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Weltladen Bonn feiert sein 30-jähriges Bestehen

Weltladen Bonn feiert Jubiläum : Dem Öko-Ruf längst entwachsen

Der Weltladen Bonn feiert sein 30-jähriges Bestehen. Gegründet wurde er von drei Studenten an der Bonner Universität. Parallel dazu entwickelten die drei Pioniere das Fair-Handelszentrum Rheinland und belieferten darüber andere Großkunden mit fair gehandelten Produkten.

Wenn man die Bilder von den Anfängen des Weltladens in der Maxstraße betrachtet und dann hineingeht, stellt man fest: Das Fair-Trade-Geschäft hat sich gut entwickelt. Ganz zu Beginn vor 30 Jahren stapelten sich die Waren noch sehr improvisiert an den Wänden, heute sieht es recht ordentlich aus. Auch das Sortiment hat sich erweitert: Früher gab es Dinge wie Kleidung, Kaffee, Honig, Korbwaren und Handtrommeln zu kaufen, heute ist das Sortiment breitgefächert mit Schokolade, Gewürzen, Spielsachen und Töpferware, in einer Ecke finden sich Baumwollschlafanzüge aus Indien, im Schaufenster Gartengeräte.

Mittendrin trifft man Susanne Schweiß an, eine aus dem Team ehrenamtlicher Mitarbeiter, die den Laden organisieren. Sie ist seit zweieinhalb Jahren dabei. „Ich habe immer gesagt, wenn ich in den Ruhestand gehe, will ich etwas Ehrenamtliches machen.“ Inzwischen ist sie Feuer und Flamme für das Projekt. Denn sie unterstütze Menschen in den Produktionsländern dabei, „dass sie ihre Existenz sichern können“.

1992 wurde auch eine „Dritte Welt-Bibliothek“ eingerichtet

Das war auch die Idee der Gründer Elmar Schulze Messing, Martin Klupsch und Martina Schauten, die damals an der Bonner Universität studierten. Sie bildeten den Arbeitskreis „Eine-Welt“ der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG), traten aber nach Querelen aus der KHG aus, gründeten den eingetragenen Verein „Über den Tellerrand hinaus – Initiative für Eine Welt“ und mieteten die Räume in der Maxstraße 36 an. Dort verkauften sie ab dem 6. Mai 1991 fair gehandelte Waren weiter, außerdem ging es um Information und Aufklärung über die Situation von Bauern, Handwerkern und Kindern in den Herkunftsländern. 1992 wurde auch eine „Dritte Welt-Bibliothek“ eingerichtet, die es heute nicht mehr dort gibt.

Parallel zum Weltladen-Betrieb entwickelten die drei Pioniere das Fair-Handelszentrum Rheinland (FHZ) und belieferten darüber Weltläden und andere Großkunden mit fair gehandelten Produkten. Aber dafür war irgendwann in der Maxstraße kein Platz mehr, da sich das Sortiment immer weiter vergrößerte. Sie lagerten das FHZ 2013 nach Alfter-Witterschlick aus und gaben die Weiterführung des Weltladens ab. Dafür wurde der Verein „Weltladen Bonn“ gegründet, seitdem wird der Laden auf ehrenamtlicher Basis organisiert.

Viele Stammkunden bestellen auch während Corona

Der runde Geburtstag konnte pandemiebedingt nicht groß gefeiert werden, dafür hat man das Schaufenster passend dekoriert. Laut Schweiß läuft das Geschäft gut, auch mit den Online-Bestellungen in Corona-Zeiten. Man habe inzwischen viele Stammkunden und generell habe sich der Ruf des Weltladens vom „Öko-Laden“ entfernt, sagt sie. Das habe sich wohl geändert verglichen mit früher. Die Ware wird über dicke Kataloge bei Fair-Trade-Organisationen bestellt, auch individuell nach Kundenwunsch. Das führt dazu, dass das Sortiment sich ständig verändert. Die Ruheständlerin genießt die Arbeit dort. „Das ist ein nettes Miteinander hier.“

Inzwischen gibt es in ganz Deutschland rund 900 Weltläden. Der in der Bonner Maxstraße 36 hat derzeit montags bis freitags von 17 bis 19 Uhr und samstags von 12 bis 15 Uhr geöffnet. Infos auf www.weltladen-bonn.de.