Ehrenamt im Schwimmverein Was ein 18-jähriger Abiturient von der Politik erwartet

Dottendorf/Hardtberg · Schon früh engagierte sich David Reul ehrenamtlich, zunächst in der Schule, später in seinem Schwimmverein auf dem Hardtberg. Für seinen Einsatz ist er ausgezeichnet worden, in seine Freude darüber mischt sich aber auch Sorge um die Wertschätzung des Ehrenamtes.

Ehrenamtliches Engagement ist für David Reul selbstverständlich. Aber er macht sich Sorgen, dass die Wertschätzung für den sozialen Einsatz abnimmt.

Ehrenamtliches Engagement ist für David Reul selbstverständlich. Aber er macht sich Sorgen, dass die Wertschätzung für den sozialen Einsatz abnimmt.

Foto: privat

Das Wasser ist sein Element, die Schwimmhalle sein zweites Zuhause. Schon in der Grundschule entdeckte David Reul aus Dottendorf seine Begeisterung fürs Schwimmen, trat vor sieben Jahren dem Schwimmclub Hardtberg bei. „Schwimmsport hat mich immer fasziniert und tut es bis heute“, schwärmt der 18-Jährige, der mit vier bis fünf Schwimmtrainings pro Woche inzwischen Leistungsschwimmer ist.

Die Liebe zu seinem Verein entstand nicht nur durch sportliche Erfolge, sondern vor allem durch die familiäre Atmosphäre, erzählt er. „Entsprechend habe ich Anfang 2021 begonnen, als Trainer im SC Hardtberg aktiv zu sein.“ In dieser Rolle plante und führte er mehrmals pro Woche Trainingseinheiten für Kinder durch, pflegte Elternkontakte und betreute Mitglieder bei Wettkämpfen. „Der SC Hardtberg ist mehr als ein Verein für mich. Es ist eine Gemeinschaft, die es zu schützen und weiterzuentwickeln gilt“, betont Reul.

Sein Engagement begann nicht erst im Schwimmclub, sondern schon in der Schülervertretung des Ernst-Moritz-Arndt Gymnasiums, wo Reul im vergangenen Jahr sein Abitur absolvierte. „Dabei war ich über viele Jahre hinweg in ganz verschiedenen Bereichen tätig, wo mir die Wichtigkeit von ehrenamtlicher Arbeit bewusst geworden ist“, erklärt er. Wie er den Spagat zwischen dem ehrenamtlichen Einsatz, sowohl in der Schule als auch im Schwimmverein, und der Abiturvorbereitung meistern konnte? „Grundsätzlich habe ich die meiste Zeit wenig Probleme gehabt, Schule und Ehrenamt zu koordinieren“, berichtet Reul. Es seien eher kurze Zeiträume gewesen, in denen die Belastung etwa aufgrund von Klausurphasen besonders hoch für den Jugendlichen war. „Die Schule musste dabei leider hin und wieder hintenanstehen“, gesteht er.

Prävention von sexualisierter Gewalt

Einem erfolgreichen Abitur stand das private Engagement allerdings nicht im Weg. Mehr noch, Reul konnte sich in seinem Verein auch mit einer Initiative hervorbringen: Zur Prävention von sexualisierter Gewalt im Schwimmsport hat er gemeinsam mit anderen Trainern in seinem Verein Strukturen geschaffen, um das Bewusstsein für das Problem zu stärken und sensibilisiert nun auch andere Trainerinnen und Trainer für das Thema. „Wir haben die Bereitstellung fester anonymer Ansprechpersonen im Verein in der Satzung manifestiert“, erzählt er.

Für sein Engagement wurde Reul in diesem Jahr mit dem Hannelore Kendziora Ehrenpreis ausgezeichnet, den junge Menschen erhalten, die sich in einem Sportverein in außergewöhnlicher Weise ehrenamtlich engagieren. Für Reul ist der Preis nicht nur eine besondere Auszeichnung, sondern vor allem ein Appell an die Gesellschaft, die unsichtbaren Strömungen des Ehrenamts zu erkennen und zu schätzen. „Ich freue mich sehr über die Ehrung, allerdings muss gesellschaftlich viel klarer werden, wie viele Prozesse eben nicht selbstverständlich sind“, so der Abiturient.

Wegen eines Freiwilligen Sozialen Jahres in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie in Göttingen hat Reul seine Traineraktivitäten inzwischen niedergelegt, bleibt dem Verein aber als Mitglied weiterhin treu. Sein Hauptziel ist es, einen Beitrag zur Erhaltung und Entwicklung des Vereins zu leisten. Die Freude, die Begeisterung am Schwimmsport weiterzugeben und zu sehen, wie eigene Projekte Früchte tragen, macht ihn glücklich. „Der Kontakt mit Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Interessen – vom Bronzekurs über die Leistungsmannschaft bis hin zum Vereinsvorstand – hat mich persönlich enorm weitergebracht“, betont er.

Viele Wünsche an die Politik

Mit Blick auf die Zukunft des Ehrenamts wünscht er sich, dass die Bedeutung von sozialem Engagement auch politisch vorangetrieben wird und ehrenamtlichen Institutionen „keine Steine in den Weg gelegt werden“. „Viele gemeinnützige Vereine, gerade im sozialen Bereich, werden vor massive Herausforderungen gestellt“, so der Ehrenamtler. Gleichzeitig gebe es mit Blick auf das Ehrenamt großes Potenzial in der Gesellschaft. „Viele Angebote könnten noch stärker wahrgenommen werden, und viele Menschen wissen überhaupt nicht, in wie vielen Bereichen motivierte Ehrenamtliche immer willkommen sind“, appelliert Reul.

Ein entsprechendes Fragezeichen stellt er, wenn es um den Willen der Politik geht, das Ehrenamt nachhaltig zu stärken und hofft auf mehr Wertschätzung und Förderung von sozialen Initiativen. Eine weitere Herausforderung, für die sich Reul mehr politischen Einsatz wünscht, ist die bauliche Situation der Bonner Schwimmbäder. Unklare Renovierungspläne und spontane Schließungen beeinträchtigen auch regelmäßig den Trainingsbetrieb im SC Hardtberg. „Gerade im letzten Jahr sahen wir uns immer wieder mit spontanen Schließungen des Bades aufgrund von Defekten konfrontiert“, bedauert der Sportler.

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