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Evangelische Kirchengemeinde Hardtberg: Wie ein ehemaliger Pfarrer die Zeit in der DDR erlebte

Evangelische Kirchengemeinde Hardtberg : Wie ein ehemaliger Pfarrer die Zeit in der DDR erlebte

Der ehemalige Pfarrer und frühere Bundestagsabgeordnete der CDU, Rainer Eppelmann, hat in einem Vortrag in der Evangelischen Kirchengemeinde Hardtberg über seine Zeit in der DDR gesprochen.

Als die Mauer gebaut wurde, war Rainer Eppelmann in der elften Klasse von seiner Schule abgeschnitten und damit auch von der Möglichkeit, Abitur zu machen. Er wuchs im Ostteil Berlins auf und besuchte ein Gymnasium im Westen der Stadt. Mit dem Mauerbau musste er den Schulbesuch gänzlich abbrechen, weil er gleichzeitig auch nicht im Jugendverband der Freien Deutschen Jugend (FDJ) war und er seinen Abschluss deshalb auch nicht in der DDR machen konnte. 1966 verweigerte Eppelmann den Dienst an der Waffe in der Nationalen Volksarmee (NVA) sowie die Ablegung des Fahneneides. Er wurde daraufhin zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt.

„Es ist eine Schicksalsfrage, ob man die Chance hat, in einer Demokratie zu leben, oder in einer Diktatur lebt“, sagt Eppelmann. Und weil er beide Systeme kennengelernt hat, weiß er: „Uns ging es noch nie so gut wie heute.“ Um diese Aussage drehte sich am Montag ein Vortrag in der Evangelischen Kirchengemeinde Hardtberg, zu der Eppelmann aus Berlin angereist war.

„Als Jugendlicher habe ich immer wieder meine Eltern gefragt, wie sie nur unter Hitler solche grausame Taten mitmachen konnten. Sie sagten mir, sie hätten nunmal einen Eid geschworen. Und genau aus diesem Grund habe ich in der DDR den Fahneneid nicht abgelegt,“ sagt Eppelmann, der 1943 geboren wurde. So hätte er geloben müssen, dass er bereit sei, mit aller Kraft und zur Not auch mit dem Leben sich für die DDR einzusetzen. „Ich sagte mir aber, so etwas werde ich niemals versprechen.“ Und dafür nahm er auch die Freiheitsstrafe hin. Eppelmann wurde später Pfarrer in der DDR, im Zuge der Deutschen Einheit Mitglied der Volkskammer der DDR und Minister für Abrüstung und Verteidigung, und schließlich von 1990 bis 2005 Bundestagsabgeordneter der CDU im vereinten Deutschland.

Mauerbau aus zwei Perspektiven

Doch nach Bonn kam Eppelmann am Montag vor allem als Zeitzeuge, von denen es unter den Bonnern, die ihm zuhörten, auch einige gab – so etwa die Organisatorin des Montagsvortrages und Presbyterin der Evangelischen Kirchengemeinde Hardberg, Barbara Kliesch. Während Eppelmann als Elftklässler den Mauerbau von Ostberlin aus beobachtete, erlebte ihn Kliesch als Neuntklässlerin von Westberlin aus. „Es war ein Sonntag und überall auf den Straßen verkündeten Zeitungssondermeldungen die Nachricht. Es war die letzte Woche der Sommerferien. Als die Schule wieder begann, war die Mauer sofort Thema. Ich erinnere mich, dass viele Mitschüler bitterlich weinten, weil sie Verwandte in Ostberlin hatten, die sie nicht mehr besuchen konnten“, erzählt Kliesch. Ostberlin war plötzlich unerreichbar und erst nach dem Mauerfall war Kliesch wieder dort. „Inzwischen war ich eine erwachsene Frau, Mutter von drei Kindern und Lehrerin. Ich konnte deswegen den Mauerfall nur vom Fernseher aus gebannt mitverfolgen. Es war sehr bewegend.“

Eppelmann hingegen erlebte die Grenzöffnung aus nächster Nähe und bezeichnet den Tag als den emotionalsten in seinem ganzen Leben. Er stand damals an der Bösebrücke, dem ersten Übergang in Ost-Berlin, der für DDR-Bürger geöffnet wurde. „Ich habe unzählige Menschen gesehen, die sich in den Armen lagen und sie haben alle immer nur ein Wort gesagt: ‚Wahnsinn’“, erinnert er sich 30 Jahre nach dem Ereignis. „Jeder wusste, dass hier etwas Außergewöhnliches passiert war und ich war mir bewusst, dass sich mein Leben von Grund auf ändern würde.“

Einer seiner Zuhörer, Frank Rädler, brachte wiederum seine ganz eigenen Erinnerungen an das geteilte Deutschland zum Vortrag mit. Er lebte in Koblenz, hatte aber noch Freunde und Verwandte in der DDR. Seine Eltern waren 1949 mit ihm nach Westdeutschland geflohen, meldeten sich aber nicht als Flüchtlinge, was es ihnen und dem jungen Rädler ermöglichte, den Osten weiterhin zu besuchen. „Immer wenn der Zug an der Grenze hielt, war das sehr beklemmend. Meist warteten wir dann bis zu drei Stunden, bis wir weiterfahren konnten, weil von der Polizei alles durchsucht wurde“, erzählt Rädler. Und einmal geriet auch er dabei in Verdacht. Es war nur wenige Tage nach dem elften Plenum des DDR-Zentralkomitees, bei dem Theaterstücke, Bücher und Beatbands reihenweise verboten wurden: Rädler war auf dem Weg nach Leipzig und hatte Westplatten mitgenommen. Das machte ihn aber gerade nach dem neuen Entschluss der Regierung verdächtig. Die Stasi zog ihn mit seinen Platten aus dem Zug und verhörte ihn. „Das war schon gruselig. Die Damen der Stasi waren nicht die angenehmsten“, erzählt der 73-jährige Rädler heute bescheiden. Schließlich wurden seine Platten konfisziert und er wurde freigelassen – gerade noch rechtzeitig, um den letzten Zug nach Leipzig zu nehmen. Eppelmann betonte in seinem Vortrag abschließend, dass die Erinnerung der größte Schatz sei, den man an die folgenden Generationen vererben könne.