Paul Bartsch tritt in Endenich auf Was uns die Stadtmusikanten heute noch zu sagen haben

Endenich · Mit Paul Bartsch kommt ein Weggefährte des Liedermachers Gerhard Gundermann aus dem Osten nach Bonn. Um seinen Auftritt auf eigene Faust zu organisieren, nahm die Endenicherin Doris Pastoors einiges an Risiko auf sich.

 Doris Pastoors freut sich auf den Auftritt des Paul Bartsch Akustik-Trios in der Harmonie.

Doris Pastoors freut sich auf den Auftritt des Paul Bartsch Akustik-Trios in der Harmonie.

Foto: Stefan Hermes

Wenn der Liedermacher Paul Bartsch am 1. Mai mit seiner Band in der Harmonie auftritt, wird sich vermutlich bereits mit den ersten Takten die Anspannung von Doris Pastoors gelegt haben. Seit gut fünf Jahren gehört sie der „Gundermanns Seilschaft“ an, einem Verein, der sich im sächsischen Hoyerswerda nach dem Tod des Liedermachers Gerhard Gundermann gründete und jetzt als Veranstalter des Konzerts mit Gundermanns Generationsgefährten Bartsch auftritt. „Schon bald dürfte unser Kartenvorverkauf kostendeckend sein“, so Pastoors erleichtert, die bis zuletzt noch die Sorge hatte, dass der außerhalb der ehemaligen DDR weitgehend unbekannte Bartsch genügend Fans in der Endenicher Harmonie versammeln würde.

Auch der erste Preis der Bartsch und seine Band 2023 für das beste deutschsprachige CD-Album vom Deutschen Rock & Pop Musikerverband (DRMV) auszeichnete, konnte Pastoors zunächst nicht von der Sorge befreien, „dass wir den Saal nicht voll bekommen.“ Mit großer Faszination für das Leben und Werk Gundermanns, das sich für sie auch in den Liedern von Bartsch widerspiegelt, ist sie zusammen mit der Seilschaft das vermeintliche Risiko eingegangen, das Akustik-Trio nach Bonn zu holen.

Pastoors Begeisterung für den mit 43 Jahren an einem Schlaganfall gestorbenen Gundermann entstand durch den gleichnamigen biografischen Film, den der Regisseur und Autor Andreas Dresen über den als singenden Baggerfahrer aus der Lausitz bekannt gewordenen Liedermacher 2018 in die Kinos brachte. In der DDR galt Gundermann mit seinen poetischen Liedern als ein Sprachrohr der Menschen im Lausitzer Braunkohlerevier. Nach der deutschen Wiedervereinigung widmete er sich verstärkt dem Umweltschutz und äußerte sich kritisch über die soziale Entwicklung im Osten Deutschlands.

„Ich habe als Bibliothekarin alles gelesen, was ich über Gundermann in die Finger bekommen konnte“, sagt Pastoors, die in diesem Zusammenhang auch auf die Seilschaft stieß, zu deren Mitgliedern sie heute zählt. Als sie beim Altenhofer Liedersommer in Brandenburg einen Auftritt von Paul Bartsch und seiner Band erlebte, übertrug sich die Faszination für Gundermann auch auf den oftmals als Nachfolger Gundermanns bezeichneten Bartsch.

Was uns die Stadtmusikanten heute noch zu sagen haben

Auch wenn der promovierte Literatur- und Erziehungswissenschaftler Paul Bartsch keine Lieder von Gerhard Gundermann singt und selbst mehr als 300 Songs in vier Jahrzehnten geschrieben hat, so gibt es laut Pastoors doch auch Parallelen zu Gundermanns Werk. Wie bei Gundermann enhalten Bartschs Texte poetische Anspielungen, die sich bei dem Literaturwissenschaftler insbesondere in der Welt der Märchen und Mythen als ergiebig erweist.

Wie er selbst betont, gehe es ihm in seinen Texten allerdings keineswegs um ein „Es war einmal...", sondern eher um die Frage, wie beispielsweise die Stadtmusikanten, der goldene Fisch, die sieben arbeitslos gewordenen Zwerge oder auch der Frosch, der erst an der Wand landen muss, um ein Prinz zu werden, noch in die heutige Zeit passen. Und darum, was uns Sisyphos, Odysseus und Ikarus noch zu sagen haben. Auch der Ritter von der traurigen Gestalt rafft sich mit seinem treuen Knappen noch mal auf, um die Welt ein wenig besser zu machen.

Gemeinsam mit seinen langjährigen musikalischen Mitstreitern Sander Lueken (Keyboards, Gesang) und Thomas Fahnert (Gitarre, Geige, Gesang) überzeugt Paul Bartschs Poesie mit einem kraftvollen Gemisch aus Folk, Blues, Rock und Chanson auf unterhaltsame, mitunter nachdenklich stimmende Weise, die Suche nach dem Möglichen in einer sich wandelnden Welt. Mit jährlich rund 40 Konzerten im Osten Deutschlands gehört das Bartsch Akustik-Trio dort zu den bekanntesten Liedermachern.

In der Harmonie wird mit Bartsch eine Stimme aus dem Osten zu hören sein, die viel zur aktuellen Stimmung und Gefühlslage in ganz Deutschland zu sagen hat. Paul Bartsch legt mit seinen Liedern den Finger in die Wunden unserer Zeit, ohne auf poetische Melancholie und trotzigen Optimismus zu verzichten. Karten gibt es bei Bonn-Ticket und eventim sowie in der Harmonie.

Paul Bartsch Akustik-Trio: „Stadtmusikanten - Märchen aus kommenden Tagen“, am 1. Mai 2024 um 19 Uhr in der Harmonie, Frongasse 28-30

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