Selbstversuch nach Streckensperrung Wie gut ist der Ersatzverkehr?

DUISDORF · Sonderzug, das klingt nach Fußballbundesliga oder Großkundgebung. In diesem Fall bedeutet es Stress für die Pendler. "Sonderzug" ist nämlich auf der Anzeige der Züge zu lesen, die seit Montag auf der Strecke der Regionalbahn 23 (Voreifelbahn) außerplanmäßig zwischen Bonn-Hauptbahnhof und Duisdorf fahren.

Im Vorfeld hatte es Kritik am Konzept der Bahn gegeben. Die Fahrzeiten der Ersatzbusse zwischen Duisdorf und Witterschlick etwa seien mit elf Minuten zu knapp bemessen, ebenso das Zeitfenster von vier Minuten zum Umstieg zwischen Bus und Bahn in Witterschlick und Duisdorf. Doch trifft das wirklich zu? Ein Selbstversuch zum gestrigen Start der Bauarbeiten: Vom Bonner Hauptbahnhof soll es nach Duisdorf gehen und dann mehrmals mit den Ersatzbussen nach Witterschlick und zurück. Nach Sonderfahrplan pünktlich verlässt der Zug am Montagmorgen um 7.31 Uhr den Bonner Hauptbahnhof. Es ist einer der neuen Züge vom Typ Coradia Lint, die unter dem Namen "Vareo" auf der Voreifelstrecke fahren.

Weit kommt er allerdings nicht. Kurz nach Verlassen des Hauptbahnhofs hält er bereits wieder an, aufgrund einer "Bahnübergangsstörung", so die Durchsage des Fahrzeugführers. Daher wird der Haltepunkt Duisdorf mit einigen Minuten Verspätung erreicht.

Der Umstieg auf die Busse muss also schnell gehen. Am Bahnsteig stehen drei Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Die sogenannten "Reisendenlenker" sollen den Passagieren mit Auskünften zur Verfügung stehen. Die Frage "Wo geht es zu den Ersatzbussen?" wird mit einem Handzeichen und dem Hinweis "Hopp, hopp" beantwortet.

In der Tat brummen bei den vier Schienenersatzfahrzeugen schon die Motoren. Kaum sind alle Fahrgäste drin, geht es auch schon los - allerdings erst um 7.48 Uhr und nicht wie geplant um 7.44 Uhr. Das wird knapp.

Durch Duisdorf schiebt sich die Buskolonne über die B 56 nach Witterschlick. Laut Plan soll es durch das Gewerbegebiet gehen, da der Bahnübergang auf der Hauptstraße/L 113 wegen der Bauarbeiten gesperrt ist. Bis zur Einbiegung in die Raiffeisenstraße kommen die Busse auch gut voran. Dann offenbart sich der Knackpunkt der Route. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis die vier Busse über die Linksabbiegerspur in die Raiffeisenstraße kommen. So verwundert es nicht, dass der Zug in Witterschlick mit Abfahrt um 7.59 Uhr nicht erreicht wird. Die Reisenden in Richtung Euskirchen müssen nun eine halbe Stunde warten.

Zu Testzwecken geht es direkt zurück nach Duisdorf. Die Busse sind um diese Uhrzeit gut gefüllt, Platzmangel herrscht aber nicht. Erneut erweist sich der Abzweig Raiffeisenstraße/B 56 als Nadelöhr. Zwar wird der Zug in Duisdorf um 8.15 Uhr erreicht, aber nur, weil dieser seine Abfahrtszeit um einige Minuten hinauszögert. Die Busfahrt von Duisdorf nach Witterschlick mit Abfahrt um 8.44 Uhr verläuft problemlos - wohl auch, weil der morgendliche Berufsverkehr mittlerweile durch ist. Als die Busse fast pünktlich, um 8.57 Uhr, in Witterschlick eintreffen, fährt der Zug in Richtung Euskirchen gerade ein. Ebenso problemlos hätten die Reisenden auch den Zug bekommen können, der um 9.15 Uhr von Duisdorf nach Bonn-Hauptbahnhof hätte fahren sollen.

Doch: Als die Fahrgäste in Duisdorf die Busse verlassen, werden sie von den "Reisendenlenkern" mit dem Hinweis erwartet, dass die Verbindung ausfällt. Gründe dafür können sie nicht nennen. Als Optionen bieten sie den Passagieren an, auf reguläre Linienbusse umzusteigen oder auf den nächsten Zug in 30 Minuten zu warten. Unter den Reisenden macht sich eine Mischung aus Verwirrung und Ärger breit. Die Ersatzbusse sind derweil schon wieder auf dem Weg nach Witterschlick.