltkulturerbe-Titel für den Fremdenverkehr nutzen kann. „Natürlich ergeben sich daraus zahlreiche Möglichkeiten. Grundsätzlich kann ein solcher Titel gut in bestehende überregionale Kommunikations- und Vermarktungsstrategien eingebunden und somit öffentlichkeitswirksam genutzt werden“, sagt Christian Heuter. „Der Titel eines Weltkulturerbes verstärkt einerseits die Bedeutung aus historischer Sicht und andererseits steigert er nochmals die Attraktivität unseres bestehenden und perspektivischen Angebots.“

Es werde darüber hinaus wichtig sein, den kulturellen Nachlass gemeinsam mit anderen Partnern zu präsentieren, „um übergreifende und ganzheitlich orientierte touristische Mehrwerte zu schaffen und anzubieten“, so Heuter. Dafür sollten Wanderwege, Erlebnispfade sowie spezielle Fahrradtouren in den Fokus gerückt werden. „Natürlich können wir so kurz nach der Ernennung die wirtschaftlichen Auswirkungen für die Stadt und die Region nicht gänzlich voraussagen. Grundsätzlich gehen wir aber von einem positiven Effekt für uns und die Region aus“, ergänzt der Tourismusexperte.

In Bonn-Castell sprudeln die Ideen bereits

Große Freude herrscht auch bei Hans-Peter Callsen und seinen Freunden vom Kultur- und Sozialverein Stadtteiltreff Bonn-Castell, dem Gebiet, wo einst das Römerlager stand. „Das ist eine tolle Nachricht und wir brennen nur darauf, das historische Potenzial dieser Entscheidung zu nutzen“, sagt der Vorsitzende des Vereins. „Wir wollen Ausstellungen organisieren und Spaziergänge mit Historikern anbieten, um deutlich auf unser kulturelles Erbe hinzuweisen“, sagt er.

Allerdings müsste der Verein dafür entsprechende Räume haben. „Und die haben wir bisher nicht“, beklagt Callsen. „Geschichte braucht aber Raum“, ergänzt er. „Vielleicht kommt jetzt Bewegung in die Sache. Wir wachsen mit den Aufgaben, die jetzt auf uns zukommen.“