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Jugendzentrum am Probsthof in Bonn: Wie Jugendarbeit in Corona-Zeiten funktioniert

Jugendzentrum am Probsthof in Bonn : Wie Jugendarbeit in Corona-Zeiten funktioniert

Kinder und Jugendliche leiden unter der Einsamkeit. Das Jugendzentrum am Propsthof hält Gruppen online zusammen.

Im Kinder- und Jugendzentrum am Propsthof (JAP) der Evangelischen Trinitatiskirchengemeinde ist es wieder still geworden. Nur vor der Türe spielen noch vereinzelt Kinder, für die es zur Gewohnheit gehört, sich nach der Schule mit Freunden im JAP zu treffen. „Im Moment können wir unsere Offene Tür nur auf kleiner Flamme anbieten“, sagt Petra Lücking-Cickovic. Die Leiterin der Einrichtung ist versucht, noch das Beste aus dem Wenigen zu machen, was die Coronaschutzverordnung seit dem vergangenen Montag noch zulässt. „Die große Schwierigkeit ist“, ergänzt Gemeindepädagoge Rainer Berghausen, dass man wieder einmal erst am Sonntag erfahren habe, was am Montag passieren soll. Das gehe bereits seit dem Ende der Weihnachtsferien so. Zusammen mit Fiete Fedder, der gerade seinen Bundesfreiwilligendienst im JAP absolviert, sitzen die drei etwas verloren in dem Flur des Jugendzentrums und berichten über die Einschränkungen und Auswirkungen, die die Pandemie auf ihre Arbeit und die Kinder und Jugendlichen nimmt.

 Allein auf weitem Flur: Petra Lücking-Cickovic (von rechts), Rainer Berghausen und Fiete Fedder.
Allein auf weitem Flur: Petra Lücking-Cickovic (von rechts), Rainer Berghausen und Fiete Fedder. Foto: Stefan Hermes

Zum Ende der Osterferien konnte das JAP zum 24. Mal seine Zirkuswoche anbieten. „Bis zum Schluss war nicht klar, ob uns alles wieder wegbricht, was schon organisiert war“, so Lücking-Cickovic. Wo in normalen Zeiten rund 60 Kinder eine Woche für die große Abschlussvorstellung trainierten, waren es jetzt 22 Mädchen und Jungen, die in zwei Gruppen an vier Tagen für jeweils nur zwei Stunden einen kleinen Einblick in die Artistenwelt bekamen. „Aber wir haben es gemacht“, sagt die Diplompädagogin stolz. Man versuche eben, alles zu tun, was noch gehe. Sie weiß von Kindern und Jugendlichen, denen die Einsamkeit in der Pandemie schwer zu schaffen macht.

Beim Online-Treffen von ehrenamtlichen Helfern der Gemeinde habe nach der Frage, wie es ihnen in Corona-Zeiten ergehe, eine 16-Jährige mit zunehmender Traurigkeit und später auch Tränen in den Augen davon gesprochen, dass sie schon seit Monaten keine sozialen Kontakte mehr habe, was alle ihre Zuhörer in der Zoom-Konferenz sehr betroffen gemacht habe. Lücking-Cickovic ist sich darüber im Klaren, wie wichtig das JAP für manche Kinder und Jugendliche ist, die es regelmäßig besuchen. In einer Eins-zu-eins-Betreuung versucht man nun aufrecht zu erhalten, was noch machbar ist.

Während vor der Türe der Basketballkorb abgeschlossen wurde, werden im Haus drei Computer an Einzelplätzen für die Schüler zur Verfügung gestellt, die zu Hause keine Möglichkeit haben, am Homeschooling teilzunehmen. Insgesamt haben sich einige Angebote des JAP ins Internet verlegt. „Unser Anliegen ist es immer schon gewesen“, so Lücking-Cickovic, „Freundesgruppen zu bilden, die vom Schulbeginn bis zum -abschluss zusammenbleiben.“ Einige dieser Gruppen treffen sich nun über Zoom-Einladungen des JAP. Mit zaghaftem Optimismus macht die Leiterin des JAP auch auf beginnende Schlagzeug- und Gitarrenkurse aufmerksam, zu denen man sich jetzt anmelden könne. Und ihr Stellvertreter Berghausen denkt schon über die Möglichkeit nach, in den Sommerferien eine zweiwöchige Urlaubsfreizeit in Kroatien anzubieten. „Aber klar ist schon jetzt“, so Lücking-Cickovic, „dass auch die Ferienprogramme für den Sommer nicht im gewohnten Maße stattfinden können.“

Weitere Informationen, Angebote und Anmeldungen unter www.jap-bonn.de