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Fachberatungsstelle in Duisdorf: Wenn alte Konflikte wieder hochkommen

Fachberatungsstelle in Duisdorf : Wenn alte Konflikte wieder hochkommen

Die Feiertage bergen eine Menge Sprengstoff. „Das ist eine ganz explosive Zeit“, weiß Heike Thiemann von der Adelante Fachberatungsstelle in Duisdorf, ein Verein, der Menschen mit traumatischen Erfahrungen unterstützt.

An Weihnachten oder „zwischen den Jahren“ brechen gerne Konflikte auf, deren Ursachen in der Vergangenheit liegen: Nicht erfüllte Erwartungen, zu hoch gesteckte Ziele, Isolation und Einsamkeit, Vernachlässigung, psychische Gewalt oder die Bewältigung von Trauer und Verlust. „Zudem haben viele Urlaub und somit Zeit, über die eigene Situation nachzudenken“, so Thiemann. „Vieles kommt hoch, wenn ich nicht in meinem Regelalltag eingebunden bin“, ergänzt sie.

Deshalb bietet das ehrenamtliche Team von fachlich fundiert ausgebildeten Therapeuten, Sozialpädagogen, Heilpraktikern oder Medizinern an den Feiertagen zusätzliche Sprechstunden an. „Gerade in dieser Zeit wollen wir verstärkt ansprechbar sein“, ergänzt Thiemann und legt Wert darauf, dass absolute Schweigepflicht sowie Klientenschutz garantiert werden.

Adelante hält nicht nur ein eigenes Hilfsangebot bereit. Bei Bedarf wird zusätzlich über ein großes Netzwerk weiterführende ambulante oder stationäre Betreuung vermittelt. Rund 60 Beratungstermine wurden im vergangenen Jahr vergeben. „Die Hilfesuchenden kommen quer durch alle Gesellschaftsschichten“, so die Mitarbeiterin.

„Der Schwerpunkt unserer Beratungsarbeit liegt in der Begleitung von Betroffenen, die in ihrer Kindheit, Jugend oder im Erwachsenenalter die unterschiedlichsten Formen psychische, emotionale oder sexuelle Gewalt erlebt haben“, präzisiert Georg Merker, Vorsitzender des Vereins. Dazu gehört natürlich die Begleitung von Menschen, die sexuelle Gewalt in der Familie oder in kirchlichen Einrichtungen erfahren haben.

Jeder Fall ist individuell

„Dieser Missbrauch hat immer Auswirkungen auf die spirituelle Ausrichtung eines Menschen. Antworten auf spirituelle Fragen sind ein Grundbedürfnis. Bei traumatisierten Menschen sind sie deshalb von Bedeutung, weil sie wesentlich zur Bewältigung des Traumas beitragen“, so Merker.

„Unabhängig davon, ob eine aktuelle Situation aussichtslos erscheint, ist es nach unserer Erfahrung möglich, mit fachkompetenter Unterstützung immer einen nächsten Schritt vorwärts zu machen. Einen Schritt raus aus dem Leid“, ergänzt der Vorsitzende des Vereins. So unterschiedlich die traumatischen Erfahrungen der Betroffenen sind, so vielschichtig ist die Hilfe. „Es gibt nicht ein Rezept für alle“, weiß Merker aus seiner Erfahrung als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. „Jeder Fall wird individuell betrachtet.“

Bei Therapien gehe es immer um Veränderung. „Die ist aus unserer Überzeugung zu jedem Zeitpunkt möglich. Sie mag sich zunächst in kleinen Schritten vollziehen, doch führt sie in Summe zu einem neuen Selbstbewusstsein“, so der Mediziner. „Aber“, so Georg Merker, „ein Therapeut kann immer nur Wegweiser sein. Der Betroffene soll aus der Reflexion selbst erkennen, wie er seine Situation aus eigenem Antrieb aktiv verändern kann.“

Der richtige Zeitpunkt für einen erfolgreichen Abschluss einer Begleitung sei dann erreicht, wenn ein Klient mit dem, was er in der Therapie erreicht hat, glücklich ist. Dafür würde man jeden Menschen dort empfangen und abholen, wo er gerade stehe. „Aber“, so betont Thiemann, „wird sind nicht nur für Betroffene ansprechbar. Sondern auch für deren Angehörige.“